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SVP-Lichtfigur gerät in Bedrängnis

Selbst SVP-Parteipräsident Toni Brunner denkt inzwischen laut über eine Doppelkandidatur nach. Und räumt damit ein, dass Christoph Blochers Wahlchancen sehr gering sind. Folgt nun Blochers Rückzug in Raten?

Eine erste Gelegenheit, sich aus dem Rennen zu nehmen, bietet sich SVP-Vizepräsident Christoph Blocher heute Abend. Die Zürcher SVP entscheidet, ob sie dem Antrag des Vorstandes folgt und den Zürcher Alt-Bundesrat als Kandidaten nominiert. Davon ist auszugehen, ausser Blocher wirft das Handtuch. Dass er diese Möglichkeit inzwischen zumindest in Betracht zieht, lässt sich aus einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» schliessen: «Ich habe auch bei Regierungswahlen immer erklärt, wir müssen nicht nur mit den Fähigsten antreten, sondern auch mit dem, der gewählt wird.» Dass Blocher von der Bundesversammlung auf den Schild gehoben wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Dies machte selbst die der SVP nahestehende Partei übers Wochenende einmal mehr deutlich. Blochers Wahlchancen bezeichnete FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli als gleich null.Der Druck wächstNeu ist, dass nicht nur etliche SVP-Fraktionsmitglieder sich öffentlich von Blocher distanzieren: Inzwischen meldet auch Blochers Ziehsohn und Parteipräsident Toni Brunner Bedenken an. Es sehe danach aus, dass Blocher keine Mehrheit im Parlament finde. Angesichts dieser Ausgangslage sei eine Zweierkandidatur mit Blocher eine Möglichkeit, betonte er gegenüber der «SonntagsZeitung».Doch zuerst muss die Fraktion sich wohl entscheiden, ob sie eine Alles-oder-nichts-Strategie mit einer Einerkandidatur Blocher fährt und damit in der Opposition bleibt. Oder sucht die Partei eine Möglichkeit, wenigstens einen möglichst linientreuen SVP-Kandidaten in die Landesregierung zu bringen?Noch völlig offenNoch weiss die SVP-Fraktion nicht genau, wie sie am kommenden Donnerstag vorgehen wird. Dieser Entscheid soll erst an der ausserordentlichen Fraktionssitzung selbst fallen. SVP-Sprecher Alain Hauert geht auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA davon aus, dass die Fraktion zuerst über die Frage entscheiden wird, ob die SVP der Bundesversammlung eine Einzelkandidatur oder ein Zweierticket vorschlagen will. Danach käme es dann zu einer Ausmarchung zwischen den internen SVP-Kandidaturen. Beim Wahlprozedere werde man sich voraussichtlich am Wahlverfahren für Bundesräte orientieren. Dieses sieht eine geheime Abstimmung per Wahlzettel vor. Laut Hauert ist aber auch eine offene Abstimmung denkbar. Die SVP-Fraktion wird ihren Wahlvorschlag für die Nachfolge von Bundesrat Schmid nicht in Bern beschliessen. Die Fraktionssitzung findet im Kanton Solothurn statt.Wer ist die Nummer 2?Sollte es zu einem Zweierticket mit Blocher kommen, stellt sich die Frage, wer sonst noch von der Fraktion nominiert wird? Dieser Entscheid ist wegweisend, denn es ist davon auszugehen, dass diese Person von der Bundesversammlung gewählt wird. Obwohl Ueli Maurer (ZH) und Caspar Baader (BL) immer wieder betonten, nicht gegen Blocher anzutreten, dürfte ihnen die grössten Chancen für einen solchen Listenplatz eingeräumt werden. Sollte es zu einem Einerticket ohne Blocher kommen, scheinen sich inzwischen einflussreiche SVP-Parlamentarier für Baader einzusetzen. Aus dem Rennen genommen hat sich der Thurgauer Nationalrat Hansjörg Walter. Volk will Blocher nichtWenn das Volk über die Nachfolge von Bundesrat Samuel Schmid entscheiden könnte, würde Christoph Blocher nicht in die Landesregierung zurückkehren. In einer Umfrage erreichte Blocher hinter Rita Fuhrer nur Platz zwei. 15,9 Prozent der Befragten würden ihre Stimme der Zürcher Regierungsrätin geben, wie aus der Onlineumfrage im Auftrag von «SonntagsBlick» und «Le Matin dimanche» hervorgeht. 14,5 Prozent der Befragten entschieden sich für Blocher. Darauf folgte Adrian Amstutz auf Platz drei (7,4 Prozent) und der ehemalige SVP-Präsident Ueli Maurer auf Platz vier (5,7 Prozent). Weit abgeschlagen ist Fraktionschef Caspar Baader. Die Mehrheit der Befragten möchte, dass die SVP wieder in die Landesregierung zurückkehrt: 51,6 Prozent sprachen sich dafür aus, dass ein Mitglied der SVP Schmids Nachfolge antritt. 8,9 Prozent bevorzugen einen grünen Bundesrat, und 4,6 Prozent der Befragten möchten den Sitz der BDP überlassen.

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