Strenge Vorgaben für Konzerne

In Zukunft soll genau geprüft werden, ob Konzerne im Ausland internationale Standards für Menschenrechte und Umweltschutz einhalten. Das sieht eine am Montag eingereichte Initiative vor. Ein KMU übt schon jetzt heftige Kritik.

Die Initianten?wollen durchsetzen, dass Konzerne bei Tochter- und Zulieferfirmen im Ausland mehr für die Einhaltung der Menschenrechte tun.

Die Initianten?wollen durchsetzen, dass Konzerne bei Tochter- und Zulieferfirmen im Ausland mehr für die Einhaltung der Menschenrechte tun.

(Bild: zvg)

Bernhard Kislig@berrkii

Am Montag wurde die Konzernverantwortungsinitiative eingereicht. Da 120'000 Unterschriften vorliegen, dürfte es zu einer Volksabstimmung kommen. Rund 80 Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerke stehen hinter der Vorlage, darunter Amnesty International Schweiz oder die Erklärung von Bern. Dem Initiativkomitee gehört unter anderem Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey an.

Die Initianten zielen vor allem auf Schweizer Konzerne: Sie sollen verpflichtet werden, die Tätigkeiten ihrer Ableger im Ausland auf Verstösse gegen internationale Standards für Menschenrechte und Umweltschutz zu prüfen (siehe Box). Für kleine und mittlere Betriebe in der Schweiz (KMU) sehen die Initianten grosszügige Ausnahmebestimmungen vor, weil diese meist nicht in «risikoreiche» Geschäfte involviert und insofern kaum betroffen seien.

Roland Simonetta, Inhaber und Geschäftsleiter der Berner Firma Promo Fashion, die insgesamt 13 Mitarbeiter beschäftigt, sieht das anders. Etliche KMU würden heute Waren aus dem Ausland beziehen. Die Promo Fashion verkauft Werbeartikel und Werbetextilien, die sie praktisch alle aus Fernost bezieht.

30 bis 50 Prozent Mehrkosten

Simonetta weiss, was es bedeuten würde, die Vorgaben der Initiative umzusetzen. Zum Beispiel, als er diesen Sommer der CS für Events zur Fussball-EM Badetücher lieferte, hat er bereits vergleichbare Standards eingehalten. «Die CS wollte keine Negativschlagzeilen riskieren.» Doch der Mehraufwand sei enorm. Simonetta spricht von einem Kostenaufschlag in der Höhe von 30 Prozent. Bei kleineren Mengen steige er bis auf 50 Prozent, womit der zusätzliche Aufwand für die meisten Kunden kaum noch finanzierbar sei.

Den zusätzlichen Aufwand erklärt er wie folgt: Um sicherzustellen, dass Menschenrechte und Umweltschutzstandards eingehalten werden, muss die gesamte Lieferkette über mehrere Firmen bis hin zum Rohstofflieferanten überwacht werden. «Das funktioniert nur, wenn man Leute vor Ort hat, die Audits durchführen und Zertifizierungen erstellen.»

Allein schon die Kontrolle, woher beispielsweise die Baumwolle stamme und ob bei deren Produktion Spritzmittel eingesetzt worden seien oder nicht, erfordere beachtlichen Aufwand. «Wäre das bei allen Aufträgen Pflicht, müsste ich zwei bis drei Leute mehr einstellen», sagt er.

Bis zur Abstimmung verstreicht noch einige Zeit: Frühestens Ende 2018, eher 2019 dürfte die Vorlage an die Urne kommen. Bei Verzögerungen im Parlament ist gar ein Termin im Jahr 2020 denkbar.

Berner Zeitung

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