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Gescheiterter Luxusauto-Händler muss ins Gefängnis

Riccardo S. wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung, Misswirtschaft und Veruntreuung zu einer 6-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Der Beschuldigte wurde unter anderem des gewerbsmässigen Betrugs sowie der Misswirtschaft schuldig gesprochen. (Symbolbild)
Der Beschuldigte wurde unter anderem des gewerbsmässigen Betrugs sowie der Misswirtschaft schuldig gesprochen. (Symbolbild)
David Gannon, AFP

Nach dem Studium von 377 Bundesordnern oder 50 Laufmetern Akten, kommt das Bezirksgericht Lenzburg zu einem harten Urteil im grössten Wirtschaftskriminalfall des Kantons Aargau: Der frühere Autohändler Riccardo S. muss für sechs Jahre unbedingt ins Gefängnis.

Danach warten auf den früheren Leasing-König Schulden in Millionenhöhe. Seiner früheren Geschäftspartnerin, der Leasing-Firma Fidis, heutige FCA Capital AG, schuldet er über 12 Millionen Franken. Die Verfahrenskosten betragen fast eine Viertelmillion Franken und die Gerichtskasse fordert weitere 200'000 Franken von ihn. Die unbedingte Geldstrafe von 25'600 Franken wirkt dagegen vernachlässigbar. Die Wohnungen von Riccardo S. in Italien werden eingezogen und zu Gunsten des Staates verkauft.

Als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der früheren SAR Premium Cars AG habe der Verurteilte Aufgaben übernommen, für die er fachlich nicht geeignet war, hielt der Richter fest. Die Misswirtschaft hält das Gericht für die Ursache der Folgedelikte, die Riccardo S. begangen habe.

«Ein toxisches Rentabilitätssystem»

Der Beschuldigte habe selber ausgeführt, dass er nie einen Businessplan erstellt habe, meint der Richter. Vielmehr habe der Beschuldigte ein Leasingmodell entwickelt, das «nie und nimmer» hätte rentabel sein können. Mit diesem geradezu «toxischen Rentabilitäts-System» habe er die Verschuldung der SAR herbeigeführt und sogar noch verschlimmert.

Das schneeballartige Leasing-System mit Luxusautos fuhr vor allem deswegen zunächst hohe Gewinne ein, weil Riccardo S. Leasings zu unschlagbaren Preisen und Laufzeiten anbot und teilweise mehrere Verträge auf dieselben Autos abschloss. Dies habe er vor der Leasingfirma verheimlicht. Zudem soll Riccardo S. Wagen verkauft haben, die eigentlich noch im Besitz der Leasingfirma standen. Dazu fälschte er Fahrzeugausweise und Kundenunterschriften.

Riccardo S. führte eine Schattenbuchhaltung, fälschte das Fuhrpark-Inventar mit Fahrzeugen, die nicht hätten aufgeführt werden dürfen und unterliess Buchungen von Fahrzeugverkäufen, um die künstliche Liquidität seiner Firma vorzugaukeln. Die finanzielle Situation der SAR machte einen so gesunden Anschein, dass Riccardo S. weitere Kredite erhielt.

Verteidiger kündigt Berufung an

Der Beschuldigte habe vorsätzlich, wissentlich und willentlich gehandelt, stellte der Lenzburger Gerichtspräsident fest. «Alles andere ist schlicht nicht vorstellbar.» Er habe wahrscheinlich nicht von Anfang an deliktische Absichten gehabt, doch er habe sich übernommen und sich ein Scheitern nicht eingestehen können.

Riccardo S. wird der Misswirtschaft, des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Veruntreuung, der mehrfachen Urkundenfälschung und der mehrfachen ungetreuen Geschäftsversorgung schuldig gesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Riccardo S. Verteidiger kündigte unmittelbar nach dem Urteilsspruch Berufung an. Der Rechtsanwalt betrachtet die Beweise als möglicherweise kontaminiert, weil ein Mitarbeiter der Leasingfirma kurz nachdem diese mehrere Autos bei Riccardo S. beschlagnahmen lies, mehrere Stunden auf dem Computer der Firma verbrachte. Zudem beschlagnahmte Fidis Akten, die sie erst später wieder in die Büros der SAR brachte. «Besteht der Verdacht, dass Beweise kontaminiert wurden, muss das in deren Beurteilung einfliessen», sage der Verteidiger. Riccardo S. selber wollte keine Stellung gegenüber Medien nehmen.

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