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Trauer um Pfannenfabrikant Kuhn

Der ehemalige Patron der Pfannenfabrik Kuhn Rikon, Jacques Kuhn, entwickelte den modernen Dampfkochtopf und gründete mit seinem Bruder das Tibet-Institut in Rikon. Ende Dezember ist er 97-jährig gestorben.

Jacques Kuhn war nicht nur Unternehmer, sondern auch Tüftler und Wohltäter.
Jacques Kuhn war nicht nur Unternehmer, sondern auch Tüftler und Wohltäter.
Urs Jaudas

Der langjährige Patron der Pfannenfabrik Kuhn Rikon, Jacques Kuhn, beeinflusste mit seinen Erfindungen den Alltag unzähliger Menschen. Es gibt in der Schweiz kaum jemanden, der nicht schon ein Gericht aus einer Pfanne gegessen hat, die er entwickelt hatte. Ein besonderer Coup gelang ihm mit seinem Schnellkochtopf Duromatic.

Manager und Tüftler

1947 war Jacques Kuhn als 28-Jähriger ins Familienunternehmen eingetreten und leitete es in der Folge – zunächst gemeinsam mit seinem älteren Bruder Henri – bis 1984. Als gelernter Maschineningenieur prägte er das in Rikon im Zürcher Tösstal gelegene Unternehmen: Dabei agierte er nicht als Manager vom Bürotisch aus, sondern tüftelte nächtelang im Labor – und oft auch am eigenen Herd – an neuen Ideen.

Der von ihm entwickelte Duromatic-Kochtopf wurde 1949 lanciert und trug wesentlich zum Aufschwung des Unternehmens bei. 1975 präsentierte die Firma zudem das erste doppelwandige Kochgeschirr, das weltweit unter der Marke Durotherm auf den Markt gebracht wurde. Der Werbeslogan lautete: «Kochen, servieren, warmhalten«. Denn dieser Topf war auch gleich die Schüssel, die auf dem Tisch stehen konnte. Heute wird das Unternehmen in vierter Generation geführt.

Begründer des Tibet-Instituts

Dem Patron sei auch seine soziale Verantwortung als Fabrikant wichtig gewesen, heisst es in einer Todesanzeige, die gestern in mehreren Medien erschienen ist. Dies zeigte sich unter anderem in seinem Engagement für die tibetische Gemeinschaft. In den 1960er-Jahren, als das Rote Kreuz für tibetische Flüchtlinge einen Ort suchte, stellte Jacques Kuhn mit seinem Bruder Henri Arbeitsplätze und Firmenwohnungen zur Verfügung.

1968 konnten sie dann im Tösstal das Tibet-Institut einweihen, das einzige tibetisch-buddhistische Kloster ausserhalb Asiens. Dieses dient als geistiges und kulturelles Zentrum für Exiltibeter in der Schweiz und aus dem nahen Ausland. Der Dalai Lama hat es bereits 13-mal besucht.

Jacques Kuhn hatte seine Frau Roswitha, die er im Alter von 88 Jahren heiratete, ebenfalls im ­Tibet-Institut kennen gelernt. Sie leitete die dortige Bibliothek. Gemeinsam schrieben die beiden später drei Krimis. Einen vierten hatten sie in Angriff genommen.

Würdigungen

Kuhns Tod lässt Familienmitglieder und Wegbegleiter traurig zurück. Sie äussern sich aber auch dankbar, dass er bis zuletzt geistig fit geblieben ist. Noch im Herbst habe er am 90-Jahr-Firmenjubiläum eine eindrückliche Rede gehalten, sagt seine Grossnichte Dorothee Auwärter, Verwaltungsratspräsidentin von Kuhn Rikon. Am 30. Dezember ist Jacques Kuhn nach einem kurzen Spitalaufenthalt friedlich eingeschlafen.

Auch Politiker, Vertreter der ­tibetischen Gemeinschaft sowie der Winterthurer Nobelpreisträger Richard Ernst würdigen Kuhns Verdienste. Es sei ihm zu verdanken, dass sich viele Tibeter in der Schweiz bald heimisch fühlen konnten.

SDA/roh/tm

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