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Wurden die iranischen Atomgespräche in Genf abgehört?

Spionageverdacht bei Genfer Atomkonferenz: Die Bundesanwaltschaft hat ein Verfahren gegen unbekannt eröffnet.

Wurden sie ausspioniert? John Kerry und Javad Zarif bei den Gesprächen in Genf. (30. Mai 2015)
Wurden sie ausspioniert? John Kerry und Javad Zarif bei den Gesprächen in Genf. (30. Mai 2015)
Susan Walsh, Keystone

Die Gespräche zum iranischen Atomprogramm in einem Genfer Luxushotel könnten abgehört worden sein. Die Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet – wegen Verdachts auf verbotenen politischen Nachrichtendienst.

André Marty, der Sprecher der Bundesanwaltschaft, bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA einen Bericht von Radio SRF. Der Bundesrat habe die Bundesanwaltschaft am 6. Mai zur Verfahrenseröffnung ermächtigt. Auslöser war ein Amtsbericht des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB).

Hausdurchsuchung

Am 12. Mai habe in diesem Verfahren in Genf eine Hausdurchsuchung stattgefunden, in dessen Rahmen IT-Material beschlagnahmt worden sei, sagte Marty. «Ziel dieser Hausdurchsuchung war es, einerseits Informationen sicherzustellen und anderseits festzustellen, ob durch Schadsoftware IT-Systeme infiziert worden sind.»

Weitere Informationen zu diesem laufenden Verfahren könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben werden. Wer hinter der mutmasslichen Cyberspionage steckt, ist nicht bekannt. An den Gesprächen Anfang Jahr hatten die Aussenminister der USA, Grossbritanniens, Frankreichs, Chinas, Russlands und Deutschlands teilgenommen.

Israel unter Verdacht

Wie das «Wall Street Journal» berichtet, könnte Israel hinter den Angriffen stecken. Sie bezieht sich auf die Internetsicherheitsfirma Kaspersky, die hinter Attacken auf ihr eigenes System israelische Spione vermutete. Als Kaspersky überprüfte, wer sonst von den Angriffen betroffen war, fielen ihr auch drei Luxushotels auf.

Die Hotels haben gemeinsam, dass dort Atomverhandlungen mit dem Iran stattfanden. Kaspersky-Konkurrent Symantec hatte am Mittwoch berichtet, das Schadprogramm sei zudem bei einem europäischen Telekom-Unternehmen, einem Elektronik-Hersteller aus Südostasien sowie auf Computern in den USA, Grossbritannien, Schweden und Hongkong entdeckt worden.

Computer und Telefone verwanzt

Offenbar können mit Hilfe des Spionagevirus beispielsweise alle Computer in einem Hotel und auch die Telefone, die Lifte und die Alarmanlagen verwanzt werden. Kunden und Partner seien nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht betroffen, teilte Kaspersky mit.

Israel wies eine Verwicklung in den Cyberangriff umgehend zurück. «Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage», sagte Vize-Aussenministerin Zipi Hotoveliim Armeeradio.

Im Februar hatten die USA Israel vorgeworfen, mit gezielten Indiskretionen das US-Vorgehen bei den Verhandlungen erschwert zu haben. Israel hatte die diplomatische Öffnung gegenüber dem Iran scharf kritisiert und bezweifelt, dass ein Atomvertrag mit dem Land die Entwicklung von Atomwaffen verhindern würde.

SDA/dia/rar

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