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Versteckte sich ein Kriegsverbrecher in der Schweiz?

Ein 36-jähriger Serbe soll grausamste Kriegsverbrechen begangen haben. Belgrad verlangt vom Bund die Auslieferung des ehemaligen UCK-Kämpfers.

Verbrechen unter dem Deckmantel der kosovarischen Befreiungsarmee? UCK-Soldaten an einer Gedenkveranstaltung im August 1999 in Dyz, nahe bei Pristina.
Verbrechen unter dem Deckmantel der kosovarischen Befreiungsarmee? UCK-Soldaten an einer Gedenkveranstaltung im August 1999 in Dyz, nahe bei Pristina.
Keystone

Mitte April wurde S. N. in Vevey aufgrund eines serbischen Haftbefehls festgenommen. Er wird von Belgrad schwerster Kriegsverbrechen beschuldigt. Das Bundesamt für Justiz (BJ) befindet nun über das Auslieferungsgesuch, das die serbische Botschaft in Bern Anfang März eingereicht hat.

Wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» berichtet, lebt der 36-jährige Serbe, der aus einem albanisch geprägten Dorf stammt und auch den kosovarischen Pass besitzt, seit Jahren in der Schweiz, er habe hier auch Familienangehörige. Laut der serbischen Anklageschrift soll S. N. als damaliges Mitglied der kosovarischen Befreiungsarmee UCK 1999 in Gnjilane im Südosten Kosovos besonders grausame Verbrechen an der serbischen wie an der albanischen Zivilbevölkerung begangen haben.

Leichen aufgeschnitten und in den See geworfen

Die Anklage bezieht sich auf 17 Personen, darunter S. N. Er wird beschuldigt, an Morden, Vergewaltigungen und weiteren sexuellen Vergehen beteiligt gewesen zu sein. Auch soll er Leute besonders grausam gefoltert haben. Zusammen mit Komplizen habe er zwei Personen gevierteilt, indem er diese an zwei in entgegengesetzte Richtungen fahrende Autos gebunden hätte. Anschliessend seien die Leichen aufgeschnitten und in einen See geworfen worden.

Der Beschuldigte, der von drei Anwälten verteidigt wird, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Rechtsanwalt Jacques Barillon ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt, wie er gegenüber «Le Temps» sagt: S. N. habe glaubhaft gezeigt, dass er mit diesen Verbrechen nichts zu tun habe. Er werde die Schwachstellen des serbischen Auslieferungsgesuchs aufzeigen, sagt Barillon, und er spricht von einem Alibi seines Mandanten.

Willkürlicher Prozess befürchtet

Laut einem kosovarischen Insider, der anonym bleiben will, habe S. N. Dokumente beschafft, die beweisen, dass er während der betreffenden Zeit in Mazedonien gewesen sei. Dort habe er seinen kranken Bruder gepflegt, der später starb. Serbische und kosovarische Albaner in der Schweiz setzen sich gegen die Auslieferung ein; sie glauben, S. N. würde in Belgrad ein willkürlicher Prozess drohen. Der Angeklagte selber befürchtet, seine Sicherheit bei einer Auslieferung sei nicht garantiert, ihm würde kein faires Verfahren zuteil werden.

Das Bundesamt für Justiz, das den Eingang des Auslieferungsgesuchs bestätigt, prüfe derzeit, ob alle Voraussetzungen für eine Auslieferung erfüllt seien. Rudolf Wyss, stellvertretender Direktor, weist darauf hin, dass S. N. gegen einen Auslieferungsentscheid beim Bundesstrafgericht und schliesslich beim Bundesgericht rekurrieren könne. Eines sei sicher, schreibt «Le Temps»: S. N. besitzt keinen Schweizer Pass. Wäre er eingebürgert worden, würde eine Auslieferung nicht zur Debatte stehen.

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