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Tessiner Regierung will die zweite Gotthardröhre

Das Tessin steht zum Ausbau des Gotthardtunnels. Es gehe um den nationalen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Zukunft des Kantons.

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Die Tessiner Kantonsregierung hat sich am Mittwoch für den Bau einer zweiten Gotthardröhre ausgesprochen. Das Tessin dürfe nicht auf Jahre vom Rest der Schweiz isoliert bleiben. Im Südtessin regt sich dagegen weiterhin Widerstand.

Die Kantonsregierung war an dem Medienanlass am Mittwoch beinahe vollzählig vertreten – einzig Manuele Bertoli (SP) fehlte. Man habe bewusst das Mendrisiotto als Veranstaltungsort gewählt, sagte Regierungspräsident Gobbi eingangs – die Region habe generell mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu kämpfen.

Einige Gemeindepräsidenten des Mendrisiotto hatten sich in den vergangenen Monaten unter anderem aus Angst vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen gegen die zweite Gotthardröhre ausgesprochen.

Nord-Süd-Verbindung für den nationalen Zusammenhalt

Der Bundesratskandidat der Tessiner SVP, Norman Gobbi, erinnerte an die grosse Bedeutung des Gotthardtunnels für den nationalen Zusammenhalt – Teil seiner Präsentation war eine Fotografie von Tessiner Studierenden in Bern aus den 1960er-Jahren, die für den Bau des Gotthard-Strassentunnels demonstrierten. Sie trugen ein Banner mit der Aufschrift: «Wir wollen nicht nur im Sommer Schweizer sein.»

Eine vorübergehende Isolierung infolge der Sanierungsvariante ohne zweite Röhre habe auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen, sagte Staatsrat Christian Vitta (FDP). Dem Kanton könnten wirtschaftliche Verluste in Höhe von 100 bis 300 Millionen Franken entstehen, sagte der Vorsteher des Tessiner Wirtschaftsdepartements. Durch ein Nein an der Urne könnte ausserdem eine Situation der Ungewissheit entstehen, die wiederum potenzielle Investoren abschrecken könnte.

Mit Kosten von 119 Millionen Franken pro Tunnelkilometer sei die zweite Röhre am Gotthard kostengünstiger als beispielsweise der Belchentunnel, für den 156 Millionen Franken pro Kilometer ausgegeben werden mussten, rechnete Vitta vor. Der Tessiner Staatsrat unterstütze deshalb den Sanierungsvorschlag von Bundesrat und Parlament.

Zweite Röhre soll Sicherheit erhöhen

«Durch zwei getrennte Röhren können wir die Sicherheit stark erhöhen», sagte Lega-Staatsrat Claudio Zali – am Seelisberg, der in zwei Röhren durchfahren wird, gebe es statistisch alle vier Jahre einen tödlichen Unfall, am Gotthard dagegen jedes Jahr. Bis heute seien bereits 36 Menschen im Gotthardtunnel gestorben – Kollisionen und Unglücke wie der Brand von 2001 mit elf Toten würden mit der zweiten Röhre sehr viel unwahrscheinlicher.

Zali appellierte auch an die Gegner der zweiten Röhre, die sich vorwiegend im verkehrsgeplagten Südtessin formiert haben: Der Verkehr im Mendrisiotto werde nicht durch die Fahrzeuge aus dem Norden, die über die A 2 anreisen, generiert, sondern vorwiegend durch Grenzgänger aus Italien, sagte Zali.

Bürgerliches Komitee sieht ein «trojanisches Pferd»

Das Verkehrsaufkommen werde sich auch mit einer zweiten Röhre nicht erhöhen, bekräftigte Zali. Ansonsten hätte die Kantonsregierung dem Sanierungsvorschlag von Bundesrat und Parlament nicht zugestimmt.

Das bürgerliche Komitee gegen die zweite Gotthardröhre will diesen Äusserungen keinen Glauben schenken: Sei die zweite Röhre erst einmal gebaut, werde auch die Kapazität erhöht und würden alle vier Spuren betrieben werden, schrieb das Komitee am Mittwoch. Es sei wie bei einem trojanischen Pferd.

Die Folge sei ein «höllischer Transit-Korridor», wie er bereits am Brenner zu finden sei. Die sogenannte rollende Landstrasse über den Gotthard-Basistunnel und die Bergstrecke böten eine ausreichende Alternative für den Verkehr während der Sanierung. Im Sommer könne der Tunnel dann auch während der Renovierungsphase für die vielen Reisenden öffnen, schrieb das Komitee.

(SDA)

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