So heizt die Bernerin den Zürchern ein

Beispiel Amsterdam: Die Berner Gemeinderätin Ursula Wyss zeigt, wie Velowege sicherer gemacht werden können.

Ein Meter breite Velowege sind nicht mehr sicher genug.

Ein Meter breite Velowege sind nicht mehr sicher genug.

(Bild: Raisa Durandi)

Im «Tages-Anzeiger» gab die Berner SP-Gemeinderätin Ursula Wyss Mitte Woche Auskunft über die pragmatische Verkehrspolitik in Bern. Am Donnerstagabend hat sie den Delegierten der SP Stadt Zürich im Volkshaus unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass Entscheide gefragt sind. Und wem man im Verkehr den Vortritt geben soll. «Wenn man dabei immer nur an einen Kompromiss mit dem Auto denkt, ist das zum Scheitern verurteilt», sagte Wyss. Eine velofreundliche Verkehrpolitik brauche Platz – auf Kosten der Autos.

Deshalb haben sich die SP-Delegierten an der Versammlung klar für eine Resolution zum Abbau von ober-und unterirdischen Parkplätzen in der Zürcher Innenstadt ausgesprochen. Mit dieser Massnahme wollen sie den Autoverkehr in der Innenstadt reduzieren und ihren Beitrag zur klimafreundlichen Zürcher Verkehrspolitik leisten. Der Entscheid macht deutlich, dass die SP nicht mehr hinter dem Parkplatzkompromiss von 1996 steht.

Etwas Amsterdam zur Inspiration

Die ehemalige Nationalrätin Ursula Wyss kennt sich aus mit städtischen Velorouten. 2014 startete sie in der Stadt Bern eine Velo-Offensive, mit der sie bis 2030 die Anzahl Velofahrender in der Stadt verdoppeln will. Konkret heisst das aus ihrem Mund: «Velostreifen von einem Meter genügten den heutigen Anforderungen an die Sicherheit in unseren Städten einfach nicht mehr.» Sie seien das typische Resultat einer Kompromiss-Politik. Es brauche breite und sichere – baulich sowohl vom motorisierten Verkehr sowie von den Fussgängern abgegrenzte – Velorouten. Damit könne man auch die Zahl der Velounfälle senken. Ähnliches fordert die SP in ihrer Volksinitiative für ein Netz von 50 Kilometern durchgehenden Velowegen. Diese hat sie zusammen mit den Grünen, der AL, der GLP und den Verbänden Pro Velo und umverkehR Ende 2018 lanciert.

Zur Inspiration zeigte Wyss den Delegierten Fotos von Amsterdam, bevor dort die Velooffensive begann. Wo einst Parkplätze und Autospuren waren, verlaufen nun abgetrennte Velospuren. Ganz im Stil: Wer sich entscheidet, der kann auch etwas bewirken.

«Kahlschlag-Politik»

Die Reaktionen von rechter Seite lassen nicht lange auf sich warten. Die SVP bezeichnet das Vorgehen in einer Mitteilung als «Kahlschlag-Politik». Für sie sei unverständlich, warum die SP Verrat an den einstigen Abmachungen begeht.

Ebenfalls wenig erfreut über das Vorgehen der SP ist das Gewerbe in der Innenstadt. Viele Gewerbetreibende bezeichnen die Möglichkeit, dass Kunden in der Nähe ihr Auto parken können, als überlebenswichtig. Erfahrungen aus Städten wie Oslo, wo die Innenstadt autofrei ist, zeigen aber, dass das Gewerbe vom zunehmenden Langsamverkehr profitiert.

Diskussion um Bodycams

Body-Cams waren ein weiteres Thema an der SP-Delegiertenversammlung. Die Resolution der Juso gegen eine weitere Überwachung durch Bodycams in Zürich haben die Delegierten heftig diskutiert. Die Delegierten haben die Resolution abgelehnt, um die Arbeit im Rat nicht zu tangieren.

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