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Ab in die Filmschule!

Sie sind lehrreich – und unterhaltsam: Diese Werke der Kinogeschichte kann man zu Hause streamen und mit den Kindern schauen.

Vorsicht, hier kocht die Ratte – Rezepte für langweilige Tage mit «Ratatouille» und 11 andern Klassikern.
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Lumière! L'aventure commence

2016, aber über die Kinoanfänge

Die Brüder Lumière präsentierten 1895 in Paris erste Filme vor zahlendem Publikum, was als Geburtsstunde des Kinos bezeichnet wird. Einige ihrer 50-Sekunden-Streifen sind Klassiker. Thierry Frémaux, im Hauptberuf Direktor des Festivals von Cannes, erklärt in seinem launigen Kommentar, was die Brüder alles erfunden haben: die Komödie, den Suspense, die Kamerafahrt und auch das Remake, denn einige ihrer Erfolge haben sie mehrmals gedreht. Das ist nostalgisch – und zukunftsweisend.

Stream auf Filmingo

Cabiria

1914

Vulkanausbrüche. Hannibal und seine Elefanten. Seeschlachten. Und mittendrin das Mädchen Cabiria, das alle Widerwärtigkeiten überlebt. «Cabiria» ist der erste Monumentalfilm der Kinogeschichte, entstanden nicht etwa in den USA (wo er sehr einflussreich war), sondern in Italien. Gedreht hat ihn Giovanni Pastrone, der Schriftsteller Gabriele D’Annunzio schrieb die Zwischentitel. Die Handlung ist kompliziert, die Urfassung dauerte 168 Minuten. Aber man kann sich irgendwo einklinken. Und staunen, was damals alles möglich war.

Youtube; Prime Video

Nosferatu

1922

Das ist der allererste Vampirfilm, «eine Symphonie des Grauens» steht im vollständigen Titel. Heute verbreitet er weniger Furcht, sondern beeindruckt durch seinen expressionistischen Stil mit Licht und Schatten, den der deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau zur Perfektion trieb. Eigentlich ist es eine unautorisierte Verfilmung des «Dracula»-Romans. Das Thema bleibt, mit der sich darin verbreitenden Seuche (hier die Pest), brandaktuell. Unvergesslich auch: Max Schreck als Vampir – das ist kein Künstlername.

Youtube; Prime Video

Modern Times

1936

Was Fliessbandarbeit bedeutet, lernt man nie besser als bei Charlie Chaplin: Sein Tramp zieht den ganzen Tag Schrauben an, mit ungeahnten Konsequenzen für Körper und Geist. Chaplins Film war damals auf der Höhe der Zeit, thematisierte die Konsequenzen der grossen Wirtschaftsdepression für die kleinen Leute. Er war gewagt, weil er eine Drogenrauschszene im Gefängnis einbaute. Und er war rückständig, weil er die Tontechnik nicht richtig einsetzen wollte, sondern nur mit Geräuschen arbeitete. Heute ist er nur noch eines: unsterblich.

Apple iTunes; Rakuten TV

Banshun

1946

Was ist jetzt mit den alten Menschen? Auch hier lehrt uns ein Meisterwerk der Filmgeschichte etwas. Es stammt vom Japaner Yasujiro Ozu, einem Spezialisten für ruhige Familiengeschichten. In «Später Frühling» weigert sich die 27-jährige Tochter auszuziehen, weil sie das Gefühl hat, sie müsse für ihren verwitweten Vater sorgen. Das ist nicht besonders spektakulär, aber voller wahrer Momente. Zum Beispiel, wenn der Vater am Ende einen Apfel schält – so viel Wehmut gibt es sonst nie bei einem so simplen Vorgang.

Filmingo

Les Quatre Cents Coups

1949

«Sie küssten und sie schlugen ihn» heisst der für einmal angemessene deutsche Titel. Der französische Regisseur François Truffaut präsentiert ein Plädoyer für die Freiheit von Heranwachsenden. Beschreibt die verkrusteten Erziehungseinrichtungen. Zeigt die reine Freude an Streichen. Und macht deutlich, wie schnell das Spiel in Ernst überkippen kann. Ein Schulstück vom Anfang bis zum wunderbaren Ende am Meer. Truffaut hat die Geschichte seiner Figur in vier Filmen weitererzählt. Kann man heute schauen wie eine Serie.

