Was den kubanischen Ebola-Arzt in Genf erwartet

Die Genfer Universitätsspitäler haben sich minutiös auf die Pflege von Ebola-Patienten vorbereitet. Nun erwarten sie ihren ersten Fall.

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Philippe Reichen@PhilippeReichen

Ein an Ebola erkrankter kubanischer Arzt soll spätestens am Freitag in Genf eintreffen. Der 43-jährige Mann, der sich in Sierra Leona angesteckt hat, wird der erste Pflegefall in der Schweiz sein. Die Genfer Universitätsspitäler (HUG) erklärten sich schon vor Wochen bereit, Ebola-Patienten aufzunehmen. Sie haben dafür zwei Intensivpflegeplätze eingerichtet, die der Abteilung der Inneren Medizin zugeordnet, aber vom übrigen Spitalbetrieb abgetrennt sind.

Das Dispositiv steht also. Einzig mit der Kommunikation hapert es noch. Die Medienabteilung des Unispitals verweigerte am Mittwoch jegliche Auskünfte zum Fall. Das übernehme der Genfer Kantonsarzt Jacques-André Romand, heisst es. Doch auch Romand schweigt. Sein Büro verweist stattdessen auf die Kommunikation seitens des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Entkleiden in 27 Etappen

Was wird an den HUG passieren? Der Arzt wird in einem sogenannten Unterdruckzimmer, auch sublim-immunes Zimmer genannt, untergebracht. Dieses wird von Ärzten und dem Pflegepersonal durch Druckschleusen betreten. Die Pflegenden müssen jeden Zentimeter ihrer Haut mit einem Schutzanzug bedeckt haben, denn das Ebola-Virus kann über Körperflüssigkeiten wie Blut und Schweiss übertragen werden. Auch Augen, Nasen und Ohren müssen geschützt sein.

Der kranke Kubaner wird während 24 Stunden überwacht und gepflegt. Die Teams bestehen aus drei Personen. Sie stehen jeweils drei Stunden im Einsatz und werden dann durch ein neues Team mit der gleichen Besetzung abgelöst. Hat ein Team seinen Dienst beendet, müssen sich die Pflegenden in 27 genau definierten Schritten entkleiden. Das Ausziehen sei deshalb die anspruchsvollste Aufgabe, sagte Pierre Brennenstuhl, Verantwortlicher der Koordinationsgruppe Ebola bei den HUG, vor einigen Tagen bei einer Präsentation des Dispositivs. Jeder Handgriff muss sitzen. Darum wird die Entkleidungsprozedur wiederum jedes Mal von drei Spezialisten überwacht. 30 Pflegende haben die HUG für die Ebola-Pflege ausgebildet, in das Pflegedispositiv und die Infrastruktur wurden insgesamt 200'000 Franken investiert.

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