Arbeitgeber sprechen sich für einen gestaffelten Inländervorrang aus

Um die Belastung in den RAV zu verringern, fordert der Verband eine schrittweise Einführung der Meldepflicht für offene Stellen - beginnen will er mit der Gastronomie und dem Bau.

RAV-Software nimmt keinen automatisierten Abgleich zwischen Stellen- und Bewerberprofil vor. Foto: Nicola Pitaro

RAV-Software nimmt keinen automatisierten Abgleich zwischen Stellen- und Bewerberprofil vor. Foto: Nicola Pitaro

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Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative überfordert die Informatik der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), wie die SonntagsZeitung vergangene Woche berichtete. Als Konsequenz fordert der Arbeit­geberverband nun eine gestaffelte Einführung des geplanten Inländervorrangs. «Die Meldepflicht für freie Stellen könnte zunächst für bestimmte Berufsgruppen eingeführt und dann schrittweise auf weitere ausgeweitet werden», sagt Roland Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. «So würden die RAV nicht überlastet und könnten sich auf die zusätzliche Arbeitsflut einstellen.»

Gemäss den Vorstellungen des Bundesrats sollen Firmen ab nächstem Jahr offene Stellen obligatorisch an die RAV melden, wenn in den entsprechenden Berufen die Arbeitslosenquote landesweit mindestens 5 Prozent beträgt. Erst nach fünf Tagen dürfen die Stellen anderweitig ausgeschrieben werden.

Das ergäbe laut Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) jährlich zusätzliche 180'000 Stellenmeldungen, welche die RAV-Mitarbeiter bearbeiten müssten. Sie hätten laut den Vorgaben der laufenden Vernehmlassung drei Tage Zeit, um den Arbeitgebern passende Kandidaten vorzuschlagen. Experten zufolge sind diese Vorgaben selbst bei einem Mitarbeiteraufbau im RAV kaum zu schaffen, da die Software-Programme bislang keinen automatisierten Abgleich von Stellen- und Bewerberprofilen vornehmen. Das für die IT zuständige Seco sieht zwar keine Defizite bei der Informatik. Dennoch räumte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit, diese Woche ein, dass das Seco und die Kantone ein verbessertes System evaluieren.

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Müller zufolge sind insbesondere die Rückmeldungen der RAV über geeignete Kandidaten an Arbeitgeber zentral. «Sie sind entscheidend, damit die Arbeitgeber das System akzeptieren und alle Seiten davon profitieren.» Der ­Abgleich einfacher Bewerber- und Stellenprofile wie etwa für Hilfstätigkeiten in der Gastronomie und dem Bau könne noch am einfachsten bewerkstelligt werden. «Es würde Sinn machen, mit diesen Berufsgruppen anzufangen.» Müller bekräftigt zudem die Forderung des Verbandes, den Schwellenwert für die Meldung bei 8 statt 5 Prozent anzusetzen, um den Arbeitsaufwand zu verringern.

Zusammenarbeit mit privaten Firmen, um IT zu erneuern

Die Gewerkschaften beharren zwar auf der 5-Prozent-Schwelle, fordern aber auch ein pragmatisches Vorgehen. Die Umsetzung des Inländervorrangs sei anspruchsvoll und brauche wohl etwas mehr Zeit als angenommen, sagt Daniel ­Lampart, Chefökonom des Schwei­zerischen Gewerkschaftsbundes. «Die Instrumente der RAV ­können und werden aber funktionieren.» In der Anfangsphase könnten die RAV Kulanz gegenüber den Arbeitgebern walten lassen. Bis die Instrumente sicher funktionierten, sollten die RAV den Firmen im Zweifelsfall die Suche auf dem freien Arbeitsmarkt sofort erlauben.

«Der Bundesrat und die Verwaltung müssen jetzt handeln, es braucht Notmassnahmen.»Beat Vonlanthen

Um die Vermittlungssoftware der RAV schnell auf den neuesten Stand der Technik zu bringen, befürwortet der Arbeitgeberverband eine Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Die RAV könnten auf das Know-how privater Stellenvermittler zurückgreifen, während die eigene IT weiterentwickelt werde, sagt Müller. Ähnlich äussert sich Beat Vonlanthen, CVP-Ständerat und bis Ende 2016 Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Freiburg. Die RAV könnten vorerst von der Privatwirtschaft entwickelte Systeme einkaufen, während die Ausschreibung für eine eigene Software laufe, sagt Vonlanthen. «Der Bundesrat und die Verwaltung müssen jetzt handeln, es braucht Notmassnahmen.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 23:04 Uhr

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