Zustimmung zu den Agrar-Initiativen geht deutlich zurück

Die Fair-Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität haben einen Grossteil ihres Vorsprungs eingebüsst.

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Volksinitiativen haben oft etwas gemeinsam mit unerfahrenen Ausdauerläufern. Sie starten fulminant, dann brechen sie ein. Bei den beiden Agrar-­Initiativen, über die in knapp einem Monat abgestimmt wird, scheint dies nicht anders zu sein: Die Fair-Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität haben einen Grossteil ihres Vorsprungs eingebüsst. Das ist das Resultat der zweiten Welle der Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 23. September.

Die Initiative für Ernährungssouveränität will eine Neuausrichtung der Schweizer Agrarpolitik: Mehr Staat, weniger Markt soll der Grundsatz lauten. In der ersten Tamedia-Umfrage Anfang August trugen noch 62 Prozent der Befragten diese Forderungen mit. Inzwischen ist die Zustimmung auf 53 Prozent gesunken. Grossen Zuspruch findet das Anliegen weiterhin im links-grünen Lager. 81 Prozent der Grünen- und 64 Prozent der SP-Wähler stimmen der Initiative zu. Auch bei der SVP-Wählerschaft würde aktuell eine knappe Mehrheit (53 Prozent) für die Initiative der Bauernorganisation Uniterre stimmen.

Laut Mathias Stalder von Uni­terre liegt der Rückgang «in der Natur der Dinge». Umfragewerte seien zu Beginn einer Abstimmungskampagne häufig besser als am Ende. Die Gegenseite versuche, Ängste zu schüren, dabei stünden ihr deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung, so Stalder. «Wir sind die krassen Aussenseiter und können mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden sein.»

Auch FDP-Nationalrat Beat Walti spricht von einem typischen Ergebnis. Walti sitzt im politischen Komitee der Allianz «2 x Nein zu den Agrar-Initiativen». Er führt die Trendwende auf den «steigenden Informationsstand in der Stimmbevölkerung» zurück. Bis zur Abstimmung gelte es, weitere Aufklärungsarbeit zu leisten: «Wir sind auf Importe angewiesen, zudem schränkt die Vorlage die Wahlfreiheit der Menschen ein.»

Ältere sind skeptischer

Boden verloren hat auch die Fair-Food-Initiative. 55 Prozent (–9 Prozent) wollen mit Ja stimmen und höhere Standards für importierte Lebensmittel in der Verfassung verankern. 42 Prozent (+9 Prozent) sind mittlerweile dagegen. 3 Prozent sind unentschieden. Mehr als die Hälfte der Gegner lehnt die Vorlage mit der Begründung ab, dass die Lebensmittelpreise steigen würden. Beide Agrar-Initiativen sind bei Frauen überdurchschnittlich populär. Während die männlichen Befragten beide Vorlagen derzeit ablehnen, sprechen sich 63 Prozent der Frauen für Fair Food respektive 61 Prozent für die Ernährungssouveränität aus. Deutliche Unterschiede sind auch zwischen den Altersgruppen erkennbar: je höher das Alter, desto grösser die Ablehnung.

Eng bleibt das Rennen um den direkten Gegenentwurf zur Velo-Initiative: Aktuell unterstützen 50 Prozent die Vorlage, 42 Prozent lehnen sie ab, 8 Prozent sind unentschieden.

Die Befragung zur zweiten Welle der Tamedia-Umfrage fand zwischen dem 22. und 25. August online statt. Teilgenommen haben 9415 Personen aus der ganzen Schweiz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2018, 06:39 Uhr

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