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Was wollen uns diese Sirenen sagen?

Heute werden Tausende von Alarmsystemen in der ganzen Schweiz getestet. Fragen, Antworten und Anekdoten zum unüberhörbaren Ereignis.

Fabian Renz
Es ist wieder so weit: Am 1. Mittwoch im Februar werden in der ganzen Schweiz die Sirenen getestet. Video: sda/Tamedia

Welche Sirenen ertönen heute?

Rund 5000 stationäre Sirenen für den sogenannten allgemeinen Alarm werden getestet. Von diesen sind 600 auch für den Wasseralarm einsetzbar.

Und wann genau hören wir was?

Der Ablauf folgt einer genauen Choreografie, die in einer Verordnung des Verteidigungsdepartements vorgegeben ist. Die Tests finden immer am ersten Mittwoch des Monats Februar statt. Um 13.30 Uhr lösen die Kantone in ihren Einsatzzentralen den allgemeinen Alarm aus. Dieser besteht aus einem zwischen 250 und 400 Hertz auf- und absteigenden Ton. Um 14 Uhr lassen die Kantone die Wassersirenen entriegeln, um 14.15 Uhr aktivieren sie den Alarm, um 14.30 Uhr werden die Sirenen wieder verriegelt. Der Wasseralarm klingt mit einem 200-Hertz-Ton (12-mal, je 20 Sekunden dauernd) tiefer als der allgemeine Alarm. Die Betreiber von Stauanlagen haben anschliessend ihre Kombisirenen zu testen. Um 16 Uhr müssen alle Tests abgeschlossen sein.

Der Schalldruck steigt: Menschen, die ihren Standort für die Dauer des Alarms nicht verlassen können, dürfen höchstens 112 Dezibel ausgesetzt werden. Foto: Fabienne Andreoli
Der Schalldruck steigt: Menschen, die ihren Standort für die Dauer des Alarms nicht verlassen können, dürfen höchstens 112 Dezibel ausgesetzt werden. Foto: Fabienne Andreoli

Können Sirenen das Gehör schädigen?

Dass Sirenen buchstäblich nicht überhört werden können, ist ihr Daseinszweck. Es gibt für den Schalldruckpegel allerdings Obergrenzen, die nicht überschritten werden dürfen. An Orten, wo sich Personen aufhalten, ist ein Schallpegel von maximal 118 Dezibel zulässig – dies allerdings nur, wenn es möglich ist, den beschallten Raum innert 15 Sekunden zu verlassen. Menschen, die ihren Standort für die Dauer des Alarms nicht verlassen können, dürfen höchstens 112 Dezibel ausgesetzt werden (bei Wasseralarm 104 Dezibel): So sieht es die «Wegleitung für die Alarmierungsplanung» des Bundesamts für Bevölkerungsschutz vor. Zum Vergleich: In der Disco darf der Sound nicht auf über 100 Dezibel gedreht werden. Diese Lautstärke sollte man den Ohren im Maximum zwei Stunden pro Woche zumuten, ansonsten drohen Gehörschäden.

Was tun, wenn eine Sirene erklingt?

Wenn es sich um einen angekündigten Test handelt: gar nichts. Andernfalls: Radio hören. Die Sender sind verpflichtet, im Alarmfall die Instruktionen der Behörden zu verbreiten. Mittlerweile verbreitet das zuständige Bundesamt seine Informationen auch über die App Alertswiss und die entsprechende Website. So wird schnell klar, ob es sich um einen Ernstfall oder einen Fehlalarm handelt.

Welches waren die folgenschwersten Fehlalarme?

Dass Sirenen versehentlich losgehen, kommt immer wieder vor. Unangenehm sind solche Fehlalarme für die Bevölkerung vor allem, wenn sie abends oder nachts passieren.

  • 1983 sorgte eine Wasseralarmsirene an einem späten Sonntagabend für eine Panik in Siebnen SZ: Etliche Menschen flüchteten, teils im Pyjama, auf Anhöhen oder mit dem Auto hinauf ins Glarnerland, weil sie einen Bruch der Staumauer Wägital fürchteten. Wie sich später herausstellte, hatte ein technischer Defekt den Alarm ausgelöst.
  • In Biglen BE führte ein Sirenen-Fehlalarm 1994 dazu, dass rund 60 Feuerwehrmänner mitten in der Nacht umsonst einrückten. Auch hier war, wie meistens, ein technisches Problem die Ursache.
  • Es kommt aber immer wieder vor, dass Sirenen manuell ausgelöst werden, oft unbeabsichtigt, manchmal auch aus Neugier oder Jux: 1987 wurde in Brugg AG ein Zivilschützer gebüsst, nachdem er alkoholisiert in einer Festnacht eine Sirene aktiviert und so für nächtlichen Aufruhr gesorgt hatte.
Ausgelöst werden die Sirenen in der Regel durch die jeweilige Kantonspolizei. Foto: Keystone
Ausgelöst werden die Sirenen in der Regel durch die jeweilige Kantonspolizei. Foto: Keystone

Wie funktionieren unsere Sirenen?

Das Schweizer Sirenennetz wiederum wurde in den letzten 80 Jahren technisch immer wieder weiterentwickelt. Bis 1983 wurden die Sirenen mit Luftdruck betrieben, seither elektronisch. Seit 2015 sind sie an das zentrale, geschützte System Polyalert angeschlossen. Ausgelöst werden sie in der Regel durch die jeweilige Kantonspolizei.

Seit wann gibt es eigentlich Sirenen?

Ein Sirenennetz im modernen Sinn gibt es in der Schweiz seit den späten 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Prinzip der Alarmierung über Tonsignale ist jedoch viel älter. Im ausgehenden Mittelalter kamen dafür das Horn des Nachtwächters und die Feuerglocke zur Anwendung, später gelegentlich auch massige Kanonen. Als Erfinder der modernen Sirene gilt der französische Ingenieur Charles Cagniard de la Tour (1777–1859).

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