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Studie ortet erhebliches Sparpotenzial im Gesundheitswesen

Sind die Aufgaben unter Fachleuten optimal aufgeteilt und wissen Patienten über ihre Krankheit gut Bescheid, so spart das Kosten: Eine Studie beschreibt, wie die Effizienz im Gesundheitswesen ohne grosse Umwälzungen verbessert werden kann.

Gesundheitssparkonten (Medical Savings Accounts) haben zum Ziel, das  Kostenbewusstsein der Versicherten zu stärken. Nicht mehr eine Versichertengesellschaft übernimmt die Kosten, sondern der Inhaber äufnet sein Gesundheitskonto selbst. Im Krankheitsfall finanziert er die Ausgaben für die Behandlung aus den selber angesparten Mitteln. Als Anreiz, auf unnötige Behandlungen zu verzichten,  soll das Kapital dienen, über das die Versicherten in späteren Jahren verfügen können. Meist werde ein solches Konto  mit einer  Versicherung für Hochrisikokrankheiten ergänzt, so die Studienautoren.  Das Modell komme in unterschiedlicher Form etwa  in Singapur, China, den  USA oder Südafrika zur Anwendung. Derzeit prüfe Liechtenstein ein Versicherungsmodell, welches ein Stück weit in diese Richtung gehe.  Die Studienautoren äussern sich allerdings skeptisch zur Idee eines Gesundheitssparkontos:  Studien zeigten, dass Leistungen zu spät in Anspruch genommen und dadurch Krankheiten verschleppt werden. Ob längerfristig Kosten eingespart werden könnten, sei ungeklärt. Chronisch Kranke und sozial Schwächere könnten benachteiligt sein. Die Einführung eines Gesundheitssparkontos in seiner  Reinform würde ausserdem eine grundlegende Veränderung des Versicherungssystems bedingen, wofür die gesetzlichen Grundlagen fehlten.«Ein schwieriger Ansatz», sagt auch Nationalrat Jean-François Steiert (SP, FR) von der Begleitgruppe zur Studie. In der Schweiz würden schon sehr viele Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche bezahlt, deshalb werde ein weiterer Anreiz in in diese Richtung keine grosse Wirkung mehr erzielen.
Gesundheitssparkonten (Medical Savings Accounts) haben zum Ziel, das Kostenbewusstsein der Versicherten zu stärken. Nicht mehr eine Versichertengesellschaft übernimmt die Kosten, sondern der Inhaber äufnet sein Gesundheitskonto selbst. Im Krankheitsfall finanziert er die Ausgaben für die Behandlung aus den selber angesparten Mitteln. Als Anreiz, auf unnötige Behandlungen zu verzichten, soll das Kapital dienen, über das die Versicherten in späteren Jahren verfügen können. Meist werde ein solches Konto mit einer Versicherung für Hochrisikokrankheiten ergänzt, so die Studienautoren. Das Modell komme in unterschiedlicher Form etwa in Singapur, China, den USA oder Südafrika zur Anwendung. Derzeit prüfe Liechtenstein ein Versicherungsmodell, welches ein Stück weit in diese Richtung gehe. Die Studienautoren äussern sich allerdings skeptisch zur Idee eines Gesundheitssparkontos: Studien zeigten, dass Leistungen zu spät in Anspruch genommen und dadurch Krankheiten verschleppt werden. Ob längerfristig Kosten eingespart werden könnten, sei ungeklärt. Chronisch Kranke und sozial Schwächere könnten benachteiligt sein. Die Einführung eines Gesundheitssparkontos in seiner Reinform würde ausserdem eine grundlegende Veränderung des Versicherungssystems bedingen, wofür die gesetzlichen Grundlagen fehlten.«Ein schwieriger Ansatz», sagt auch Nationalrat Jean-François Steiert (SP, FR) von der Begleitgruppe zur Studie. In der Schweiz würden schon sehr viele Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche bezahlt, deshalb werde ein weiterer Anreiz in in diese Richtung keine grosse Wirkung mehr erzielen.
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Komplexpauschalen (Bundled Payment) haben zum Ziel, die Anzahl und die Kosten von Behandlungen zu optimieren.  Alle im Rahmen einer Behandlung erbrachten Leistungen werden pauschal abgegolten. Komplexpauschalen gehen über die heute im Spital angewendeten Fallpauschalen  hinaus, weil sie auch den ambulanten Bereich integrieren. Sie werden zum Beispiel zwischen   Spital, Reha und Spitex  ausgehandelt.    Die Studienautoren schätzen das Sparpotenzial mit Komplexpauschalen für Knieersatz, Hüftersatz, Herzinfarkt und Diabetes auf 650 Millionen Franken.  Das Modell wird etwa in den USA und in England angewendet. In der Orthopädie komme es in ersten Ansätzen auch in der Schweiz zum Zug.   Hürden für die Entwicklung von Komplexpauschalen sind laut den Studienautoren fehlende Anreize für die Gesundheitsfachleute und Befürchtungen von Patienten, es handle sich um eine Rationierungsmassnahme. Erschwerend hinzu komme, dass die Fachleute im Gesundheitssystem wenig vernetzt sind und ausserdem die nötigen Daten und IT-Systeme fehlen. Für Gesundheitspolitiker Jean-François Steiert  ist dieser Ansatz «als theoretisches Modell interessant».  Die Umsetzung sei aber sehr komplex. Ausserdem würde das Modell an der freien Arztwahl und damit an einem Tabuthema rütteln. Steiert erachtet  die Erfolgsaussichten für dieses Modell in der  Schweiz als gering.
