Zum Hauptinhalt springen

Späte Genugtuung für Menschenretter Paul Grüninger

Vor zwei Jahrzehnten wurde der zu Lebzeiten geächtete Flüchtlingshelfer Paul Grüninger politisch rehabilitiert. Erst jetzt ringt sich auch die St. Galler Kantonspolizei zu diesem Schritt durch.

Rettete mehreren hundert Juden das Leben: Der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger, hier im Jahr 1970. (Archivbild: Keystone)
Rettete mehreren hundert Juden das Leben: Der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger, hier im Jahr 1970. (Archivbild: Keystone)

Der St. Galler Polizeikommandant und Flüchtlingsretter Paul Grüninger (1891–1972) wird – 42 Jahre nach seinem Tod und 21 Jahre nach seiner politischen Rehabilitierung – jetzt auch von der Kantonspolizei rehabilitiert. Der feierliche Akt findet am 22. August statt.

Die Idee zur Rehabilitation kam aus der St. Galler Kantonspolizei selbst, wie Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler der Nachrichtenagentur SDA sagte. Mit ein Grund könnte der Spielfilm «Akte Grüninger» sein, der Anfang 2014 in die Schweizer Kinos kam und die Geschichte Grüningers ins öffentliche Bewusstsein rückte.

Fässler räumte ein, die Rehabilitation durch die Polizei komme spät. Dennoch sei es eine Aussage, die er «wärmstens unterstütze», sagte der St. Galler Justiz- und Polizeidirektor. Fässler wird am 22. August im Pfalzkeller eine Ansprache halten. Ebenso werden Grüningers Tochter Ruth Roduner und der aktuelle Kantonspolizeikommandant Bruno Zanga zu Grüninger sprechen. Anschliessend wird im Polizeikommando eine Gedenktafel für Paul Grüninger enthüllt.

Bis zu seinem Tod lebte er in Armut

Polizeikommandant Paul Grüninger rettete in den Jahren 1938 und 1939 mehrere Hundert jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung. Trotz Schweizerischer Grenzsperre nahm er sie in St. Gallen auf. Um sie zu schützen, missachtete er Weisungen des Bundes und Gesetze.

1939 entliess die St. Galler Regierung den Polizeikommandanten fristlos. 1940 wurde er wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er wurde verfemt und später vergessen. Bis zu seinem Tod lebte Grüninger in Armut.

Finanzielle Entschädigung

1993 rehabilitierte die St. Galler Regierung Grüninger politisch, und 1994 veröffentlichte der Schweizer Bundesrat eine Ehrenerklärung für den Polizeikommandanten und Flüchtlingsretter. 1995 wurde Grüninger auch vom Bezirksgericht St. Gallen in einer Wiederaufnahme des Prozesses freigesprochen und juristisch rehabilitiert.

1998 stimmte der Grosse Rat des Kantons St. Gallen einer materiellen Wiedergutmachung zu und entschädigte die Nachkommen Grüningers für die durch die fristlose Entlassung entstandenen Einbussen.

Der ganze Betrag wurde von den Nachkommen in die Paul-Grüninger-Stiftung eingebracht. Diese verleiht periodisch Preise für besondere Menschlichkeit und besonderen Mut im Sinn Paul Grüningers. In St. Gallen tragen ein Platz in der Altstadt und ein Fussballstadion den Namen des Flüchtlingsretters.

SDA/thu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch