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Die Schweiz geht den Weg der Gleichstellung weiter

Über 60 Prozent der Stimmenden wollen Homosexuelle vor Hass und Herabsetzung schützen. Das ist ein ermutigendes Zeichen.

Claudia Blumer
Schwule, Lesben und Bisexuelle feiern Abstimmungssieg. Video: SDA

Es ist ein sehr deutliches Signal der Stimmenden an die Adresse der Homosexuellen: Rund 63 Prozent wollen ein Verbot von Hass, Herabsetzung und Diskriminierung. Es ist das zweite ermutigende Signal an die Gemeinschaft der Lesben, Schwulen und Bisexuellen. Vor 15 Jahren sagten 58 Prozent Ja zum neuen Partnerschaftsgesetz, mit dem homosexuelle Paare ihre Partnerschaft eintragen lassen konnten.

Es stellt sich die Frage: Wenn Homosexuelle in der Bevölkerung so grossen Rückhalt haben, warum braucht es dann einen strafrechtlichen Schutz? Es braucht ihn deshalb, weil Ressentiments wie Homophobie weiter verbreitet sind, als man annehmen würde – nicht nur Ultrarechte sind davon betroffen, sondern alle Menschen, in unterschiedlichem Ausmass. Die Mehrheit der Stimmenden ist der Ansicht, dass es verbindliche Regeln zum Schutz und zur Integration braucht.

Der Abstimmungskampf hat gezeigt, wie volatil und wenig greifbar die Homosexuellen-Feindlichkeit ist. Viele Gegner des Diskriminierungsschutzes haben erklärt, sie hätten kein Problem mit Homosexualität. Auf Nachfrage sagten sie dann aber dennoch, dass Homosexualität für sie eine minderwertige, weil abnormale Daseinsform sei. Andere sagten, es gebe in der Schweiz keine Probleme mit Homophobie. Und sie fügten beinahe im selben Atemzug an, dass die Machokultur gewisser Ausländergruppen mitverantwortlich sei für Übergriffe auf Homosexuelle.

Der politische Diskurs dürfte allgemein rücksichtsvoller und sensibler sein.

Trotz des guten Resultats: Fast 40 Prozent der Bevölkerung wollen keinen Schutz für Homosexuelle im Strafrecht. Sie gewichten das Recht auf freie Meinungsäusserung offenbar stärker als den Schutz der Betroffenen. Gut ist ja: Meinungen dürften trotz Diskriminierungsschutz frei geäussert werden. In parlamentarischen Debatten werden einige Politiker jedoch ihre Worte auf die Goldwaage legen, obwohl sie als Parlamentarier Immunität haben. Schlimm ist das nicht, im Gegenteil. Der politische Diskurs dürfte allgemein rücksichtsvoller und sensibler sein, in Bezug auf alle Menschen.

Homosexuelle haben mit diesem Gesetz zwar einen rechtlichen Sonderschutz. Doch faktisch ist dies ein Schritt in Richtung Gleichstellung. Denn sie werden heute bedroht und ausgegrenzt. Die Gesellschaft sagt nun deutlich, dass sie dies nicht toleriert. Es ist richtig, wenn die Schweiz den Weg der Gleichstellung weitergeht.

Demnächst berät der Nationalrat die Ehe für alle: Homosexuelle sollen zivilrechtlich heiraten können wie Heterosexuelle. Vor 80 Jahren war gleichgeschlechtliche Liebe verboten, bis vor 30 Jahren durfte sie nur eingeschränkt gelebt werden. Bald werden unsere Nachkommen auf die Zeit zurückblicken, in der es Männer- und Frauenpaaren verboten war, zu heiraten.

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