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Mehr grosse Pannen bei Swisscom als bei anderen

Die Anbieter Salt, Sunrise und UPC betreiben stabilere Netze. Ein Telecomspezialist wirft dem Marktführer vor, er habe zu viel gespart.

Am Dienstag waren schweizweit viele Notdienste betroffen: Die Kantonale Notrufzentrale in Aarau konnte nicht hinaustelefonieren. Foto: Keystone
Am Dienstag waren schweizweit viele Notdienste betroffen: Die Kantonale Notrufzentrale in Aarau konnte nicht hinaustelefonieren. Foto: Keystone

Bereits zweimal versagte 2020 das Swisscom-Netz grossflächig – zuletzt am vergangenen Dienstag. Dabei fielen sowohl das Mobile- als auch das Festnetz und das TV-Angebot aus. Erreichbar waren weder Sanität, Feuerwehr noch die Polizei.

Bereits vor rund einem Monat hatte sich eine ähnliche Panne ereignet, die weite Teile der Schweiz betraf. Und gleich zweimal im Oktober 2019. Diese Häufung beängstigt Ralf Beyeler, Telecomspezialist beim Online-Vergleichsdienst Moneyland. Für ihn gibt es nur eine Erklärung dafür: «Die Swisscom hat zu viel gespart.» Sie scheine bei ihren Back-up-Systemen Kosten zu scheuen.

«Aus Kostengründen zu wenig gut gewartet»

Beyeler ist überzeugt, dass es nicht an den Technikern liegt – diese seien bestens ausgebildet. «Die Swisscom hat ihre Technologie nicht im Griff.» Dies führt Beyeler auf ein «kulturelles Problem» zurück. «Das Management bremst bei den Investitionen in die Infrastruktur. Sie wird aus Kostengründen zu wenig gut gewartet.» Laut Beyeler bestehe der Unterschied zu den anderen grossen Anbietern UPC, Sunrise und Salt darin, dass diese Vorkehrungen im Fall von Störungen getroffen haben.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) beaufsichtigt die Telecomanbieter und verpflichtet sie, Störungen in ihren Netzen mit «potenziell mehr als 30'000 betroffenen Kunden» zu melden, sofern der Ausfall länger als eine Stunde dauert oder dadurch «die Dienste an mehr als 25 Antennenstandorten einer Mobilfunkgeneration erheblich» einschränkt sind.

Nutzer machen sich zum Teil Sorgen

Auf Anfrage verweigerte das Bakom die Auskunft zur Anzahl grossflächiger Störungen. Erst nach Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz legte die Behörde offen, dass sich 2020 mit zwei Ausfällen bereits so viele Pannen ereignet haben wie im ganzen vergangenen Jahr.

Zwar wollte die Swisscom keine Angaben zur Zahl ihrer Störungen machen. Das Ausmass der beiden jüngsten Ausfälle lässt aber keine Zweifel offen, dass es sich um jene handelt, die auch das Bakom erwähnt. Sunrise verzeichnete laut eigenen Aus­sagen lediglich eine Störung dieser Art – vor fünf Jahren. Sowohl Salt als auch UPC geben an, keine meldepflichtigen Ausfälle gehabt zu haben.

Zahlreich sind hingegen kleinere Störungen auf den Netzen der verschiedenen Anbieter. Das zeigen die Meldungen auf dem Portal Allestörungen.ch, wo Kunden die Ausfälle von Dienstleistungen angeben können. Auch hier steht die Swisscom mit 27 Ausfällen in den letzten zwölf Monaten schlechter da als Sunrise (8) oder Salt (16). Und nur weil die UPC-Kunden im August 2019 eine Ausfallhäufung vermeldeten, hat dieser Anbieter mit 41 Störungen die Nase vorn.

Die Kommentare auf der Meldeplattform verdeutlichen den Unmut der Swisscom-Kunden: «Immer nur Ärger und für den Mist bezahlt man so viel Geld!», empört sich ein Nutzer nach dem jüngsten Totalausfall. «Es nervt einfach nur noch. Ständig abends diese Störungen», schreibt eine Kundin. Eine andere zeigt sich besorgt: «Da ich etwas abseits wohne, habe ich nur Swisscom-Empfang. Bei der letzten Störung ging gar nichts mehr. Auch Alertswiss und die Rega-App nicht.»

Die Häufung der Pannen ist ebenfalls ein Thema: «Kann mir mal jemand erklären, was mit Swisscom los ist? Störung an Störung bei mir im TV und Internet und das seit Tagen immer wieder!», reklamiert ein Kunde.

Notfallzentralen sollen ans Netz der Konkurrenz

Für Telecomspezialist Ralf Beyeler steht fest, dass die Swisscom gegen die zunehmenden Störungen Massnahmen ergreifen muss. Spätestens nach der ersten grossen Panne hätte der Telecomanbieter einen Notfallplan erarbeiten müssen, insbesondere, weil die Notdienste nicht erreichbar waren. «Die wichtigsten Notrufzentralen müssten zusätzlich an die anderen Anbieter angebunden werden», sagt Beyeler.

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