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«Weltwoche» veröffentlichte manipuliertes Bankdokument

Der Sarasin-Angestellte vernichtete laut einem Bericht die Daten von Philipp Hildebrand schon Anfang Dezember. Dennoch kam es zur Veröffentlichung. «Das ist kein Auszug von Sarasin», bestätigt die Bank gegenüber Redaktion Tamedia.

Die «Blick»-Recherche bedeutet für ihn keine Wende: Philipp Hildebrand.
Die «Blick»-Recherche bedeutet für ihn keine Wende: Philipp Hildebrand.
Keystone

Die bereits komplizierte Hildebrand-Affäre wird noch verworrener. «Der von der ‹Weltwoche› veröffentlichte Kontoauszug von Philipp Hildebrand existiert in dieser Form nicht», berichtet der «Blick» in der heutigen Ausgabe. So sehe das System der Bank Sarasin nicht vor, dass auf ein und derselben Seite eines Kontoauszugs gleichzeitig der Name des Kontoinhabers sowie die Kontobewegungen ersichtlich seien. Die Personalien des letzte Woche zurückgetretenen SNB-Präsidenten seien hinzugefügt worden.

Ausserdem seien bei den Personalien von Hildebrand die Sprachen Englisch und Deutsch vermischt worden, schreibt der «Blick» weiter. Beispielsweise stehe hinter dem Betreff «Domicile» (Domizil) «Schweiz» und nicht «Switzerland», wie es hätte sein müssen. Merkwürdig sei auch, dass der Name des Ex-Präsidenten der Nationalbank hinter dem Betreff «Address» stehe – und nicht hinter «Name». Das Bankdokument sei an manchen Stellen digital zusammengeschnipselt, an manchen gar komplett gefälscht worden.

«Kein Bankkontoauszug der Bank Sarasin»

Die Bank Sarasin äussert sich zurückhaltend zur «Blick»-Recherche über das in der «Weltwoche» veröffentlichte Dokument. «Das ist kein Bankkontoauszug, wie ihn die Kunden der Bank Sarasin erhalten», sagte Franziska Gumpfer-Keller, Mediensprecherin der Bank, auf Anfrage von Redaktion Tamedia. Ob das Dokument manipuliert worden sei, könne sie aber nicht sagen. Die Bank Sarasin beteilige sich nicht an Spekulationen. Wegen des laufenden Strafverfahrens wolle man sich nicht weiter dazu äussern. Die Staatsanwaltschaft Zürich ermittelt wegen Verletzung des Bankgeheimnisses.

Journalisten der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens konnten Anfang Jahr das Dokument in der Redaktion der «Weltwoche» auf einem Computer abfilmen. Dazu hält «SF Online» nun fest: «Vergleicht man dieses Dokument mit demjenigen, welches dann im Heft abgedruckt war, fällt auf: Auf dem abgefilmten Dokument sind an einer Stelle, bei den Angaben zu Geburtsdatum und Wohnort, schwarze Flecken zu sehen – wie sie beim Kopieren oder Scannen entstehen könnten.» Zudem scheine es an einer weiteren Stelle auf der Dokumentenseite einen dünnen schwarzen Strich zu haben. Auch dies könne auf Manipulationen hinweisen.

Kopien von Bank-Sarasin-Dokumenten blieben in Umlauf

Gemäss den «Blick»-Recherchen vernichtete der IT-Angestellte der Bank Sarasin am 6. Dezember 2011 die von ihm gemachten Screenshots der illegal eingesehenen Bankdaten von Hildebrand. Dennoch: Der Thurgauer SVP-Politiker und Rechtsanwalt Hermann Lei, der in der Affäre als Mittelsmann auftrat, schickte Screenshots an Christoph Blocher, der diese der damaligen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey zeigte. Und am 5. Januar 2012 kam es in der «Weltwoche» zur Veröffentlichung eines Kontoauszugs, der als zentrales Beweismittel gegen Hildebrand verwendet wurde.

Der mutmassliche Datendieb hat inzwischen gegen Lei einen Strafantrag wegen Verletzung des Anwaltsgeheimnisses gestellt. Der IT-Mitarbeiter macht geltend, dass er Lei in seiner Funktion als Anwalt aufgesucht habe, als er ihm die gestohlenen Bankdaten vorlegte. Zudem habe er der Weiterleitung nicht zugestimmt.

Lei-Anwalt: «Diese Informationen sind total falsch»

Nach Ansicht der Zeitung «Blick» liegt der Verdacht nahe, dass Lei – ohne Wissen des Datendiebs – Kopien der ihm anvertrauten Dokumente hergestellt habe. Der Anwalt von Lei, Valentin Landmann, widerspricht dieser Behauptung: «Diese Informationen sind total falsch, in jeder Beziehung. Sie decken sich nicht mit dem, was sich in der Untersuchung ergeben hat.» Und wer hat den Kontoauszug von Hildebrand manipuliert? Landmann bestreitet, dass Lei irgendetwas damit zu tun habe. Lei wollte auf Anfrage von Redaktion Tamedia keine Stellungnahme zum Medienbericht abgeben. Er begründete dies mit dem laufenden Strafverfahren.

Roger Köppel, Chefredaktor der «Weltwoche», die das Dokument am 5. Januar publizierte, hat gemäss der Nachrichtenagentur sda folgende Stellungnahme zur neusten Entwicklung abgegeben: «Was den offenbar erhobenen Vorwurf der Urkundenfälschung angeht, kann ich dies nicht kommentieren, da sich ein solcher Vorgang meinen Kenntnissen entzieht.» Die «Weltwoche» erhielt das Dokument offenbar von Lei, der wiederum in Kontakt mit dem Sarasin-Angestellten stand, welcher die Daten aus der Bank getragen hatte.

Fazit: Die «Blick»-Recherche wirft zwar ein schlechtes Licht auf die Gegner von Hildebrand, sie verbessert jedoch nicht die Position des abgetretenen SNB-Präsidenten. Denn er kann weiterhin nicht belegen, dass seine Frau Kashya die fragwürdigen Dollartransaktionen ohne sein Wissen angeordnet hat.

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