Militärflugplatz: 9000 Flugbewegungen befürchtet

Meiringen

Die Luftwaffe soll nur noch drei Flugplätze betreiben – einer davon ist Meiringen. Dies sieht der Sachplan Militär vor. Kritiker befürchten eine Zunahme des Fluglärms.

Der Militärflugplatz Meiringen wird gemäss dem neuen Sachplan Militär weiterbetrieben. Kritiker befürchten eine Zunahme des Fluglärms.

Der Militärflugplatz Meiringen wird gemäss dem neuen Sachplan Militär weiterbetrieben. Kritiker befürchten eine Zunahme des Fluglärms.

(Bild: Fritz Lehmann)

Samuel Günter@samuel_guenter

Zurzeit liegt der Sachplan Militär 2017 zur Mitwirkung auf. In diesem werden Nutzung, Aus- und Abbau der Waffen-, Schiess- und Übungsplätze der Armee festgehalten. Gesichert ist der Flugplatz Meiringen. Dieser soll gemäss dem Sachplan weiter wie bisher – sprich als Basis für Jets, Propellerflugzeuge und Helikopter – betrieben werden.

Anders sieht es bei den Flugplätzen Sitten und Buochs aus: Beide sollen innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten des Sachplans geschlossen werden. Buochs ist schon heute eine «Sleeping Base» und wird nur sporadisch genutzt. Anders der Flugplatz Sitten. Dieser stemmte laut dem VBS 2015 knapp 3600 Flugbewegungen. Der grössere Teil (2652) durch den weniger lauten F-5 Tiger. 938 Bewegungen gingen auf das Konto von F/A-18. Zum Vergleich: In Meiringen generierte der F/A-18 in derselben Zeit 4000 Flugbewegungen und der Tiger 494.

In der letzten Woche machte der Hotelierverein Brienz die Öffentlichkeit auf die laufende Mitwirkung aufmerksam und rief zur Teilnahme auf. Eine der Befürchtungen: Meiringen muss die Flugbewegungen von Sitten ganz oder teilweise übernehmen. Dies verneint VBS-Sprecherin Karin Suini auf Anfrage dieser Zeitung. «Die Schliessung von Sitten führt in Meiringen nicht zu mehr Flugbewegungen», verspricht sie.

Sorgen wegen des neuen Jets

Doch dies ist nicht die Hauptsorge des Hoteliervereins und seiner Verbündeten. Zurzeit verfügt die Luftwaffe über drei Staffeln. Zwei sind in Payerne und eine in Meiringen stationiert. Eine Staffel benötig laut dem VBS rund 4500 Flugbewegungen pro Jahr.

Nun werden aber die Weichen für die Beschaffung eines neuen Kampfjets gestellt. Der Hotelierverein fürchtet, dass dereinst zumindest zeitweise fünf Staffeln gleichzeitig im Einsatz stehen würden, und stellt sich die Frage, wer die zusätzlichen 9000 Flugbewegungen übernehmen soll.

Ein neuer Jet, das hat schon die Evaluation für den gescheiterten Tiger-Ersatz gezeigt, ist mindestens gleich laut wie der F/A-18, wenn nicht noch lauter. Der Hotelierverein geht davon aus, dass Payerne nicht mehr als die heutigen bis zu 7900 Flugbewegungen akzeptieren wird. Das Gleiche gelte für Emmen (2015: 2214 Tiger- und 1146 F/A-18-Flugbewegungen). Er fürchtet, dass der Schwarze Peter Meiringen bleibe, wo am wenigsten Anwohner direkt betroffen sind.

Dies sei nicht Thema des Sachplans, heisst es beim VBS. «Die Planung der Stationierung erfolgt im Rahmen des Prozesses zur Evaluation und Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges», erklärt Suini. Dies unterstützt auch der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP), Vorsteher der Polizei- und Militärdirektion. «Es ist zu früh für solche Ängste», sagt er gegenüber dieser Zeitung. «Ein neuer Jet bedeutet eine neue Beurteilung.»

Selbst informieren

Käser steht selbst in der Kritik des Hoteliervereins. Er habe es unterlassen, die Gemeinden um den Flugplatz und weitere Betroffene auf die Mitwirkung aufmerksam zu machen. Dies sei nicht seine Aufgabe, erklärt Käser. «Es handelt sich um eine Mitwirkung des VBS, die in den entsprechenden Kanälen ausgeschrieben wurde.»

Dem stimmt Anneliese Zimmermann, Gemeinderatspräsidentin von Brienz, zu. «Es ist an uns Gemeinden, uns zu informieren.» Sie ist dem Hotelierverein dankbar, dass er auf die Mitwirkung aufmerksam machte.

Inzwischen hat der Gemeinderat Stellung genommen. Man halte am bisherigen Begehren des Kontaktgremiums mit maximal 2500 Flugbewegungen mit F/A-18 fest (siehe Artikel rechts). Keine Stellungnahme wird Meiringen einreichen, wie Gemeindepräsident Roland Frutiger erklärt. «Wir haben uns erkundigt und kamen zum Schluss, dass wir uns einbringen, wenn die Objektblätter vorliegen.» Dann also, wenn die künftige Nutzung des Flugplatzes genauer definiert wird. «Uns wurde gesagt, das sei der richtige Zeitpunkt.»

Parmelins Kehrtwende

Der Hotelierverein schrieb die betroffenen Gemeinden an und veröffentlichte ein Flugblatt. Dabei rief er Behörden und Bevölkerung auf, an der Mitwirkung teilzunehmen und für ein «abgestimmtes Nebeneinander von Lebensqualität, Tourismus und militärischen Interessen» einzustehen. Dabei verweist er auf eine Motion von SVP-Nationalrat Adrian Amstutz aus dem Jahr 2007. Diese forderte eine Überprüfung des Stationierungskonzepts.

Die Konzentration auf drei Flugplätze «führt zu massiven Belastungen in den betroffenen Flugplatzregionen und bietet zu wenig Handlungsspielraum bei Umwelteinflüssen oder im Bedrohungsfall». Einer der Mitunterzeichner war der heutige VBS-Vorsteher Guy Parmelin (SVP). «Die finanziellen Rahmenbedingungen machen für die Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee erhebliche Einsparungen bei der Infrastruktur nötig», begründet VBS-Sprecherin Suini die Kehrtwende ihres Chefs.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt