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Die Armee hat zu wenige Lastwagen für den Ernstfall

Das Militär prüft, ob es in Notlagen zivile Fahrzeuge einziehen kann.

Es wird eng: Der bestehende Fuhrpark reicht für grosse Gruppenverschiebungen nicht aus. Foto: Alex Kühni/VBS
Es wird eng: Der bestehende Fuhrpark reicht für grosse Gruppenverschiebungen nicht aus. Foto: Alex Kühni/VBS

Die Schweiz wird von allen Seiten angegriffen – die Soldaten schaffen es aber nicht rechtzeitig an die Grenze. Was wie ein schlechter Witz klingt, könnte im Ernstfall bittere Realität werden. Heute verfügt die Armee nicht über genügend Fahrzeuge, um im Krisenfall Truppen, Munition und Material an die Einsatzorte zu transportieren. Das Verteidigungsdepartement VBS von Bundesrätin Viola Amherd bestätigt: «Müssten grosse Teile der Armee mobilisiert werden, könnte der gleichzeitige Transport nicht vollumfänglich sichergestellt werden.» Nur im Alltag und in Zeiten erhöhter Spannungen kann die Armee ihre Transportbedürfnisse selbstständig abdecken.

Politiker von links bis rechts sind alarmiert. «Ich erwarte, dass die Armee einsatzbereit ist. Es ist unglaubwürdig, fehlen im Krisenfall Transportkapazitäten», sagt Adrian Wüthrich, SP-Nationalrat und Transportoffizier. FDP-Nationalrat Walter Müller spricht von «Defiziten», wenn es darum gehe, im Ernstfall Truppen zu verschieben. «Wir brauchen kreative Ideen, um die Funktionsfähigkeit der Armee zu erhöhen.»

Die Sicherheitslücke ist in den letzten Jahren sogar noch grösser geworden, weil das Transportwesen an Bedeutung gewonnen hat. Die Armee wurde verkleinert, deshalb muss sie heute mobiler sein. Und im Zuge der höheren Bereitschaft sollen bei unerwarteten Ereignissen die Truppen rasch ausgerüstet und einsatzbereit sein. Trotzdem fehlen Fahrzeuge. «In der verkleinerten Armee muss die Mobilität gewährleistet sein. Genügend Transportkapazitäten sind genauso wichtig wie genügend Kampfmittel», sagt Werner Salzmann, SVP-Nationalrat und Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission. «Leider ist die Mehrheit des Parlaments im Moment nicht gewillt, der Armee die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um der tatsächlichen Bedrohungslage gerecht zu werden.» Eben erst zeigte ein VBS-Bericht, dass sich die internationale Sicherheitslage jüngst verschlechtert hat.

In der Armee ist niemand mehr für Requisitionen zuständig

Das Transportproblem hat das VBS bis jetzt aber nicht ernsthaft angepackt. In den nächsten Jahren sollen zwar 370 Lastwagen beschafft werden. Die Kosten belaufen sich auf 150 Millionen Franken. Die neuen Lastwagen sind aber lediglich als «Ersatz für veraltete Fahrzeuge vorgesehen», heisst es in der Armeebotschaft 2019. Diese wird demnächst vom Nationalrat beraten. Insgesamt besitzt die Armee rund 2500 schwere Lastwagen.

Das VBS betont, dass die Armee nie den Anspruch gehabt habe, sämtliche Transportbedürfnisse abzudecken. Selbst in den Weltkriegen war dies so. Deshalb wurden damals zivile Fahrzeuge eingezogen. Bis Ende der 1990er-Jahre beruhte die Mobilität der Armee in grossem Ausmass auf sogenannten Requisitionsfahrzeugen. Fast schon legendär sind die Zeiten, als Armeeangehörige bei Inspektionen gleich noch ihren Jeep mitnahmen, dessen Kauf vom Bund subventioniert worden war. Mittlerweile gibt es aber nicht einmal mehr eine Verordnung, welche Requisitionen rechtlich regeln würde – geschweige denn eine Stelle, die dafür zuständig wäre. «Die Armee wird ansehnlich alimentiert. Da darf man erwarten, dass die Notfallpläne griffbereit in einer Schublade liegen», sagt SP-Nationalrat Adrian Wüthrich «Es ist bedenklich, dass es nicht einmal eine Organisation gibt, die Requisitionen durchführen könnte.»

Immerhin sind Requisitionen nun auch beim VBS wieder ein Thema. «Wo militärische Bedürfnisse mit zivilen Mitteln abgedeckt werden können, ist es auch finanziell sinnvoll, in einer Form darauf zurückzugreifen, sei dies mit Nutzungsvereinbarungen oder mit Requisitionen», schreibt das VBS. Es bestätigt, dass die Wiedereinführung von Requisitionen geprüft werde. Bis Ende Jahr lägen Resultate vor. Es bleibt zu hoffen, dass bis dann noch kein Feind an der Grenze auftaucht.

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