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Sicherheit kommt die Passagiere teuer zu stehen

Die Sicherheitskontrollen an Schweizer Flughäfen belaufen sich auf 35 bis 70 Prozent der Flughafentaxe. Nach dem vereitelten Anschlag auf eine nach Detroit fliegende Maschine dürften diese Kosten noch weiter ansteigen.

Die Flughafentaxe, die jeder Passagier, der von einem Schweizer Flughafen abfliegt, mit dem Kauf des Flugtickets automatisch bezahlt, enthält auch die Kosten für die Sicherheitskontrollen beim Einchecken. Die belaufen sich derzeit auf 35 bis 70 Prozent der Flughafentaxe.

In Bern-Belp fallen insgesamt 35 Franken Flughafentaxe pro Passagier an. «Die enthalten die Kosten für die Infrastruktur des Flughafens in der Höhe von Fr. 15.50, einen Lärmanteil von 3 Franken sowie Sicherheitskosten von Fr. 16.50», sagt Daniel Steffen, Pressesprecher und Marketingleiter des Flughafens. Die Sicherheit kommt in Bern-Belp damit auf 47 Prozent der Flughafentaxe zu stehen.

Sicherheitsstandards können die Flughafenbetreiber nicht selbst festlegen – sie werden ihnen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vorgeschrieben. Und den sich daraus ergebenden Kostenanteil für Sicherheit in der Flughafentaxe müssen die Flughäfen dem Preisüberwacher vorlegen. Steffen: «Die müssen wir also betriebswirtschaftlich nachweisen.»

Der in Bezug auf das Passagieraufkommen mit Bern-Belp vergleichbare Business Airport Altenrhein SG beziffert die Sicherheitskosten noch höher: «Der Anteil für Security beläuft sich bei uns auf 70 Prozent», sagt CEO Armin Unternährer.

In Genf beträgt der Sicherheitsanteil rund 45 Prozent der Taxe (Sicherheit: Fr. 9.50, Flughafentaxe total: Fr. 21.13). Zürich schafft es mit 35 Prozent (Sicherheit: Fr. 14.50, Taxe insgesamt: Fr. 41.50). Der Flughafen Zürich kann die Kosten freilich auf ein bedeutend grösseres Passagieraufkommen umwälzen. Zürich zählte 2009 21,9 Millionen Passagiere (Genf 2008: 11,5 Millionen, Bern-Belp: 107 287 Passagiere).

Auf Anschlag reagieren

Dennoch sind die Kosten für Sicherheit relativ hoch – und sie dürften in absehbarer Zeit steigen. Schuld daran ist der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab. Er hatte am 25.Dezember an Bord eines in Amsterdam gestarteten Flugzeugs mit 290 Menschen an Bord versucht, einen Sprengsatz zu zünden. Die Zündung im Landeanflug auf Detroit misslang, der Nigerianer wurde von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt. Die Folge: US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano kündete umgehend eine Überprüfung weiterer Schutzmassnahmen an.

Bodyscanner soll helfen

Das könnte bedeuten, dass auch Europas Flughäfen künftig nachrüsten und die Nackt- oder Bodyscanner einführen müssen. Die sind bei den Reisenden unbeliebt und ausserdem auch teuer: «Ein solches Gerät kostet 200'000 bis 300'000 Franken», sagt Daniel Steffen. Hinzu kommt: Aktive Terahertzscanner senden Strahlen im Millimeter- oder Submillimeterbereich aus. Die sind zwar nicht radioaktiv, ihre Wirkung auf den menschlichen Körper ist aber weitgehend unerforscht. Unbedenklich wären nur pas-sive Scanner: Sie messen lediglich die Terahertzstrahlung, die der Körper von Natur aus ausstrahlt.

Mensch ist Schwachpunkt

Max Ungricht, Chefredaktor der Flugzeitschrift «Cockpit», gibt zu bedenken, dass optimale Sicherheit mit Hilfe dieser technischen Mittel nicht zu erreichen ist. Während des vereitelten Anschlags beim Landeanflug auf Detroit hielt er sich in Nigeria auf. Ungricht: «Als ich fünf Tage danach aus Nigeria ausreiste, sah ich, dass beim Einchecken viele Passagiere ohne Sicherheitskontrollen ins Flugzeug geschleust wurden. Dieses Privileg erreichten sie mit Geld oder guten Kontakten. So lange Passagiere auf diese Art unkontrolliert in europäische Transitbereiche gelangen können, nützt all der Sicherheitsaufwand mit Hilfe teurer Geräte nichts. Die Schwachpunkte sind die Menschen.»

Beeindruckend findet der Aviatikexperte hingegen das in Israel angewandte Sicherheitskonzept: «Dort werden die Passagiere von ausgezeichnet geschulten Sicherheitsleuten befragt. Die stellen sehr schnell fest, ob jemand sauber ist oder nicht.» Ungricht zieht dies einem ausschliesslich auf Technik abgestützten Sicherheitssystem, das nach dem Giesskannenprinzip angewendet wird, vor. Aber auch ein Sicherheitskonzept nach israelischem Zuschnitt müsste bei uns erst das Bazl bewilligen – respektive vorschreiben.

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