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«Wir sind nicht der Meinung, dass zu wenig therapiert wird»

Pascal Strupler, Chef des Bundesamtes für Gesundheit, beerdigt die Idee, dass Psychologen über die Krankenkassen abrechnen dürfen. Ausserdem sagt er, was er von einer Fettsteuer hält.

«Finden wir eine gute Lösung, schlagen wir sie vor»: Pascal Strupler, Direktor Bundesamt für Gesundheit. (16. Februar 2012)
«Finden wir eine gute Lösung, schlagen wir sie vor»: Pascal Strupler, Direktor Bundesamt für Gesundheit. (16. Februar 2012)

Vor einer Woche lancierte Stefan Spycher, der Vize-Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), einen Vorschlag, der für grossen Unmut sorgte: Das BAG prüfe, den Zugang zu Psychotherapien massiv zu erleichtern. Künftig sollen Patienten direkt bei Psychotherapeuten anklopfen können – und dies direkt über die Krankenkasse abrechnen können. Seinen Vorstoss begründete so: «Es finden zu wenig Therapien statt angesichts dessen, was therapiert werden müsste.» Heute werden Psychotherapien nur von der Kasse bezahlt, wenn sie unter ärztlicher Aufsicht stattfinden.

Sein Chef Pascal Strupler beerdigt diese Idee nun schon nach einer Woche. Im «SonntagsBlick»-Interview sagt er, dass Psychotherapien ohne ärztliche Anordnung auch künftig selbst bezahlt werden müssen. Allerdings will er dem Bundesrat einen Wechsel vom Aufsichtsmodell zum Anordungsmodell vorschlagen: Danach sollen Psychotherapeuten künftig «zwar nicht mehr unter Aufsicht, aber neu auf Anordnung eines Arztes praktizieren können». Die Aussage seines Vize nimmt er zurück: «Wir sind nicht der Meinung, dass zu wenig therapiert wird.»

Gegen eine Fettsteuer

Im «SonntagsBlick»-Interview verwahrt sich Strupler gegen den Vorwurf, sein Amt praktiziere Gesundheitspolitik als eine Art Religion und wolle nur neue Vorschriften machen. Er spricht sich gegen eine Fettsteuer, gegen eine Zuckersteuer und gegen Werbeeinschränkungen für Kalorienbomben aus. Allerdings kann sich der BAG-Chef ein Ampelsystem für Lebensmittel vorstellen: «Finden wir eine gute Lösung, schlagen wir sie vor. Reif ist es nicht. Zeitlich lege ich mich nicht fest.»

Am 6. März kommt Struplers wichtigstes Projekt, das Präventionsgesetz, erneut in den Nationalrat; der Ständerat hat es im Dezember versenkt. Strupler sagt, der Gewerbeverband lobbyiere «im Hintergrund massiv», um das Gesetz auch im Nationalrat zu bodigen. Bürgerliche Politiker befürchten, das Präventionsgesetz bringe eine Unzahl neuer Vorschriften und Verbote hervor. Für Strupler ist das eine Art «Wehret den Anfängen»-Haltung.

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