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Rundherum wird es düster

Die Schweizer sehen optimistisch in die Zukunft. Jedoch nur, wenn es ums eigene Land geht. Dies geht aus der Studie Sicherheit 2012 hervor. Bemerkenswert: Das Vertrauen in den Bundesrat ist markant gestiegen.

Die Schweiz ist eine Insel der Sicherheit: Sonnenuntergang auf dem Uetliberg, Zürich. (Archivbild)
Die Schweiz ist eine Insel der Sicherheit: Sonnenuntergang auf dem Uetliberg, Zürich. (Archivbild)

Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich im langjährigen Vergleich derzeit ausgesprochen sicher und sehen der Zukunft des Landes optimistisch entgegen. Die internationale Entwicklung beurteilen sie aber skeptisch.

Mehr als jeder Zweite denkt, dass sich die weltpolitische Lage in den nächsten fünf Jahren verdüstert. 2010 hatte eine Mehrheit noch den Eindruck, die weltpolitische Lage werde gleich bleiben oder sich entspannen. Im Jahr 2011 änderte sich dies, und auch 2012 Jahr ist die Mehrheit pessimistisch. Zu diesem Schluss kommt die Studie Sicherheit der ETH Zürich, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Mehr Vertrauen in die Institutionen

Markant zugenommen hat das Vertrauen in die Schweizer Institutionen und Behörden. An erster Stelle steht hier die Polizei, gefolgt von den Gerichten, dem Bundesrat und der Schweizer Wirtschaft. Am kritischsten beurteilt werden die politischen Parteien sowie die Medien.

Im Vergleich zum Vorjahr ist das Vertrauen der Befragten in beinahe alle Institutionen gestärkt worden. Dieser Zuwachs steht laut der Studie «wahrscheinlich in Zusammenhang mit der Wahrnehmung einer sicheren Schweiz in einer unsicheren Umwelt.» Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie der ETH Zürich spricht auch von einem «Autonomie-Wunschdenken».

Zustimmung zu EU-Beitritt auf Tiefpunkt

Der Wunsch nach einer wirtschaftlichen, politischen und militärischen Unabhängigkeit der Schweiz bleibt unverändert stark. Einen Beitritt zur EU befürworten nur noch gerade 17 Prozent. Dies ist der tiefste bisher ermittelte Wert.

In den 90er Jahren hatten zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung die politische Annäherung favorisiert. Heute stösst dagegen die rein wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU auf grosse Akzeptanz: Vier von fünf Befragten befürworten diesen Kurs.

Mehr Entwicklungshilfe gefordert

An Rückhalt gewonnen hat die Entwicklungshilfe. 62 Prozent finden, die Schweiz sollte mehr Entwicklungshilfe leisten. Letztes Jahr waren es 57 Prozent gewesen. Generell befürwortet die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer internationale Kooperation. Mehr als 70 Prozent begrüssen die Vermittlungstätigkeit der Schweiz in Konflikten.

Ein grosser Teil der Bevölkerung wünscht sich auch mehr Engagement im Rahmen internationaler Organisationen. 68 Prozent sprechen sich dafür aus, dass sich die Schweiz aktiv und an vorderster Front für die Anliegen der UNO einsetzen soll. Dies ist der höchste je gemessene Wert. 53 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, die Schweiz sollte sich an internationalen Friedenstruppen beteiligen.

Wehrpflicht zunehmend in Frage gestellt

Im Wandel ist auch die Haltung zu Armee und Wehrmodell. Nur noch rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung befürwortet die Wehrpflicht: 48 Prozent sprachen sich für die Abschaffung der Wehrpflicht aus, 50 Prozent möchten daran festhalten und 2 Prozent äusserten dazu keine Meinung.

Innerhalb eines Jahres haben die Gegner der Wehrpflicht markant zugenommen. Ob dies mit der GSoA-Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht zu tun hat, wurde nicht untersucht. Geteilt sind die Meinungen auch bezüglich der Frage, ob die Schweiz statt einer Miliz- eine Berufsarmee haben sollte.

Auch widersprüchliche Antworten

Ob alle den Unterschied verstehen, ist indes offen: 10 Prozent der Befragten möchten eine Berufsarmee, sind aber gegen die Aufhebung der Wehrpflicht. Gemäss Tibor Szvircsev Tresch könnte diese widersprüchliche Haltung mit mangelndem Wissen zu tun haben. Generell liessen die Antworten zur Armee den Schluss zu, dass die Sicherheitspolitik für die meisten «ein eher zweitrangiges Thema» sei.

Die Daten wurden von Isopublic auf Basis von Telefoninterviews ermittelt. Für die Studie, die Trends in der aussen- und sicherheitspolitischen Meinungsbildung erfasst, wurden vom 12. Januar bis zum 6. Februar insgesamt 1200 Schweizer Stimmberechtigte in allen Sprachregionen befragt.

SDA/kpn

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