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Wie der Aargau seine Schule umbaut

Die Primarschule soll um ein Jahr auf sechs Jahre verlängert und die Oberstufe um eines auf drei Jahre verkürzt werden.

Das System wechselt, der Unterricht bleibt gleich: Primarschulkinder.
Das System wechselt, der Unterricht bleibt gleich: Primarschulkinder.
Keystone

Ein Jahr nach dem wuchtigen Volks-Nein zur Schulreform «Bildungskleeblatt» hat die Aargauer Regierung einen neuen Anlauf vorgestellt. Die Schule soll weitgehend an den Bildungsartikel des Bundes angepasst werden. Ein Beitritt zu HarmoS ist jedoch vom Tisch.

Die Primarschule soll um ein Jahr auf sechs Jahre verlängert und die Oberstufe um eines auf drei Jahre verkürzt werden, sagte Alex Hürzeler (SVP), Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS), am Donnerstag vor den Medien in Aarau. Er gab die Reform in die Vernehmlassung.

In der Oberstufe soll das dreistufige System mit Real-, Sekundar-, und Bezirksschule beibehalten werden. Zudem sollen zwei Jahre Kindergarten für alle Aargauer Kinder obligatorisch sein.

Der Aargau setze damit den Bildungsartikel des Bundes um, sagte Hürzeler. Ein Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS) sei nach dem Nein zum Bildungskleeblatt jedoch kein Thema.

Zusatzlektionen für sozial belastete Gemeinden

Kindergärten, Primar-, Real- und Sekundarschulen mit erheblicher sozialer Belastung sollen bereits ab dem Schuljahr 2011/2012 Zusatzlektionen erhalten. Nach Schätzungen des BKS haben ab 2013 ungefähr 30 bis 40 Prozent aller Gemeinden Anspruch darauf.

Im Gegensatz zum Sozialindex – einer der fünf Vorlagen des Bildungskleeblatts – sollen für Zusatzlektionen insgesamt 35 statt 80 Millionen Fr. eingesetzt werden. Um die Zusatzlektionen schnell einführen zu können, lanciert der Regierungsrat bis Ende Juli eine eigene Vernehmlassung im kleineren Kreis.

Assistenzpersonen und Spezialklassen

In schwierigen Klassen in der Real- und Sekundarschule sollen die Lehrer zudem durch eine Assistenzperson entlastet werden. Diese Entlastung ist auf ein halbes Jahr befristet und wird von der Schulpflege bewilligt.

Assistenzpersonen müssten nicht unbedingt über eine Lehrerausbildung verfügen, hielt Hürzeler fest. Jugendliche, die trotz nicht mehr tragbar sind, sollen für maximal ein halbes Jahr in so genannte Spezialklassen wechseln müssen. Dies bezeichnete Hürzeler als «letzte Chance» vor einer Heimeinweisung.

In den Spezialklassen erhalten Schüler zusätzlich zur schulischen eine therapeutische Betreuung, bei der die Eltern zur Mithilfe verpflichtet werden sollen. Der Kanton plant vier Standorte für regionale Spezialklassen. An zwei Standorten soll ab 2011/2012 ein dreijähriger Pilotversuch gestartet werden.

Weniger Kosten für Gemeinden

Die Reform kostet den Kanton insgesamt 27,6 Millionen Franken pro Jahr. Die Gemeinden sollen sogar um 3,2 Millionen Franken jährlich entlastet werden. Die Entlastung ist auf tiefere Löhne für Primarlehrer im Gegensatz zu Oberstufenlehrern zurückzuführen.

Oberstufenlehrpersonen, die in die Primarschule wechseln, sollen ihren Besitzstand jedoch wahren können, wie Hürzeler sagte. Sowohl Primar- wie auch Oberstufenlehrer müssen Weiterbildungen besuchen. Lehrmittel für die 6. Klasse sind bereits vorhanden, da sie in zahlreichen anderen Kantonen eingesetzt werden.

Informationsabende im Aargau

Bildungsdirektor Alex Hürzeler will die Reform dem Stimmvolk in insgesamt fünf Informationsabenden in Zofingen, Aarau, Obersiggenthal, Wohlen und Eiken vorstellen. Den Anfang macht am 10. August eine Veranstaltung in Zofingen.

Die Vernehmlassung zur Reform unter dem Namen «Stärkung der Volksschule» läuft bis am 10. September. Das Kantonsparlament berät die Reform voraussichtlich im Frühling und Herbst 2011. Sie soll 2012 dem Stimmvolk vorgelegt werden. Die Änderungen treten damit frühestens auf das Schuljahr 2013/2014 in Kraft.

SDA

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