Warum es für Gössi schwer wird

Mit Frauenbonus an die FDP-Spitze? Nein. Und gerade freisinnige Frauen sehen Petra Gössis Kandidatur skeptisch.

Die FDP-Frauen geben sich in Bezug auf ihre Kandidatur zurückhaltend: Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi.

Die FDP-Frauen geben sich in Bezug auf ihre Kandidatur zurückhaltend: Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi. Bild: Keystone

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Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi ist bislang die einzige Kandidatin für das FDP-Präsidium. Würde sie im April gewählt, wäre sie erst die dritte Frau an der Spitze des Freisinns. Letztmals leitete 2004 eine Frau die Geschicke der Partei – die Ausserrhoderin Marianne Kleiner übernahm das Amt jedoch nur interimistisch für ein Jahr. Zuvor war Christine Langenberger Präsidentin gewesen, aber auch die Amtszeit der Waadtländerin war von kurzer Dauer: Im März 2004 trat sie nach nur 15 Monaten zurück; eine parteiinterne Arbeitsgruppe hatte ihr die Demission nahegelegt.

Mit Gössi könnte nun erstmals eine Frau das Ruder für längere Zeit übernehmen. Trotz der historischen Chance geben sich die FDP-Frauen zurückhaltend: «Wir kennen Petra Gössi zu wenig, um ihr Potenzial zu beurteilen», sagt Generalsekretärin Claudine Esseiva. Die Frauensektion hat die Schwyzerin deshalb zu ihrer Generalversammlung am 12. März eingeladen. Dort wird die Kandidatin – zusammen mit allfälligen weiteren Bewerbern – eingehend geprüft. Doch Esseiva stellt klar: «Nur weil sie eine Frau ist, werden wir sie nicht per se unterstützen.»

Priorität für die FDP-Frauen hätten die nächsten Bundesratswahlen, nicht das Parteipräsidium, sagt Vizepräsidentin Irene Thalmann: «Die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann oder Didier Burkhalter muss eine Frau antreten.» Als Schwyzer Kantonsrätin kennt Thalmann Gössi zwar gut, will sich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher zu deren Kandidatur äussern.

Die Kandidatin hat andere Anliegen

Trotz der Gesprächseinladung im März: Fakt ist, dass Gössis politisches Profil nicht den Anliegen der Frauensektion entspricht. Die als spröde geltende Juristin politisiert am rechten Rand der FDP und vertritt konservative Positionen. Wie etwa Karin Keller-Sutter (SG), Regine Sauter (ZH) oder Daniela Schneeberger (BL) gehört sie zum Typus der wirtschaftsliberalen Karrierefrau. Vertreterinnen der FDP-Frauen dagegen haben einen gesellschaftsliberalen Fokus, indem sie sich etwa für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen. Wegen ihrer politischen Standpunkte ist die Frauensektion in der Vergangenheit mehrfach in Konflikt mit der rechter stehenden Mutterpartei geraten. Gerade mit dem noch amtierenden Präsidenten Philipp Müller war die Zusammenarbeit lange schwierig – die Meinungsverschiedenheiten wurden bisweilen auch medial ausgetragen.

Die Themen der FDP-Frauen würden bei einer anderen potenziellen Kandidatin, deren Namen immer wieder fällt, auf offenere Ohren stossen: Isabelle Moret wäre für viele Frauen in der Partei die bevorzugte Wahl. Als FDP-Vizepräsidentin ist sie parteiintern bekannt und geschätzt, als zweisprachige Waadtländerin verfügt sie über die nötige Sensibilität sowohl für welsche als auch für Deutschschweizer Befindlichkeiten. Doch Moret steht erklärtermassen nicht für das Amt zur Verfügung. Da mit dem Tessiner Ignazio Cassis bereits ein Lateiner das Fraktionspräsidium innehat, wären ihre Chancen auch kleiner als Gössis.

Gössi soll die beiden Flügel einen

Vorbehaltlos über Gössis Kandidatur freut sich dagegen die ehemalige Interimspräsidentin Marianne Kleiner: «Es ist grossartig, dass wieder eine Frau die FDP führen will.» Die Schwyzerin bringe als «zähe, sportliche Persönlichkeit» die nötigen Voraussetzungen für den «anspruchsvollen Knochenjob» mit. Kleiner attestiert Gössi nicht nur die erforderliche Dossierkenntnis und Intelligenz, sondern auch die Konsensfähigkeit, um den wirtschafts- und den gesellschaftsliberalen Flügel zu einen. Dass neben dem gesellschaftsliberaleren Fraktionschef Cassis eine wirtschaftsliberale Parlamentarierin das Präsidium übernehmen könnte, begrüsst Kleiner als «ausgewogene Zusammensetzung». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2016, 19:44 Uhr

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