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Tiefer Fall eines ehemaligen Spitaldirektors

Umstrittene Spesenabrechnungen: Der ehemalige Bieler Spitaldirektor Paul Knecht ist zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden.

Unregelmässigkeiten: Der Prozess hat für den ehemaligen Bieler Spitaldirektor Paul Knecht eine Verurteilung zur Folge.
Unregelmässigkeiten: Der Prozess hat für den ehemaligen Bieler Spitaldirektor Paul Knecht eine Verurteilung zur Folge.
Andreas Blatter

Das Gericht sprach ihn der ungetreuen Geschäftsbesorgung und des Betrugs schuldig. In der Sache ging es um Unregelmässigkeiten bei Spesen und Überstunden.

Die Probezeit beträgt zwei Jahre, wie die Gerichtspräsidentin am Regionalgericht Berner Jura – Seeland bei der Urteilsverkündung sagte. Ausserdem wurde Knecht zu einer Zahlung von über 44'000 Franken verurteilt.

Deliktsumme von 120'000 Franken

Zweifellos habe sich Knecht als Direktor mit dem Spitalzentrum Biel identifiziert, sagte die Gerichtspräsidentin. Aber hier gehe es nicht darum, die Arbeit an und für sich als Direktor zu bewerten. Knecht hätte sich nicht über die Vorschriften hinwegsetzen dürfen, sagte die Gerichtspräsidentin. Eine Krankenschwester dürfe ja auch nicht ein privates Mittagsessen als Arbeitszeit verrechnen.

In einigen Unterpunkten wurde Knecht zwar freigesprochen. Die Deliktsumme wegen mehrfach begangenen Betrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung beläuft sich indes auf rund 120'000 Franken.

Umstrittene Spesen durchleuchtet

Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 300 Franken gefordert. Am Prozess waren die umstrittenen Abrechnungen zu Knechts Spesen und Überzeiten im Detail durchleuchtet worden. Demnach soll Knecht zum Beispiel im Jahr 2007 mehrmals private Essen als Arbeitszeit verrechnet haben. Dass es sich dabei um Networking gehandelt habe, sei eine Schutzbehauptung Knechts, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer Ende Juni gesagt.

Die Vertreter der früheren Arbeitgeberin Knechts, des Spitalzentrums Biel, warfen dem früheren Direktor Machtmissbrauch vor. Knecht habe sich durch seine eigene Spesen- und Überzeitwirtschaft bereichern wollen.

Der heute 66-jährige Knecht wehrte sich gegen die Vorwürfe. Nur in zwei vergleichsweise kleineren Unterpunkten gab er zu, einen Irrtum begangen zu haben. Aus Versehen habe er einmal für einen Tag 26 Arbeitsstunden verrechnet. Und 1999 und 2000 gab er aus Versehen bei der Abrechnung der Autokilometer gewisse Spesen doppelt an. Die zahlreichen weiteren Vorwürfe stritt er aber ab.

Freispruch gefordert

Knechts Anwälte hatten einen vollumfänglichen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Ausserdem verlangten sie für Knecht eine persönliche Entschädigung von 10'000 Franken sowie eine Genugtuung von 3000 Franken.

Knecht leitete das Spitalzentrum Biel ab 1991. Im Februar 2009 entliess ihn der Verwaltungsrat fristlos. Das Spitalzentrum verklagte ihn auf Schadenersatz. Der ehemalige Direktor, Paul Knecht, reichte vor dem Handelsgericht ebenfalls Klage ein.

SDA/rub

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