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Dosen-Thon nur noch von der Angelrute

Die Migros verkauft keine im Netz gefangenen Thunfische mehr – auch die Discounter rüsten um.

Nachhaltig: Fischer in Indonesien fangen Thunfische mit der Angel statt mit Netzen. Foto: Warren Smart/Green Renaissance/IPNLF
Nachhaltig: Fischer in Indonesien fangen Thunfische mit der Angel statt mit Netzen. Foto: Warren Smart/Green Renaissance/IPNLF

Bei der Jagd auf Thunfisch mit bis zu zwei Kilometer langen Fangnetzen verenden auch viele andere Meeresbewohner: Delfine, Seevögel, Schildkröten, Walhaie und Rochen sind sogenannter ­Beifang. Sie werden meist als Abfall wieder über Bord geworfen. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF kritisieren deshalb die Fangmethode und ­setzen damit Grossverteiler und Discounter unter Druck.

Denn sowohl für Thunfisch in Sushi-Qualität als auch für die ­Billigvariante aus der Dose gibt es nachhaltigere Fangmethoden. Statt mit Netzen werden die Fische dabei mit Angelruten und Leinen gefangen. Die Migros stellt nun ihr ­gesamtes Büchsensortiment auf mit dieser Methode gefischten Thunfisch um.

Die Fische geraten in einen Fressrausch

Ganz so friedlich, wie das klingt, läuft der Ruten-Fang nicht ab. Die grossen Thunfische werden mit kleinen Fischen als Köder ­angelockt. Die Tiere verfallen in einen Fressrausch, schnappen nach allem, was sich bewegt und können so im Sekundentakt aus dem Meer gezogen werden. An Deck ersticken sie. Je nach Boot können die Fischer dank automatischen Vorrichtungen mehrere Leinen gleichzeitig bedienen.

Diese Art des industriellen Fangs gilt trotzdem als nachhaltig, zumindest im Vergleich mit anderen Methoden. Laut WWF gibt es so praktisch keinen Beifang und ­keine negativen Auswirkungen auf den Meeresboden. «Es ist wünschenswert, dass alle Detailhändler, auch die Discounter, auf mit dieser ­Methode gefangene Thunfische umstellen», sagt Corina Gyssler von WWF Schweiz.

Trotz dem Trend hin zu frischem Convenience-Food bleibt Dosen-Thon bei den Schweizern beliebt. Jährlich werden rund 35 Millionen solcher Konserven verkauft. Allein die Migros kommt auf über 15 Millionen bei kons­tanter Nachfrage.

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Video: Ein Thunfisch für 3 Millionen Franken

An der traditionellen Neujahrs-Auktion auf dem Tokioter Fischmarkt hat ein Restaurant-Chef Millionen für knapp 280 Kilogramm Fisch liegen gelassen. Video: AFP

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Ab kommender Woche erfüllt der orange Riese die Forderung des WWF. Dabei werden nicht nur die Konserven der Eigenmarken entsprechend angepasst. «Auch grosse Marken wie Rio Mare verwenden ausschliesslich für das Migros-Sortiment Thunfische, die mit Ruten und Leinen gefangen wurden», sagt Sprecherin Alexandra Kunz. Das gilt auch für die Migros-Tochter Denner. Die Preise sollen dabei gleich bleiben.

Konkurrent Coop kommt bei Konserven auf einen Anteil von 97 Prozent mit der nachhaltigeren Fangmethode. Weniger weit sind die Schweizer Ableger der deutschen Discounter. Bei Aldi Suisse sind es rund 30 Prozent. Man prüfe laufend Verbesserungen in der Beschaffung von Thunfisch. Lidl verkauft erst 25 Prozent der Thon-Dosen aus Ruten- und Leinen-Fang. Der Händler will das aber ändern. «Bis 2020 werden voraussichtlich drei Viertel unseres ­Thunfischkonserven-Sortiments mit dieser Fangmethode gefischt sein», sagt eine Sprecherin.

Die Malediven setzen auf Ruten-Fang

Spezialisiert auf diese Art der Fischerei hat sich das Ferienparadies Malediven. Eine Flotte mit 1000 Schiffen und 20'000 Fischern fängt dort Thunfische auf diese Art. Auch Länder wie Indonesien und die Philippinen gehen so vor.

Der Konsum von Thon ist laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace trotzdem nur stark eingeschränkt empfehlenswert. Praktisch sämtliche Thunfisch-­Arten und ihre Bestände seien von Überfischung betroffen. «Nur bei Arten aus gesunden Beständen ist der Konsum von Thunfisch für uns überhaupt noch vertretbar», sagt Sprecher Yves Zenger. Unbedenklich sind demnach die Arten Skipjack und Bonito aus dem Nordwest- und Nordostpazifik. Zudem müsse auch das Ruten-Fischen gut kontrolliert werden, sodass keine zu jungen Tiere gefangen würden.

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