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Nach dem AbstiegSo geht der FC Thun in die Zukunft

Die Berner Oberländer haben nach zehntägiger Bedenkzeit ihre Zukunftspläne skizziert. Fünf zentrale Punkte der Neuausrichtung.

Dürfte bald vom Sportchef zum Präsidenten aufsteigen. Andres Gerber.
Dürfte bald vom Sportchef zum Präsidenten aufsteigen. Andres Gerber.
Keystone/Patrick Huerlimann

Der Präsident geht

Er hatte es angedeutet. Als Markus Lüthi vor den Barragespielen gegen Vaduz zu sich nach Hause zum Gespräch einlud, sagte er gegenüber dieser Zeitung: «Wenn einer Verantwortung übernehmen muss für einen Abstieg, dann bin das ich.» Knapp zwei Wochen später hat der 62-Jährige die Konsequenzen gezogen und per Ende August seine Demission eingereicht. Der Rücktritt Lüthis ist nicht die einzige Veränderung in der Führungsriege der Thuner. Auch Vizepräsident Markus Peter hat angekündigt, auf die nächste Generalversammlung hin zurückzutreten. Während der Posten von Letzterem mit jemand noch zu Definierendem besetzt wird, steht der Nachfolger für Lüthi bereit. Sportchef Andres Gerber, der vor zwei Tagen zum Vizepräsidenten ernannt wurde, plant, sich für die Wahl als Präsident zur Verfügung zu stellen. Gerber sagt, er habe das Gefühl verspürt, Verantwortung übernehmen zu wollen, hinzustehen und auch eine Botschaft gegen aussen zu senden. Die Botschaft, dass der Abstieg nicht das Ende des FC Thun bedeutet, sondern dass es weitergeht. Dass Gerber dereinst Lüthis Nachfolge antreten könnte, stand zwischen den beiden schon länger zur Diskussion, zumal kaum ein anderer den Verein so gut kennt und als Identifikationsfigur fungiert wie der 47-Jährige. Dennoch betont Gerber, auch er sei traurig, dass Lüthi den Verein verlasse: «Ich habe das nicht gesucht. Und ich sehe mich auch nicht als klassischen Präsidenten. Sollte ich gewählt werden, will ich so bleiben, wie ich bin, und ich werde sicher weiterhin Jeans und T-Shirt tragenDer Verwaltungsrat wird mit Gerber, Barbara Frantzen Roth, Carlo Kilchherr, Markus Peter und Paul Conway auf fünf reduziert.

Der Trainer bleibt

Marc Schneider wird auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie stehen. Der 40-Jährige hatte bereits unmittelbar nach dem Abstieg ein Bekenntnis zu den Berner Oberländern abgegeben. Es sei relativ schnell klar gewesen, dass sie weiter zusammenarbeiten würden, sagt Gerber. Auch wenn nach der strengen Saison und der grossen Enttäuschung zum Schluss erst ein paar Tage Ruhe nötig gewesen seien. «Marc hat nicht nur in der Rückrunde bewiesen, dass er ein guter Trainer ist.» Mit wem Schneider zusammenarbeiten wird, ist derzeit offen. Die Zusammensetzung des Staffs, der medizinischen Abteilung und des Materialdienstes hängt nicht zuletzt von den finanziellen Mitteln ab, die für diesen Bereich zur Verfügung stehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass aufgrund einer generellen Kostensenkung auch Stellen im Bereich der 1. Mannschaft gestrichen werden.

Der Wiederaufstieg ist das Ziel

Wie die Mannschaft des FC Thun aussehen wird, wenn die neue Saison Mitte September mit den Sechzehntelfinals des Schweizer Cups eröffnet wird, ist unklar. Gerber, der bis auf weiteres das Amt des Sportchefs unverändert ausführt, geht die Situation gelassen an. Ungefähr 20 Verträge seien zu tieferen Konditionen in der Challenge League gültig. Bisher hat die Thuner mit Ausnahme von Goalie Guillaume Faivre, dessen Vertrag ausgelaufen ist, kein Spieler verlassen. Auch wenn Gerber noch mit Veränderungen rechnet und auch ein Stück weit hofft, dass das Team dadurch ein neues Gesicht erhält, glaubt er, dass sich doch einige einen Verbleib in Thun vorstellen können. Wichtig sei ein guter Mix aus gestandenen und frischen Kräften. «Wir wollen eine Mannschaft, die hungrig istHungrig darauf, vorne mitzumischen. Auch wenn es aufgrund der starken Konkurrenz nicht einfach werde, ist für Gerber klar: «Wir werden sicher aufsteigen wollen.» Das soll jedoch nicht als Kampfansage verstanden werden. Das zu betonen, ist Gerber wichtig. «Es wird ein Riesenkampf.» Aber: «Wir können ja auch nicht sagen, wir wollten einfach den Ligaerhalt schaffen. Das würden uns die Leute nicht abnehmen.» Für den Sportchef ist eine gesunde Balance wichtig. Eine Balance zwischen Ambition und Euphorie. Damit die Enttäuschung nicht zu gross würde, sollte es mit der Rückkehr in die Super League nicht auf Anhieb klappen.

Die Sponsoren halten die Treue

Es ist etwas, das Andres Gerber im Gespräch mehrmals erwähnt, und die Freude darüber ist in seinen Worten spürbar. Schon unmittelbar nach dem Abstieg hätten zahlreiche Sponsoren signalisiert, dem FC Thun weiter die Treue zu halten. Bis heute habe er diesbezüglich nur positive Meldungen erhalten. Er weiss, dass diese Loyalität keine Selbstverständlichkeit ist, dass viele Clubs in der Vergangenheit nach einem Abstieg in finanzielle Nöte kamen, nachdem sich Sponsoren abgewendet hatten. «Diesen Rückhalt zu spüren, macht vieles einfacher und gibt viel Kraft und Zuversicht für die Zukunft.» Dennoch werden die Thuner nicht darum herumkommen, zu sparen. Wie umfangreich der Personalabbau ausfallen werden müsse, lasse sich heute schwer beziffern, sagt Gerber, da dieser von vielen Faktoren wie beispielsweise den Sponsoren, aber auch dem Verkauf von Abonnementen abhänge. «Wir wollen den Betrieb etwas verkleinern, aber sicher nicht zu Tode sparen», sagt Gerber. Bis Ende September sollten alle Mitarbeitenden über ihre Perspektiven informiert werden. Auch bezüglich der Stadionmiete wird eine neue Lösung angestrebt.

Die Investoren sind weiter an Bord

Es war spekuliert worden, dass bei einem Abstieg die Investorengruppe PMG ihre Anteile am FC Thun erhöhen und vielleicht gar Besitzerin des Vereins werden könnte. Doch es bleibt alles beim Alten. Wie vertraglich festgehalten, reduziert sich der Gesamtbetrag des Engagements von 3 auf 2,2 Millionen Franken, wovon 1,4 Millionen bezogen sind. An der Beteiligungsquote von 5 Prozent ändert sich nichts, ebenso wenig am Vorhaben, im Tourismus- und Transferbereich zu kooperieren. «Der FC Thun bleibt hier verankert», sagt Gerber. «Alles andere wäre nicht in unserem Sinn.»