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Erneuerung A1 Kirchberg–KriegstettenSo arbeiten die Strassenbauer auf der Autobahn

Nur wenige Meter neben dem Verkehr sind die Bauarbeiter auf der A1 bei Kirchberg am Werk. Ein harter Job, der einige Risiken mit sich bringt.

Hier wird der Belag erneuert. Das blaue Netz dient als Sichtschutz.
Hier wird der Belag erneuert. Das blaue Netz dient als Sichtschutz.
Fotos: Brigitte Mathys

Ein Strassenbauer fährt mit der Walze über den noch heissen Belag. Er verdichtet den Asphalt, den sein Kollege weiter vorne mit dem Belagsfertiger einbaut. Doch nicht nur auf der rund 12 Meter breiten Baustelle herrscht viel Betrieb. Nebenan brausen die Autos mit 80 Kilometer pro Stunde vorbei. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Nur wenige Meter trennen die Arbeiter auf der A1 bei Kirchberg vom Verkehr. Schutz bietet lediglich eine 90 Zentimeter hohe Planke. Darüber ist ein blaues Sicherheitsnetz angebracht.

Hier ist man mit grossen Maschinen am Werk: Der Belagsfertiger im Einsatz.
Hier ist man mit grossen Maschinen am Werk: Der Belagsfertiger im Einsatz.
Danach wird der Asphalt mit der Walze verdichtet.
Danach wird der Asphalt mit der Walze verdichtet.
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In Sachen Schutz gelte es gerade bei Autobahnbaustellen einiges zu beachten, so Rolf Haas, der im Auftrag des Bundesamtes für Strassen (Astra) als Sicherheitsverantwortlicher fungiert. Er ist für die Baustellen auf Nationalstrassen im ganzen Kanton Bern zuständig, fährt von einem Ort zum nächsten. Zum Gespräch treffen wir uns auf dem Rastplatz Chölfeld. Dieser dient derzeit als Installationsfläche. Hier sind in Baracken auch die Büros eingerichtet, und es ist etwas ruhiger. Ebenfalls vor Ort: Bauleiter Stefan Segessemann und Polier David Hertig.

Stefan Segessemann, Rolf Haas und David Hertig (von links) auf dem provisorischen Übergang beim Installationsplatz.
Stefan Segessemann, Rolf Haas und David Hertig (von links) auf dem provisorischen Übergang beim Installationsplatz.

Das Sicherheitsnetz schirme die Arbeiter vor dem Verkehr ab, sagt Rolf Haas. Aber nicht nur das. «Es sorgt auch dafür, dass die Autofahrer nicht abgelenkt werden.»

Dass dieser Sichtschutz wirkt, davon ist Polier David Hertig überzeugt: «Wenn da mehrere Lastwagen und rauchende Maschinen stehen, schaut jeder schnell rüber.» Das sei nicht nur gefährlich. «Auch bildet sich dann sofort Stau.» David Hertig verantwortet ein 15-köpfiges Team, ist für die Arbeiten an Brücken, Unterführungen und dem Tunnel zuständig.

Die meisten der insgesamt rund 100 Arbeiter haben im Strassenbau Erfahrung. Die Sicherheitsregeln werden trotzdem regelmässig wiederholt. Die Vorschriften beginnen bei der Kleidung: Die Männer tragen von Kopf bis Fuss Orange. So sind sie besser sichtbar. Lange Hosen sind Pflicht, der Stoff schützt vor Verletzungen. Auch Grundlegendes wird in Erinnerung gerufen. «Man kann die Autobahn nicht wie eine Hauptstrasse schnell überqueren», sagt Hertig. An mehreren Orten wurden deshalb provisorische Übergänge installiert.

Zwei Unfälle pro Woche

Auf andere Dinge haben die Verantwortlichen hingegen kaum Einfluss. Verkehrsunfälle gebe es immer wieder, sagt Rolf Haas. «Im Abschnitt bei der Baustelle sind es im Schnitt zwei pro Woche.» Oft handle es sich um Streifkollisionen, auch wegen der engeren Fahrbahn. Zwar gibt es nach wie vor zwei Spuren, diese sind jedoch rund einen Meter schmaler als normalerweise. Solche Kollisionen führen dann vielfach gleich zu Stau. Einen Pannenstreifen hat es entlang der 8 Kilometer langen Baustelle nämlich nicht, nur Nothaltebuchten alle 500 Meter. Bislang hätten die Unfälle die Baustelle aber nicht gross tangiert, so Haas.

«Zum Glück, hoffen wir, es bleibt so», ergänzt Bauleiter Stefan Segessemann. Im Ernstfall gilt es schnell zu reagieren. «Innert 15 Minuten müssten dann Maschinen und Materialien weggeräumt sein», hält er fest. So würde die Rettungsgasse für die Blaulichtfahrzeuge durch die Baustelle geführt. Die Polizei ist derzeit auch an unfallfreien Tagen stärker präsent. Zusätzliche Polizisten patrouillieren mit Motorrädern entlang der Strecke.

Video: PD/Davide Lüchinger

An diesem Nachmittag fliesst der Verkehr aber störungsfrei. Bald ist auf der Autobahnbaustelle Feierabend. Den haben sich die Arbeiter verdient, seit halb fünf Uhr morgens sind sie im Einsatz. Nach so einem Tag sei man schon ziemlich erledigt, sagt David Hertig. Wegen des Lärms und auch wegen der Hitze. Die Sonne wärmt von oben, der noch heisse Belag von unten. «Da trinkt man schon mal sechs Liter am Tag», so der Polier. Hitzefrei gibt es nicht. Schliesslich gilt es einen strikten Zeitplan einzuhalten. Rund 1,5 Kilometer werden pro Tag asphaltiert. Eine Schicht Belag nach der anderen, vier sind es insgesamt.

Obwohl es keine leichte Arbeit ist, bezeichnet David Hertig Strassenbauer als seinen Traumjob. «Es herrscht immer Action, und man sieht abends, was man gemacht hat», so der 32-Jährige. Der Berufsstolz sei gross. «Unsere Baustellen kennen die Leute, darüber reden sie.»