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Will Leuthard nun eine zweite Gotthard-Röhre?

Nach der Sperrung der Bahnlinie dürfte es am Gotthard diesen Sommer besondern heiss werden. Die Lastwagenfahrer machen in Bern Druck. Dort freundet man sich immer mehr mit einem neuen Strassentunnel an.

Bewilligung für schwerere und gefährlichere Ladungen gefordert: Zwei Lastwagen auf der Fahrt durch den Gotthard Tunnel (6. August 2008).
Bewilligung für schwerere und gefährlichere Ladungen gefordert: Zwei Lastwagen auf der Fahrt durch den Gotthard Tunnel (6. August 2008).

Noch hat die Sperrung der Gotthardbahnlinie auf den Strassen zu keinem nennenswerten Mehrverkehr geführt. Allerdings schaut man mit Unbehagen auf den Beginn der Feriensaison. Vorerst kann das Bundesamt für Strassen (Astra) nur wenig machen, schreibt die «SonntagsZeitung». Man werde die geplanten Nachtsperrungen des Gotthard-Strassentunnels statt ab 20 Uhr erst ab 22.15 Uhr in Kraft treten lassen. Eine Verschiebung der Sanierungsarbeiten sei aber nicht möglich, hatte das Astra versichert.

Die SBB und die involvierten Bundesstellen suchen verzweifelt nach Ausweichrouten. Derzeit können die andern Schienenverbingungen über die Alpen zwischen 70 und 84 Züge mehr abfertigen pro Tag, hat die «SonntagsZeitung» erhoben. Am Gotthard fallen aber rund 120 Güterzüge aus.

Befürchtungen für die Ferienzeit

Und es dürfte sogar noch enger werden wegen Bauarbeiten im Simplontunnel und auf der Brenner-Strecke in Österreich. Am Brenner beginnen diesen Montag Sanierungsarbeiten. Vom 6. August an liege der Verkehr während eines Monats ganz still, schreibt die «NZZ am Sonntag». Im Simplon-Tunnel kann zur Zeit nur eine Röhre unbeschränkt befahren werden, und ab Mitte August soll auch hier während eines Monats kein Zug mehr rollen. Denn auf der italienischen Seite wird bei Domodossola ein Tunnel saniert.

In Bern macht man sich deshalb sorgen, der Verkehr könne sich von der Schiene auf die Strasse verlagern. «Im schlimmsten Fall fahren täglich 2000 zusätzliche Lastwagen durch den Gotthard», sagt Ruedi Rytz vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung zur «NZZ am Sonntag». Das wären doppelt so viele wie normal. Ausgerechnet zum Ferienbeginn würden sie dann die Tunnels und die Passstrassen zusätzlich verstopfen.

Lastwagenfahrer fordern Massnahmen

Dessen ungeachtet fordern die Camionneure für die A2 ein Sonderregime. Die zuverlässige Versorgung von Wirtschaft und Konsumenten ist nach Ansicht des Nutzfahrzeugverbandes Astag beeinträchtigt. Die Lage zeige, wie fragil die wichtige Gotthardachse sei. Deshalb müsse vor der Totalsanierung des Gotthardstrassentunnels zwingend eine Ersatzröhre gebaut werden, heisst es in einer Mitteilung von heute.

Kurzfristig, bis die Bahn auf der Gotthardachse wieder rollt, fordert der Astag vom Bund Notmassnahmen: Die Lastwagen sollen von weniger Vorschriften gebremst werden. Damit die LKW mehr Güter transportieren können, soll auf der A2 die Gewichtslimite um 4 auf 44 Tonnen angehoben werden. Beschränkungen auf den Zufahrtsstrecken im Tessin und in Uri sowie auf der Passstrasse sollen gelockert werden. Für den Gotthardstrassentunnel fordert der Astag, dass die schweren Nutzfahrzeuge werktags gegenüber dem Reiseverkehr bevorzugt werden. Lenker von Personenwagen sollen den Gotthard grossräumig umfahren. Auch die Vorschriften für den Gefahrenguttransport (medizinische Güter) im Tunnel sollen temporär gelockert werden.

Bund erteilt Camionneuren Abfuhr

Weitere Forderungen betreffen das Nachtfahrverbot und die Unterhaltsarbeiten im Gotthardstrassentunnel, die für die nächsten Wochen geplant sind. Die Camionneure möchten, dass diese verschoben werden.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) kam den Anliegen der Fuhrunternehmen bereits am Freitagabend entgegen, als es die nächtlichen Sperrungen des Gotthardstrassentunnels verkürzte. Das Astra teilt die alarmistische Lagebeurteilung der LKW-Branche aber nicht. Der zusätzliche Lastwagenverkehr auf der Nord-Süd-Achse halte sich in Grenzen. Ausserordentliche Massnahmen seien nicht nötig, bekräftige Astra-Sprecher Thomas Rohrbach heute.

Leuthard für zweite Röhre?

Allerdings scheint die Sperrung der Gotthard-Bahnstrecke ein Umdenken beim Thema zweite Röhre für den Strassentunnel zu bewirken. Wegen einer anstehenden Sanierung steht dort entweder eine Totalsperrung während zweieinhalb Jahren oder eine Sperrung während 280 Tagen pro Jahr während dreieinhalb Jahren an. Für viele wäre das ein völlig unhaltbarer Zustand. Nachdem sich bereits Bundesrat Johann Schneider-Ammann für einen zweiten Tunnel ausgesprochen hatte, wolle nun Verkehrsministerin Doris Leuthard dem Bundesrat den Bau einer zweiten Gotthardröhre vorschlagen, schreibt die «SonntagsZeitung».

Gemäss mehreren unabhängigen Quellen bereite sie derzeit mit der Spitze des Astra einen entsprechenden Antrag an den Bundesrat für die Sanierung des Gotthardstrassentunnels vor. Im Antrag sollen zwar sowohl eine Variante mit einer zweiten Röhre wie auch eine ohne solche aufgeführt sein. Priorisieren wolle Leuthard jedoch die Variante mit einer zweiten Röhre. Dies, weil nach neusten Zahlen eine neue Röhre plus Sanierung der bestehenden nur eine Milliarde teurer würde als die alleinige Sanierung der alten Röhre.

Verschütteter geborgen

Die SBB geht davon aus, dass der Abschnitt Erstfeld-Göschenen rund vier Wochen lang gesperrt sein wird. Bevor die Gesteinsmassen weggeräumt werden können, sind Sicherheitssprengungen nötig. Diese dürften gegen Ende der kommenden Woche durchgeführt werden.

Beim Felssturz war am vergangenen Dienstag ein Bauarbeiter verschüttet worden. Dessen Leichnam wurde am Samstagmorgen geborgen. Es handelt sich um einen 29-jährigen Urner, der einen Damm reparierte, der die Bahnlinie vor Steinschlag schützen soll.

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