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SVP bot CVP-Politikern Geld für Parteiübertritt

Erstmals erzählen CVP-Politiker öffentlich, wie ihnen die SVP einen Übertritt schmackhaft machen wollte. Das Angebot: Geld und Unterstützung beim politischen Aufstieg.

Meist beginnt alles mit einem lockeren Spruch: SVP-Präsident Toni Brunner.
Meist beginnt alles mit einem lockeren Spruch: SVP-Präsident Toni Brunner.
Keystone

Geld und Karriere-Förderung: Das habe ihnen die SVP in Gesprächen angeboten, erzählen zwei CVP-Politiker erstmals öffentlich in der Zeitung «Sonntag». Beide lehnten ab. Emmanuel Kilchenmann (31), Freiburger CVP-Nachwuchshoffnung, wurde von der SVP geködert. Mit Geld. Das bestätigt er: «Man sagte mir, ich würde stark gefördert, sowohl finanziell wie auch beim Aufstieg in meiner politischen Karriere.»

Die Freiburger SVP-Vertreter hätten ihm gesagt, die SVP sei «national eine viel grössere und potentere Maschine als die CVP und fördere die Karrierechancen der 25- bis 40 jährigen besser». Kilchenmann ist national unbekannt. Er ist Vorstandsmitglied der CVP Freiburg und Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins, hat Wirtschaft und Recht studiert. «Eine Zahl wurde keine genannt, weil ich absagte», so Kilchenmann. «Aber es war klar, dass es finanzielle Aspekte gab. Mich kann man allerdings nicht kaufen. Ich verrate meine Werte nicht.»

Erfolgreiche Abwerbungen?

Erfolgreicher verliefen die Verhandlungen mit Nationalrat Thomas Müller (SG), der Anfangs Jahr von der CVP zur SVP wechselte. Auch hier soll Geld im Spiel gewesen sein. Die SVP habe Müller vor dem Wechsel angeboten, seinen Wahlkampf zu finanzieren, zitiert der «Sonntag» eine «bestens informierte Quelle». Müller selbst dementiert dies entschieden.

Meist beginnt alles mit einem lockeren Spruch beim Bier, am Apéro. «Du würdest gut zu uns passen», hörte auch CVP-Nationalrat Markus Zemp (AG). Genau wie CVP-Wahlkampfleiter Gerhard Pfister (ZG). Und offenbar auch CVP-Nationalrat Pius Segmüller (LU). Stehen die Signale auf Übertritt, beginnen ernsthafte Gespräche. Gerüchten zufolge haben solche sowohl mit Zemp wie mit Pfister stattgefunden. Aus SVP-Insider-Kreisen heisst es gar, man habe Pfister ein Ständerats-Mandat angeboten. Zemp wie Pfister dementieren entschieden.

«Wir sorgen für Sie»

Einen Abwerbungs-Versuch hatte auch Elmar Mäder erlebt, als er 1998 als Kommandant der Schweizergarde zurücktrat. Er habe im Bundeshaus zufällig SVP-Nationalrat Rudolf Joder getroffen, erzählt der heutige St. Galler Nationalrats-Kandidat. «Das kurze Gespräch ging darum, was ich beruflich zu tun gedenke. Ich hatte keine konkrete Vorstellung. Joder erklärte, ‹kommen Sie zur SVP, wir sorgen für Sie›.» Mäder gibt gegenüber dem «Sonntag» zu Protokoll, er habe sich gefühlt wie eine politische Hure, die von einem SVP-Freier angebaggert werde.

Für Mäder ist klar: «Die Gesinnung ist kein Kriterium, um in die SVP aufgenommen zu werden. Das Mitglied braucht keine eigene Meinung, denn ‹wir sorgen für Sie› gilt auch in dieser Hinsicht.»

SVP-Präsident Toni Brunner betont gegenüber dem «Sonntag» lediglich, die Darstellung von Zemp und Pfister seien korrekt: «Die SVP geht auf niemanden aktiv zu.»

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