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Im Winde klirren die Fahnen

Markus Somm über die guten Seiten einer schlimmen Zeit.

Er war der klassischste der klassischen deutschen Dichter: Friedrich Hölderlin, Verfasser des «Hyperion». Foto: PD
Er war der klassischste der klassischen deutschen Dichter: Friedrich Hölderlin, Verfasser des «Hyperion». Foto: PD

Gewiss, wir haben diese Entschleunigung nicht gesucht. Wäre es nach uns gegangen und dieses Virus nie aufgetaucht, hätte das normale Leben seinen Lauf nehmen dürfen. Niemand sehnte sich nach Videokonferenzen, niemand fühlt sich wirklich wohl in Supermärkten, deren leere Regale an die späte DDR erinnern, niemand freut sich darauf, jedem Menschen misstrauisch auszuweichen, der einem näher als zwei Meter kommt. Auch die alten Leute haben uns nicht gestört, selbst wenn sie im Zug zu munter schwatzten auf dem Weg in die Berge, während wir sie jetzt, wenn wir ihnen im Freien begegnen, mit bösen Blicken strafen wie Kinder, die noch nicht im Bett sind. Ab, ab ins Haus, draussen lauert die Gefahr. In solch irrwitzigen Zeiten offenbart sich aber auch, was uns gefehlt hat: Ruhe, Langeweile, die Ewigkeit. Denn worauf kommt es an? Auf ein neues Auto oder den Sinn des Lebens? Vielleicht gab es noch nie eine so gottlose Zeit wie die unsrige, weshalb wir so einsam sind, noch nie eine so banale dazu.

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