So will Grönland den Trump-Effekt nutzen

Mehr Investitionen, mehr Touristen: Grönland soll von der momentanen Aufmerksamkeit profitieren. Wiederholt sich die Geschichte von Island?

In Grönlands Hauptstadt Nuuk wohnen nicht einmal 20000 Einwohner. Die Insel gehört offiziell zu Dänemark, verwaltet sich aber selber.

In Grönlands Hauptstadt Nuuk wohnen nicht einmal 20000 Einwohner. Die Insel gehört offiziell zu Dänemark, verwaltet sich aber selber.

(Bild: Keystone David Goldman)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Grönland steht zurzeit im Fokus der Weltöffentlichkeit. US-Präsident Trump hat den Wunsch geäussert, die Insel im Nordatlantik zu kaufen. Auch wenn aus Dänemark, zu dem Grönland offiziell gehört, eine Absage kam und auch in Grönland selbst grosse Skepsis herrscht: Der Trump-Traum hat auf der Insel Positives ausgelöst.

Die Chefin von Grönland Tourismus, Julia Pars, freute sich gegenüber der «Financial Times» über die Aufmerksamkeit, die ihrem Land zuteil wird. «Praktisch jedes internationale Medium brachte die News vergangene Woche. Darum wollen wir die Aufmerksamkeit nutzen, um mehr Touristen nach Grönland zu holen. Und definitiv auch gerne mehr Amerikaner.»

Das Ziel, den Tourismus zu fördern, ist indes nicht neu. Grönland will, dass jedes Jahr 10 Prozent mehr Besucher ins Land kommen.Ein Ministerium definiert gerade die Stossrichtung, wie der Tourismus vorangebracht werden könnte. Dabei geht es vor allem um Infrastruktur. Auch an ganz banalen Dingen wie Besucherzentren fehlt es der Insel mit 56'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Trumps Ansage könnte nun den gewünschten Boost bringen. Grönlandreisen sind heute eine Nische. Im vergangenen Jahr kamen 58'000 Besucher per Flugzeug ins Land. Tendenz über die Jahre gesehen steigend, 2018 aber langsamer als die letzten zwei Jahre zuvor, als jeweils 10 Prozent mehr Besucher kamen.

Grönland sei vor allem für Naturliebhaber und Aktive ein empfehlenswertes Reiseziel, sagt Ulrike Schoch von Island Tours, einem auf Reisen in den Norden spezialisierten Schweizer Reisebüro. Bis ein Effekt eintritt, dürfte es aber noch dauern. «Zunächst ist die Destination etwas präsenter in den Köpfen der Leute, was bei der nächsten Ferienplanung dann eventuell in eine Reise umgesetzt wird», sagt sie weiter.

Flughäfen ausbauen

Damit die weltgrösste Insel bald schon mehr Touristen ins Land locken kann, braucht es in erster Linie auch eine gute Anbindung an den Flugverkehr. Bis 2023 will Grönland Flughäfen ausbauen. In der Hauptstadt Nuuk und dem Touristenort Ilulissat werden die Pisten verlängert. Damit sollen sie für internationale Flüge besser erreichbar sein.

Der Ausbau der Flughäfen hat bereits weitere Projekte ausgelöst. So denkt die Gesellschaft, die die berühmte Hurtigruten-Schiffe betreibt, darüber nach, von Nuuk aus Arktistouren anzubieten. Das Unternehmen will in der Hauptstadt darum ein Hotel bauen.

Grönland ein kleines Island?

Eine andere kleine Insel im Nordatlantik stand vor 10 Jahren ebenfalls plötzlich im Fokus der Weltöffentlichkeit. Island traf 2008 eine Finanzkrise hart, 2010 kam dann der Ausbruch des schier unaussprechliche Vulkans namens Eyjafjallajökull hinzu. Die Insel wurde in der Folge bei Touristen beliebt. Die Anzahl der ankommenden Gäste am Hauptflughafen nahe der Hauptstadt Reykjavik stieg von rund 880'000 im Jahr 2011 auf fast 3 Millionen 2018. Der Tourismus wurde entsprechend wichtig als Wirtschaftspfeiler.

Noch ist die touristische Infrastruktur in Island ausbaufähig, bei beliebten Sightseeing-Plätzen reagierte man erst spät auf die Touristenwelle. Wo sich zu Beginn des Booms nur Parkplätz befanden, stehen heute Touristencenter, die den Namen auch verdienen. Der grosse Teil des Tourismus konzentriert sich aber weiterhin auf einen kleinen Teil des Landes.

Investitionen aus dem Ausland

Auf der 2,16 Millionen Quadratkilometer grossen Insel soll nicht nur der Tourismus für Aufschwung sorgen. Henrik Leth, Präsident des grönländischen Arbeitgeberverbandes, sagt gegenüber der «Financial Times»: «Wir haben ein Interesse daran, mit amerikanischen Firmen zusammenzuarbeiten. Etwa bei der Gewinnung von Mineralien.» Es gebe auf der Insel keine Firma, die eine grössere Mine für deren Gewinnung selber aufbauen könnte. «Wir haben weder das Wissen noch das Geld dazu», sagt er. Es sind aber nicht nur amerikanische Firmen, auf die man abzielt. So sind bereits heute kanadische und australische Unternehmen vor Ort. Und die Chinesen möchten auch gerne Fuss fassen.

Dabei geht es vor allem auch um geostrategische Überlegungen. Mit dem schmelzenden Eis rund um Grönland wächst die Bedeutung der Insel. Etwa bei Abbau von Rohstoffen. Dazu kommt, dass neue Schifffahrtswege durch die Arktis möglich werden. Dann liegt Grönland am richtigen Ort, um davon zu profitieren. Und das nicht nur beim Tourismus.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt