Spitzenforschung braucht einen langen Atem

Der aktuelle Nobelpreis in Physik zeigt: Die Schweiz ist ein exzellenter Forschungsplatz und sollte dafür sorgen, dass das so bleibt.

Er hat an seine Messungen geglaubt, bevor die anderen es taten: Nobelpreisträger Michel Mayor. Foto: Nicolas Righetti (Lundi13)

Er hat an seine Messungen geglaubt, bevor die anderen es taten: Nobelpreisträger Michel Mayor. Foto: Nicolas Righetti (Lundi13)

Joachim Laukenmann@JoLauki

Schon vor mehr als 50 Jahren träumten einige Astronomen davon, aufgrund der Bewegung von Sternen auf die Existenz eines unsichtbaren Begleiters zu schliessen. Nur glaubte zunächst kaum jemand an den Erfolg solcher Messungen – ausser Michel Mayor. Bereits während seiner Doktorarbeit, die er 1971 am Observatorium Genf abschloss, interessiert er sich für diese Bewegung von Sternen. Mangels eines geeigneten Instruments war er in den Folgejahren kühn genug, selber eines zu bauen.

Eine erste Frucht seiner Arbeit konnte Mayor 1989 ernten. Gemeinsam mit einem US-Kollegen entdeckte er ein Objekt, das elfmal so schwer war wie Jupiter. Für einen echten Exoplaneten brauchte es aber ein präziseres Gerät. Auch das hat Mayor entwickelt. Dank der Überlegenheit dieses Detektors und etwas Glück – andere Forscher hatten ihre Daten noch nicht ausgewertet – konnten Mayor und sein damaliger Doktorand Didier Queloz 1995 die Entdeckung des ersten Exoplaneten verkünden.

Die Entdeckung von 51 Pegasi b mag teilweise dem Zufall zu verdanken sein. In erster Linie ist es aber der Erfolg hartnäckiger, penibler Forschung. Mit dem Physik-Nobelpreis würdigt das Nobelpreiskomitee somit indirekt auch eine wissenschaftliche Herangehensweise, bei der sich die Früchte oft erst nach Jahrzehnten ernten lassen. Eine Qualität, die in unserer schnelllebigen Zeit seltener wird, auch in der Wissenschaft, wo oft jene Forscher Karriere machen, die schnelle Resultate und lange Publikationslisten vorweisen können.

Die Schweiz hat die Chance, auch künftig im Bereich der Astronomie Weltspitze zu sein. Seit 2014 gibt es den nationalen Forschungsschwerpunkt «PlanetS», mit dem Ziel, Ursprung und Entwicklung von Planeten zu untersuchen. Im Dezember soll das von der Schweiz entwickelte Weltraumteleskop Cheops starten und Exoplaneten charakterisieren. Die nächste Generation von Teleskopen wird es erlauben, die Atmosphäre dieser Planeten zu untersuchen. Und vielleicht in zehn, vielleicht in 20 Jahren wird man klären können, ob es da draussen Leben gibt. Wie der aktuelle Nobelpreis zeigt, sollte die Schweiz auch künftig solche langfristigen Projekte fördern.

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