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Sexistische Anspielungen: Fasnachtsblatt zurückgezogen

Die Solothurner Fasnachtszeitung «11 Minuten» hat eine Journalistin verunglimpft – und reagierte erst nach heftiger Kritik.

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Die Solothurner Fasnachtszeitung «11 Minuten» zeigte ein Instagram-Bild mit Titel-Vorschlägen, die lustig sein sollten, aber vor allem sexistisch ausfielen. Die betroffene Journalistin machte den Vorfall öffentlich. Screenshot: Facebook/Maria Brehmer
Die Solothurner Fasnachtszeitung «11 Minuten» zeigte ein Instagram-Bild mit Titel-Vorschlägen, die lustig sein sollten, aber vor allem sexistisch ausfielen. Die betroffene Journalistin machte den Vorfall öffentlich. Screenshot: Facebook/Maria Brehmer

Auf der Seite 8 der Solothurner Fasnachtszeitung «11 Minuten» zeigte die Redaktion des närrischen Blatts keine Hemmungen – auf eine unschöne Art. Sie publizierte unter dem Seitentitel «Feuchtfröhliches» ein Instagram-Bild einer Journalistin der «Schweiz am Wochenende», welches diese offenbar nackt in einem Pool zeigt.

Das Foto zeigt Maria Brehmer beim Trinken eines Glases Wein in Spanien, die Spiegelung des Wassers verhindert, dass man die Journalistin komplett nackt sieht. Das öffentlich einsehbare Bild wurde von der «11 Minuten»-Redaktion noch mit zwei gelben Badewannenenten ergänzt – platziert im Brustbereich.

Die vermeintlich lustige Idee der Redaktion dazu: einen Titel mit Wortwitz für das Foto zu finden und diese Vorschläge dann selber mit ulkigen Kommentaren zu versehen. Herausgekommen ist eine sexistische Ansammlung von derben Männersprüchen unter der Gürtellinie, wie auch die Fasnächtler später zugeben sollten.

Maria Brehmer sah die Seite gleich am Samstag, als die Fasnachtszeitung erschien, und war schockiert ob der abgedruckten Titel-Vorschläge. «Der Beitrag strotzt vor unterirdisch sexistischen Anspielungen», sagte sie der «Solothurner Zeitung», welche wie die «Schweiz am Wochenende» zur CH-Media-Gruppe gehört. Auch eingefleischte Fasnächtler hätten gefunden, dass das zu weit gehe. Deshalb entschloss sie sich am Sonntag zu einem Gegenschlag auf Facebook:

«Sitzen ein paar Männer zusammen und suchen Pointen für ihre Fasnachtszeitung:A: ‹Komm, machen wir uns über Brüste lustig!›B: ‹Au ja, und kleben wir ein paar Enten drauf!›C: ‹... und benutzen Wörter wie blasen, spritzen, Muschi und Melonen!›»

Maria Brehmer auf Facebook

Wer den Ausschnitt aus der Fasnachtszeitung durchliest, merkt, dass Brehmer nicht übertreibt; die üblichen närrischen Sprüche sind rar, die sexistischen Anspielungen derb. Franziska Roth, SP-Präsidentin des Kantons Solothurn, schreibt dazu: «Fasnacht darf nicht alles!!! ... Das würde ich auf keinen Fall so hinnehmen.»

Frauen als beliebtes Sujet

Und auch die betroffene Journalistin liess es nicht dabei bewenden, als sich die Redaktion der «11 Minuten» mit einem Mail entschuldigte, wie sie der «Solothurner Zeitung» sagt: «Es war eigentlich ein Hohn. Sie haben lediglich mit einem ‹Sorry› signalisiert, dass sie zu weit gegangen sind.» Als Entschädigung habe man ihr zwei Gratistickets für eine Fasnachtsveranstaltung im nächsten Jahr angeboten.