Komplexpauschalen (Bundled Payment) haben zum Ziel, die Anzahl und die Kosten von Behandlungen zu optimieren. Alle im Rahmen einer Behandlung erbrachten Leistungen werden pauschal abgegolten. Komplexpauschalen gehen über die heute im Spital angewendeten Fallpauschalen hinaus, weil sie auch den ambulanten Bereich integrieren. Sie werden zum Beispiel zwischen Spital, Reha und Spitex ausgehandelt. Die Studienautoren schätzen das Sparpotenzial mit Komplexpauschalen für Knieersatz, Hüftersatz, Herzinfarkt und Diabetes auf 650 Millionen Franken. Das Modell wird etwa in den USA und in England angewendet. In der Orthopädie komme es in ersten Ansätzen auch in der Schweiz zum Zug. Hürden für die Entwicklung von Komplexpauschalen sind laut den Studienautoren fehlende Anreize für die Gesundheitsfachleute und Befürchtungen von Patienten, es handle sich um eine Rationierungsmassnahme. Erschwerend hinzu komme, dass die Fachleute im Gesundheitssystem wenig vernetzt sind und ausserdem die nötigen Daten und IT-Systeme fehlen. Für Gesundheitspolitiker Jean-François Steiert ist dieser Ansatz «als theoretisches Modell interessant». Die Umsetzung sei aber sehr komplex. Ausserdem würde das Modell an der freien Arztwahl und damit an einem Tabuthema rütteln. Steiert erachtet die Erfolgsaussichten für dieses Modell in der Schweiz als gering.
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Eine optimierte Aufgabenverteilung unter den Gesundheitsfachleuten (Skillmix) soll  die Kosten senken und die Qualität verbessern. Ausserdem könnte sie dem  drohenden Ärztemangel entgegenwirken. Fachleute aus der Pflege könnten gemäss der Studie Aufgaben wie Erstkonsultation, Triage, diagnostische Tests oder das Verschreiben von Medikamenten übernehmen. Erfahrungen zeigten, dass sich eine optimierte Aufgabenverteilung positiv auf die Qualität sowie auf die Zufriedenheit und Gesundheit der  Patienten auswirke. Bei den Kosteneinsparungen sind  die Experten allerdings skeptisch.  Potenzielle  Einsparungen könnten durch Leistungsausweitungen  oder höhere Lohnforderungen wieder verloren gehen. Grobe Schätzungen liessen bei einer beispielhaften Umsetzung der erweiterten Rolle der Pflege in der Grundversorgung einen Effizienzgewinn von rund 140 Millionen Franken erwarten. Vor allem in angelsächsischen Ländern werde das Modell breit angewendet. In der Schweiz gebe es Pilotprojekte, das Modell lasse sich aber weiter ausbauen.  «Ein interessanter Ansatz, der schrittweise umgesetzt werden kann», sagt auch Jean-François Steiert.  Es gebe heute gut ausgebildetes Pflegepersonal, das den Ärzten Aufgaben abnehmen könne. Auch die Zusammenarbeit mit Praxisassistentinnen  oder Apothekern  könne neu ausgerichtet werden, wenn es gelinge, das  Konkurrenzdenken abzubauen.bw
Eine optimierte Aufgabenverteilung unter den Gesundheitsfachleuten (Skillmix) soll die Kosten senken und die Qualität verbessern. Ausserdem könnte sie dem drohenden Ärztemangel entgegenwirken. Fachleute aus der Pflege könnten gemäss der Studie Aufgaben wie Erstkonsultation, Triage, diagnostische Tests oder das Verschreiben von Medikamenten übernehmen. Erfahrungen zeigten, dass sich eine optimierte Aufgabenverteilung positiv auf die Qualität sowie auf die Zufriedenheit und Gesundheit der Patienten auswirke. Bei den Kosteneinsparungen sind die Experten allerdings skeptisch. Potenzielle Einsparungen könnten durch Leistungsausweitungen oder höhere Lohnforderungen wieder verloren gehen. Grobe Schätzungen liessen bei einer beispielhaften Umsetzung der erweiterten Rolle der Pflege in der Grundversorgung einen Effizienzgewinn von rund 140 Millionen Franken erwarten. Vor allem in angelsächsischen Ländern werde das Modell breit angewendet. In der Schweiz gebe es Pilotprojekte, das Modell lasse sich aber weiter ausbauen. «Ein interessanter Ansatz, der schrittweise umgesetzt werden kann», sagt auch Jean-François Steiert. Es gebe heute gut ausgebildetes Pflegepersonal, das den Ärzten Aufgaben abnehmen könne. Auch die Zusammenarbeit mit Praxisassistentinnen oder Apothekern könne neu ausgerichtet werden, wenn es gelinge, das Konkurrenzdenken abzubauen.bw
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Das gängige Urteil über das Schweizer Gesundheitswesen lautet: gut, aber teuer – und immer teurer. Inzwischen steckt die Schweiz pro Jahr insgesamt 68 Milliarden Franken in die Gesundheit. Das müsste nicht sein. Laut dem Bundesrat könnten zumindest die kassenpflichtigen Leistungen 20 Prozent günstiger erbracht werden. Dazu müssten Fehlanreize beseitigt und die Effizienz verbessert werden.

