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Wo lebt es sich als Fussgänger am besten?

Erstmals wird untersucht, wie fussgängerfreundlich Schweizer Städte sind. Überflieger gibt es keinen.

Gregor Poletti
Fussgänger am Zürcher Paradeplatz. Sind sie zufrieden damit? Foto: Gaetan Bally/Keystone
Fussgänger am Zürcher Paradeplatz. Sind sie zufrieden damit? Foto: Gaetan Bally/Keystone

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Zürcher Fussgänger mit 1,442 Metern pro Sekunde am zügigsten unterwegs sind. Und wen erstaunts: Die Berner sind schweizweit die langsamsten mit 1,354 Meter pro Sekunde.

Aber wie steht es um die Sicherheit der Fussgänger, die Anzahl Gehwege oder darum, wie behindertengerecht diese gestaltet sind? Bisher fehlen Studien zum Fussverkehr, obwohl Herr und Frau Schweizer täglich im Durchschnitt fast 30 Minuten laufen und laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) jede Woche ein Fussgänger an den Folgen eines Unfalls stirbt.

Kein Überflieger

Dem Fussverkehr müsse ein höherer Stellenwert eingeräumt werden, ist Veronika Killer überzeugt. Denn dieser sei nicht auf Fremdenergie angewiesen, produziere kein klimaschädliches CO2 und helfe mit, eine Stadt attraktiver zu machen. Sie ist Projektleiterin einer breit angelegten Fussgängerstudie, die der politisch unabhängige Verein Umverkehr initiiert hat. Dieser existiert seit über 25 Jahren und setzt sich für eine zukunftsfähige Mobilität ein. Gestartet wurde das Projekt gemeinsam mit Fussverkehr Schweiz und der Hochschule Rapperswil Anfang Sommer, jetzt wird ausgewertet. Die ausführlichen Resultate werden laut Killer im Juni 2020 präsentiert.

Was sich jetzt schon sagen lässt: Es gibt keine Stadt, welche in allen drei untersuchten Bereichen obenaufschwingt. Auffällig sei jedoch laut Killer, dass inzwischen an innerstädtischen, zentralen Lagen viel für die Fussgänger gemacht werde. Aber bei der Umsetzung und Gestaltung von Begegnungszonen gebe es eklatante Unterschiede. Und je nach Sprachregion seien die unterschiedlichen Mobilitäts- und Fussverkehrskulturen deutlich spürbar. Untersucht wurden folgende 16 Orte: Aarau, Basel, Bellinzona, Bern, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Locarno, Lugano, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Winterthur, Zug und Zürich.

Der Städtevergleich Fussverkehr beinhaltet drei Teilprojekte:

Infrastrukturtest: Dabei wird die Qualität der verschiedenen Elemente der Fussverkehrsinfrastruktur mit einem Katalog von Kriterien bewertet, der in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rapperswil erarbeitet wurde. Untersucht wurden mit Begehungen vor Ort etwa die Gesamtqualität der Querungen, also hauptsächlich der Fussgängerstreifen, oder wie fussgängerfreundlich ÖV-Haltestellen oder öffentliche Plätze sind.

Experteninterviews: Mit dem zuständigen Fachbeamten der untersuchten Städte wurde der Stellenwert und die Einbettung des Fussverkehrs in der Siedlungs- und Verkehrsplanung erörtert.

Umfrage: Mit einer Onlineumfrage wurde die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Fussverkehrssituation erhoben. In über 70 Fragen konnten die Teilnehmenden zu verschiedensten Bereichen Stellung nehmen, von der Atmosphäre über das Sicherheitsgefühl bis hin zu ganz konkreten Ärgernissen in ihrer Stadt. Die Umfrage lief bis am 30. Oktober.

Kummerkasten für Fussgänger

Killer hofft, dass aufgrund des Schlussrankings und der Einzelresultate die Städte dem Fussgängeranliegen mehr Beachtung schenken: «Im Idealfall tauschen sich die Städte künftig vermehrt untereinander aus.» Ein ganz konkreter Empfehlungskatalog sei nicht geplant. Wünschenswert wäre, diese Studie in ein paar Jahren zu wiederholen und auf weitere Städte auszuweiten.

Dominik Bucheli von Fussverkehr Schweiz hofft, dass die Resultate dazu führen, dass die Bedürfnisse der «schwächsten» Verkehrsteilnehmer besser berücksichtigt werden: «Es gibt zwar Normen, aber häufig wird der Strassenraum von innen nach aussen geplant, und dem Fussverkehr verbleibt die Restfläche.»

Auf die Mithilfe der Fussgänger setzt auch die Sektion Luzern von Fussverkehr Schweiz, um schnell und unkompliziert auf Schwachstellen reagieren zu können. Seit diesem Herbst gibt es im Zentralschweizer Kanton einen Kummerkasten für Fussgänger. Auf der Website dieses Problemstellen-Meldefensters können Betroffene ihre Beobachtungen schildern. «Damit können wir den Bauämtern gezielt Verbesserungen zugunsten der Fussgängerinnen und Fussgänger vorschlagen,» betonte Silvio Bonzanigo, Präsident der Sektion, gegenüber «Zentralplus». Bucheli von Fussverkehr Schweiz geht davon aus, dass dieses Projekt Schule macht.

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