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Sieben Millionen und Misstöne

Über 7 Millionen Franken hat die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» von DRS3, SF und der Glückskette gesammelt. Am Samstag ging die Grossaktion auf dem Bundesplatz zu Ende. Bei der Caritas hinterliess sie Misstöne.

Moderatorin Judith Wernli empfängt «Globetrotter»-Chef André Lüthi und nimmt das gesammelte Geld der Aareaktion entgegen.
Moderatorin Judith Wernli empfängt «Globetrotter»-Chef André Lüthi und nimmt das gesammelte Geld der Aareaktion entgegen.
Nadia Schweizer

Auf dem Bundesplatz toben am Samstagnachmittag nicht nur die Schneeflocken, sondern auch die zahlreichen Schaulustigen. An den Fenstern der Glasbox drücken sich die Zuschauer die Nase platt, um die DRS-3-Moderatoren Judith Wernli, Mario Torriani und Nik Hartmann beim Interviewen von prominenten Gästen zu beobachten.

Über 7 Millionen Franken hat die Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» in der vergangenen Woche gesammelt. Die drei Moderatoren sendeten seit Montag aus einem Glaskasten auf dem Bundesplatz und führten so durch die ganze Aktion. Das mediale Grossaufgebot war von DRS3, SF und der Glückskette organisiert worden. «Wir sind völlig überwältigt von diesem Resultat», sagte SR-DRS-Mediensprecherin Manuela Kaech am Sonntagabend auf Anfrage. Das gesammelte Geld fliesst vollständig in Malariaprojekte, die von Hilfsorganisationen bei der Glückskette eingereicht werden können. Die Aktion hatte aber bereits im Vorfeld bei anderen Hilfswerken für Kopfschütteln gesorgt (wir berichteten). Befürchtet wurde vor allem, dass andere, stillere Spendenaktionen untergehen würden.

Wie Tiere im Käfig

Seit Montag sendeten die Moderatoren 18 Stunden am Tag live aus einem Glaskasten auf dem Bundesplatz. Das Publikum musste aussen vor bleiben und die Moderatoren und ihre Gäste von draussen bestaunen. Doch mit dem Ausgestelltsein war es nicht getan: Die Radiomoderatoren durften den Glaskasten nicht verlassen und fasteten die gesamte Woche.

Showbühne für jedermann

Der Publikumsandrang und die unzähligen spontanen Aktionen übertrafen alle Erwartungen des Programmleiters von DRS3, Robert Ruckstuhl: «Vom Kindergartenkind bis zur Grossmutter haben sich alle beteiligt. Wir haben nur einen Anschub gegeben, den Rest hat die Bevölkerung erledigt.» Von den 7 gesammelten Millionen ist er überwältigt. Seit Montag fanden in der gesamten Schweiz Aktionen statt. Über hundert Schwimmer wagten sich in die 5 Grad kalte Aare, 300 Tänzer formierten sich auf dem Bundesplatz zu einem «Dancemob», und zahlreiche Einzelpersonen leisteten kleine und grosse Beiträge. Herr und Frau Schweizer spendeten gerne 100 Franken, um selber für wenige Sekunden ein Stückchen vom Scheinwerferlicht abzubekommen.

Unmut bei der Caritas

Während die Beteiligten von «Jeder Rappen zählt» in den höchsten Tönen von der Aktion schwärmen, hat das kulturelle und mediale Grossaufgebot aber unter anderem für die Caritas einen fahlen Beigeschmack. Das Hilfswerk ist an diesem Samstag dabei, Stände aufzustellen, um seine Aktion «Eine Million Sterne» durchzuführen. In den vergangenen fünf Jahren hatte die Caritas dazu den ganzen Bundesplatz zur Verfügung. In diesem Jahr muss das Hilfswerk aber mit einem Drittel des Platzes vorliebnehmen. Statt 3000 Kerzen brennen nur 1000. Caritas-Sprecher Odilio Noti macht keinen Hehl aus seinem Ärger: «Wir hatten das abgesprochen mit den Veranstaltern, doch sie halten sich nicht an die Abmachung.» Bei zwei solch unterschiedlichen Aktionen auf einem Platz, sei es klar, dass die eine untergehe. «Unsere Kerzen sind eine besinnliche Veranstaltung. Das da drüben ist alles andere als besinnlich», so Noti. Ob die Konkurrenz von nebenan auch finanzielle Auswirkungen haben wird für die Caritas, lasse sich erst im Januar sagen.

Manuela Kaech hält daran fest, dass man sich an alle Abmachungen gehalten habe und der Caritas sogar die Bühne zur Verfügung gestellt habe. Auch den Vorwurf, «Jeder Rappen zählt» stelle eine Konkurrenz dar für die restlichen Hilfswerke (wir berichteten), lässt sie nicht gelten. «Im Gegenteil, wir haben mit unseren Spendekanälen, namentlich dem Handy, ein neues Spendepublikum zu Tage befördert: Die Jungen. Wir nehmen also niemandem ein Stück vom Kuchen weg, sondern erweitern den Spenderkuchen.»

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