Die Vereinigung der Pharmafirmen in der Schweiz (Vips) hat das Forschungsbüro Infras beauftragt, Lösungsansätze zu suchen. Bei der gestrigen Präsentation nahmen es Studienautoren gleich vorweg: «Einen schlafenden Riesen, der uns auf einen Schlag viel Geld sparen lässt, gibt es nicht», sagte Judith Trageser. Mit mehreren kleinen, sich ergänzenden Ansätzen sei aber sehr wohl ein grösseres Effizienzpotenzial auszumachen, fügte Anna Vettori an. Den von ihnen ausgewerteten Lösungsansätzen messen sie ein Effizienzpotenzial im einstelligen Prozentbereich der Gesundheitsausgaben bei.

Fünf Lösungsansätze

Die Studienautoren haben fünf Ansätze aus dem Ausland untersucht. Einer ist die Förderung des Selbstmanagements: Patienten sollen etwa in Kursen lernen, mit ihrer Krankheit selbstständiger umzugehen. Für Nationalrat Jean-François Steiert (SP, FR) ist dies ein wichtiger Ansatz. Der Gesundheitspolitiker ist Mitglied der Begleitgruppe zur Studie. Patienten hätten heute viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Schwierig sei aber, die relevanten und seriösen Informationen herauszufiltern. Hier brauche es Hilfestellungen.

Auch den zweiten Ansatz findet Steiert interessant: Gemäss Studie sind Richtlinien für Ärzte eine Möglichkeit, Behandlungen zu optimieren und zu standardisieren sowie Überflüssiges wegzulassen. «Solche Guidelines sind gute Instrumente, wenn man zwei Dinge beachtet», sagt Steiert. Erstens müsse die Initiative dazu von den Ärzten selber kommen, und zweitens müsse dafür Geld investiert werden. Von den weiteren drei Ansätzen (siehe Bildstrecke) sollte laut Steiert jener über die Aufgabenverteilung (Skillmix) weiterverfolgt werden.

Der Patient im Mittelpunkt

Gemäss Studie muss das System nicht völlig umgewälzt werden, um die Effizienz zu verbessern. Ausserdem ergäben sich viele Lösungsansätze daraus, dass man den Patienten in den Mittelpunkt stelle. Das umzusetzen, was dem Patienten am meisten nützt, macht also das Gesundheitswesen nicht etwa teurer. Es hebt vielmehr die Qualität und steigert die Effizienz.

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