Rakuten TV

Dr. Strangelove

1964

Der Stanley-Kubrick-Film mit dem Ritt auf der Atombombe bleibt fantastisch irr. Die Satire um den von einem verrückten Militärkopf ausgelösten Krieg ist zwar stark in ihrer Entstehungszeit verhaftet. Aber in Sachen Aufrüstung und Abschreckung nähern wir uns ja immer mehr wieder dem Kalten Krieg, da kann man einiges mitnehmen. Zeitlos ist sicher der Schauspieler Peter Sellers, der gleich drei Rollen spielt. Wer noch mag, darf danach auch noch «Pink Panther» schauen, die Komödie stammt aus derselben Zeit. Und Lachen heilt bekanntlich vieles.

Ex Libris, Google Play und andere

The Sting

1973

Ein Unterhaltungsfilm, aber was für einer. Robert Redford und Paul Newman sind als Trickbetrüger unschlagbar. Die Ragtime-Klänge von Scott Joplin bringt man danach nicht mehr aus dem Ohr. Das mit sieben Oscars prämierte Gaunerstück von George Roy Hill machte – lange vor James Bond in «Casino Royale» – auch das Pokerspiel populär, samt dem Betrügen (einfach besser als der andere). Und etwas lehrt er einem ganz zum Schluss: Ein Film ist erst richtig fertig, wenn der Abspann kommt. Darum: unbedingt sitzen bleiben!

Swisscom; Microsoft; u. a.

Das Boot ist voll

1981

Abschotten? Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof erzählt die Geschichte von sechs jüdischen Flüchtlingen, denen im Zweiten Weltkrieg der Grenzübertritt gelang. Jetzt sind sie da, geben sich als Familie aus, aber sind jederzeit von der Abschiebung bedroht. Ein Lehrstück über die Schweiz im Ausnahmezustand. Gibt es behördliche Weisungen, die man verweigern darf, einfach aus reiner Menschenliebe? Wie hoch ist zwischenmenschliche Solidarität zu werten? Kommt alles gut? Die Antwort auf diese letzte Frage ist hier eindeutig: Nein.

Filmo

The Truman Show

1998

Ist unser Leben echt oder eine Simulation? Truman Burbank (Jim Carrey) lebt unter einer riesigen Glaskuppel. Was er auch tut, wird als Reality-TV-Show übertragen, seine Mitmenschen sind Schauspieler. Aber in jedem Leben gibt es Dinge, die einen misstrauisch machen. Regisseur Peter Weir zeigt, dass es sich lohnt, Fragen zu stellen. Vielleicht einfach nicht zu verbohrt. Nach der Premiere gab es Personen, die glaubten, ebenfalls in einer Simulation zu leben. Seitdem kennt man in der Psychologie den «Truman-Show-Wahn».

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Ratatouille

2007

Eine Pixar-Verrücktheit, im besten Stil von Walt Disney (zu dessen Imperium die innovative Trickfilmfirma inzwischen gehört). Auf eine Ratte, die kochen kann und in einem Pariser Gourmetlokal den Löffel schwingt, muss zuerst einer kommen. Es funktioniert prächtig, bleibt stets amüsant. Und der Film kann dazu animieren, gegen alle Widerwärtigkeiten den eigenen Weg zu gehen. Sowie selbstverständlich zum Kochen. Es muss ja nicht gerade das Tomatengericht Ratatouille sein, dafür ist ja jetzt nicht wirklich Saison.

Diverse Anbieter, ab 24. März auch auf dem neuen Kanal Disney+

Toni Erdmann

2016

Noch eine Vater-Tochter-Geschichte, aber von heute. Der Vater ist ein Witzbold aus der 1968er-Generation, die Tochter rebellierte, indem sie knallharte Geschäftsfrau wurde. Sie sehen sich selten, die Umstände führen sie wieder näher zusammen. Und wer bringt jetzt wem was bei? Das lassen wir offen. Aber die Komödie von Maren Ade ist für uns eine Lektion im Umgang zwischen den Generationen. Es gibt keine einfachen Lösungen. Ab und zu jedoch kommt zu reiner Verzweiflung auch so etwas wie verzweifelt reine Liebe.

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Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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