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Freitag wieder beide Röhren offenUrsache für Wassereinbruch in Lötschbergtunnel weiter unklar

Nach dem Wassereinbruch im Lötschberg-Basistunnel hat die BLS die Situation in den Griff gekriegt. Der Grund für das Eindringen des Wassers bleibt ungeklärt.

Christoph Buchs
So wird der Tunnel von Wasser und Schlamm befreit.
Video: Keystone-SDA

Eine halbe bis eine ganze Badewanne voll Wasser pro Sekunde: eine erfreuliche Vorstellung für jene, die sich abends zur Entspannung ein Bad einlaufen lassen, sich aber nicht gerne in Geduld üben. Weniger erfreulich allerdings für Bahnunternehmen wie die BLS, wenn ebendiese Menge Wasser – notabene mit Schlamm versetzt – unaufhaltsam in einen Bahntunnel strömt. So geschehen am Nachmittag des 6. Februar.

Pressekonferenz vom 19. Februar zum Wassereintritt Lötschberg-Basistunnel: Projektleiter Stefan Irngartinger (Mitte) erklärt den Aufbau der Isolationsschicht des Bahntunnels. Rechts Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS, links Geologe Andreas Teuscher.
Pressekonferenz vom 19. Februar zum Wassereintritt Lötschberg-Basistunnel: Projektleiter Stefan Irngartinger (Mitte) erklärt den Aufbau der Isolationsschicht des Bahntunnels. Rechts Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS, links Geologe Andreas Teuscher.
Foto: Bruno Petroni

Rund 2,5 Kilometer vom Portal Raron entfernt drang das verschlammte Wasser über die Tunneldecke ein, und zwar sowohl in die Ost- wie auch in die Weströhre, wobei die Oströhre mit einem Bereich von 500 Metern deutlich stärker verschmutzt wurde. Weniger schlimm war es in der Weströhre, wo sich Schlamm und Wasser über eine Länge von 100 Metern ansammelten.

Der Bahnverkehr wurde sofort eingestellt. «Zum Glück geschah das Ereignis in einem Tunnelabschnitt, auf dem die Züge in zwei Röhren verkehren», erklärte Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS, am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Somit konnte die Weströhre relativ rasch so weit gereinigt werden, dass die Züge mit reduzierter Geschwindigkeit bereits am Folgetag wieder fahren konnten. Die Oströhre blieb jedoch gesperrt.

Pressekonferenz vom 19. Februar zum Wassereintritt Lötschberg-Basistunnel: Diese Sandproben stammen von der Stelle des Wasseraustritts.
Pressekonferenz vom 19. Februar zum Wassereintritt Lötschberg-Basistunnel: Diese Sandproben stammen von der Stelle des Wasseraustritts.
Foto: Bruno Petroni

Gestein mit viel Wasserführung

Über den exakten Grund für den Wassereintritt tappen Experten nach wie vor im Dunkeln. Einige Anhaltspunkte gibt es jedoch. Beispielsweise, dass der Einbruch in einem Bereich des Tunnels geschah, wo beim Tunnelbau in Kalkstein gebohrt worden ist. Dieser Kalkstein ist mit Karststrukturen versetzt, ein höhlenartiges System, das von Wasser und Schlamm durchflossen wird.

«Beim Bau wurde in diesem Bereich eine Karstquelle angetroffen, die grosse Wassermengen mit anfänglich hohem Sandanteil lieferte», erklärte Geologe Andreas Teuscher. Kurz vor dem Wassereinbruch führte diese Quelle auf einmal deutlich mehr Wasser und Schlamm.

Tunnel werden standardmässig mit einer Drainage aus Vlies abgedichtet. In wasserführendem Gebirge – also auch in dem Bereich, wo ab 6. Februar das Wasser eintrat – wird die Abdichtung gegen das Bergwasser zusätzlich mit einer Folie und einem Wirrgeflecht verstärkt. Das Bergwasser wird in einem Leitungssystem aus dem Lötschbergtunnel geführt.

«Die Abdichtungs- und Drainagesysteme sind nicht kontrollierbar», erklärte Stefan Irngartinger, Projektleiter der Alptransit BLS. Will heissen: Einmal im Tunnel verbaut, lässt sich das System nicht mehr auf seine Dichtheit überprüfen, ohne die Innenschale aus Beton abzubauen – was wiederum eine mehrwöchige Sperrung zur Folge hätte. Allerdings, so Irngartinger, gebe es keine Anhaltspunkte, dass das Abdichtungssystem der 30 Zentimeter dicken Betonhülle ein Leck hat. Möglich sei, dass das Leitungssystem mit Schlamm verstopft wurde und eine Schweissnaht an der Tunneldecke dem erhöhten Wasserdruck nicht mehr standhielt.

«Eine Sisyphusarbeit»

Die BLS hat die Situation im Tunnel inzwischen im Griff. Mit Stahlprofilen wird das Wasser an der Tunneldecke gefasst und in ein provisorisches Becken aus Holz geführt, wo sich der Sand absetzt. So kann sauberes Wasser aus dem Tunnel geführt und ein Verschlammen des Tunnels verhindert werden.

Mit ihren externen Partnern reinigt die BLS den Lötschbergtunnel pausenlos in einem 3-Schicht-System. «Eine Sisyphusarbeit», so Daniel Wyder: Der Schlamm muss einzeln zwischen sämtlichen Holzschwellen hervorgekratzt werden, bevor er abgesaugt wird.

Die Tunnelreinigung ist so weit fortgeschritten, dass diesen Freitag um 5 Uhr auch die Oströhre wieder befahren werden kann, wobei die Züge die installierten Bauprovisorien mit reduzierter Geschwindigkeit passieren.

Rund 2,5 Millionen Franken kosteten die provisorischen Arbeiten und die Tunnelreinigung bislang. Wie teuer die definitive Sanierung der Schadstelle wird, ist noch nicht bekannt. Daniel Wyder rechnet gesamthaft mit einem einstelligen Millionenbetrag.

Auf diesem Modell ist zu sehen, wo genau sich der Wasseraustritt ereignet hat. Die betreffende Stelle ist anhand der weissen Markierung unten zu sehen. Sie befindet sich unweit des Tunnelportals bei Raron (Wallis) in der Oströhre des 14-jährigen Basistunnels.
Auf diesem Modell ist zu sehen, wo genau sich der Wasseraustritt ereignet hat. Die betreffende Stelle ist anhand der weissen Markierung unten zu sehen. Sie befindet sich unweit des Tunnelportals bei Raron (Wallis) in der Oströhre des 14-jährigen Basistunnels.
Foto: Bruno Petroni