Frauen seien ein beliebtes Sujet, um sich auf sexualisierte und chauvinistische Art über sie lustig zu machen, wirft Brehmer der Redaktion vor. Das habe sie schon 2019 beobachtet. Gegen die Fasnacht habe sie sonst nichts, aber so etwas sei nicht närrisch und auch nicht witzig oder satirisch.

CVP-Stadtrat: «Grenze überschritten»

Brehmer genügte die Mail-Entschuldigung deshalb nicht – sie meldete sich bei CVP-Stadtrat Pascal Walter. Der Vizepräsident der Stadt Solothurn ist Mitglied der «11 Minuten»-Redaktion und gibt sich in der «Solothurner Zeitung» selbstkritisch. Es sei der 11-köpfigen Gruppe erst nach dem Facebook-Post von Brehmer bewusst geworden, dass man eine Grenze überschritten habe. Zwar sei die Frage schon im Vorfeld diskutiert worden, gibt Walter an, entschied sich aber offenbar nicht für eine Entschärfung.

Walter erwähnt auch, dass man abgeklärt habe, dass das Bild wirklich öffentlich zugänglich ist, merkt aber gleich an: «Natürlich heisst das aber nicht, dass man damit alles Mögliche tun kann.» Die Redaktion habe sich gegenüber Brehmer im Ton vergriffen, und «wir entschuldigen uns bei ihr».

«Ich habe nie gefordert, dass sie die Zeitung zurückziehen sollen. Das war deren Entscheidung.»

Maria Brehmer

Nicht nur das; die noch in Läden und Restaurants aufliegenden Gratis-Ausgaben der Fasnachtszeitung wurden sofort eingesammelt. Wie viele der insgesamt 2000 Exemplare wieder zurückgenommen wurden, ist nicht bekannt. Weil sich auf Facebook nun einige Stimmen meldeten, die es bedauerten, dass die Fasnachtszeitung eingezogen worden war, stellte Brehmer dort klar: «Ich habe nie gefordert, dass sie die Zeitung zurückziehen sollen. Das war deren Entscheidung.»

Nächste Woche soll «11 Minuten» dann neu erscheinen, mit einer Entschuldigung anstelle des sexistischen Beitrags auf Seite 8. Der Erlös der Inserate im Blatt will die Redaktion an eine «sinnvolle Organisation» spenden. «Wir möchten die Angelegenheit stilvoll beenden, auch im Sinne der Solothurner Fasnacht», sagt Walter der «Solothurner Zeitung».

«Nichts erdulden, was jenseits des Anstands ist»

Sich zur Wehr setzen wirkt, resümiert Brehmer die Angelegenheit auf Facebook. Dabei meldete sich in den Kommentaren auch eine Frau, die ebenfalls schon mit einem privaten Pool-Foto und «unterirdischem Kommentar» in einer Fasnachtszeitung vorkam, aber «leider nichts dagegen unternommen» habe.

Brehmer ist froh, sich gewehrt zu haben, auch wenn sie einzelne negative Kommentare wegstecken musste, als Leute meinten, dass sie sich als Journalistin mit dem frei zugänglichen Instagram-Bild bewusst der Öffentlichkeit preisgebe und daher auch die Konsequenzen tragen müsse.

Auch in ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» exponiert sich die Social-Media-Redaktorin und schreibt über Beziehungen, Liebe, Männer und auch mal über nackte Brüste. Die Journalistin ist sich dieses Spannungsfelds bewusst und sagt, dass sie Reaktionen bis zu einem gewissen Grad aushalten könne. «Man muss aber nichts erdulden, was jenseits des Anstands ist.»

Und in einem Facebook-Beitrag deutet Brehmer an, dass sie auch für weitere Schritte bereit wäre. Auf die Frage, ob die sexistische Fasnachtsseite ein Ehrverletzungsdelikt sei und man die Redaktion anzeigen könne, schreibt die Journalistin: «Das kläre ich ab, ja.»

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