Vera Weber kämpft für das Erbe des Vaters

Umweltschützerin Vera Weber agiert überlegter, weniger impulsiv als ihr Vater Franz. So lobbyierte sie im Bundeshaus: stets lächelnd und der Sache verpflichtet.

Wählt die Worte mit Bedacht: Vera Weber.

Wählt die Worte mit Bedacht: Vera Weber.

(Bild: Keystone)

Christoph Aebischer@cab1ane

Vera Weber ermöglichte zusammen mit der SVP und der FDP den Durchbruch in der verworrenen Zweitwohnungsmisere. Trotz dieses Erfolgs wirkt sie wie immer. Zum Feiern wäre es sowieso zu früh. Aber sie steht an diesem Mittwochmorgen Red und Antwort in der Wandelhalle des Bundeshauses, nachdem der Nationalrat den Kompromiss dankbar angenommen hat. Mit ihren langen blonden Haaren fällt sie auf. Im Gespräch lächelt sie, die Worte wählt sie mit Bedacht.

Die Zeichen für die Wende standen schlecht. «Wir hatten das Gefühl, die Sache sei hoffnungslos», erinnert sich Silva Semadeni (SP, GR), die als Pro-Natura-Präsidentin mit Weber zusammenspannte. Dann habe Weber kurz entschlossen den Gang in die Höhle des Löwen angekündigt: «Sie sagte plötzlich: ‹So, jetzt suche ich das Gespräch mit den bürgerlichen Parteien.›» Mit jenen also, die den Abstimmungserfolg ihres Vaters– den ersten nationalen – nach und nach zerpflückten. Und sie brachte die Richtigen an den Verhandlungstisch.

Am Montagabend war der Deal perfekt, der den Kern der Zweitwohnungsinitiative bewahren soll. «Sie hat gewonnen», meint mit etwas Abstand Yannick Buttet (CVP, VS), der am Montagabend aufgebracht die Runde mit Weber, Adrian Amstutz (SVP, BE) und Gabi Huber (FDP, UR) verliess. «Wer den Ärger der Walliser sieht, weiss, dass sie gut verhandelt hat», doppelt Adèle Thorens (Grüne, VD) nach. Weber pflege einen anderen Stil als ihr Vater. «Frauen reden zuerst mit den Leuten, fruchtet dies nicht, können aber auch sie anders», sagt sie.

Franz Weber, heute 87-jährig, war charismatisch, aufbrausend, mit Leib und Seele für Tier, Natur und Landschaft kämpfend. Ein klassischer Grüner – also mit Linksdrall – ist er deswegen nicht. Es hatte immer auch Vertraute im bürgerlichen Lager.

Frau mit hohen Ansprüchen

Und die 39-jährige, gelernte Hotelfachfrau, die sich der Sache ihres Vaters verschrieben hat? Auch sie sei eher Naturschützerin, findet Semadeni – und zwar eine verlässliche: Semadeni hat Weber im Abstimmungskampf für die Zweitwohnungsinitiative kennen gelernt. «In der TV-Arena arbeiteten wir als Team zusammen», erzählt sie.

Weber sagt von sich, sie habe oft zu hohe Ansprüche an sich selber. Zudem mache sie sich lieber nicht zu viel Hoffnungen, so wiege auch eine Enttäuschung weniger schwer. Bevor sie vergangenen Herbst definitiv das Erbe ihres Vaters antrat und das Präsidium der Fondation Franz Weber übernahm, prangerte die überzeugte Vegetarierin die Robbenjagd an. Und als glühende Gegnerin des Stierkampfs engagiert sie sich auch heute gegen das qualvolle Sterben in der Arena.

Mit Selbstkontrolle zum Ziel

Kampagnen kennt sie seit ihren Kindertagen – die Kampagnen ihres Vaters, den sie bewundert. Das teilt sie mit ihrer Mutter, die einmal über ihre Tochter sagte, die aufbrausende Seite des Vaters habe auch sie. In der Öffentlichkeit wirkt Weber jedoch stets kontrolliert. Sie weiss, wie sie sich in Szene setzen muss. Bei Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, hinterlässt sie einen «undurchsichtigen» Eindruck. Statt mit «Herzblut» wie ihr Vater agiere sie sachlich, nüchtern und korrekt.

Damit meint er ihre professionelle Seite. Von der privaten Seite gibt Weber wenig preis: Sie sei schüchtern gewesen, erzählte sie einmal. Die Arbeit ihres Vaters fortzusetzen, sei ihr wichtiger als eigene Kinder. Den Kompromiss vom Montag bezeichnet sie schlicht als Akt der Vernunft. Ihre Triebfeder dürfte emotionaler sein und tiefer liegen: Auch sie ist beseelt vom Glauben an das «Gute», den ihr Vater stets als Beweggrund angab.

Berner Zeitung

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