«Wir sind schuld an allem Schlechten auf der Welt»

Die Reaktionen der Leser.

«Wir sind schuld an Klimaveränderung, Mikroplastik, Antibiotikaresistenz, Korruption, Armut und allem Schlechten auf der Welt. Wir wissen es. Und richtig, wir sollten uns dafür schämen.», findet ein Leser. Foto: Getty

«Wir sind schuld an Klimaveränderung, Mikroplastik, Antibiotikaresistenz, Korruption, Armut und allem Schlechten auf der Welt. Wir wissen es. Und richtig, wir sollten uns dafür schämen.», findet ein Leser. Foto: Getty

(Bild: Keystone)

Imam ruft in Basel zum Jihad auf
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Kürzlich haben wir an einer Abdankungsfeier einer mit uns befreundeten Familie teilgenommen. Wir nahmen Abschied von einem Opfer eines muslimischen Terroristen am Ostersonntag in Sri Lanka. Unsere Trauer ist gross. Aber daraus soll kein Hass gegen eine ganze Gemeinschaft entstehen. Man stellt heute fest, dass Hass und Misstrauen zunehmen. Diese Gefühle werden für die Machteroberung missbraucht. Wir sollten aber gerade heute auf unseren Werten beharren. Wir haben alle die gleichen Rechte, unabhängig von Glauben, Sexualität und Rasse. Diese Grundlage soll für alle gelten, und wir müssen dafür einstehen.
Ray Ballisti, Hinwil ZH

In der gleichen Ausgabe der SonntagsZeitung wird über zwei Männer berichtet, die auf den ersten Blick Gegensätze darstellen: Ein Imam, der zum Jihad gegen Andersgläubige aufruft, was einem Aufruf zum Mord gleichkommt, und ein islamophober Politiker, der zur Verfolgung einer Frau auffordert, die muslimischen Eltern mitgeteilt hat, dass ihre Kinder zum Fest am Ende des Ramadan der Schule fernbleiben dürfen, was zwar legal ist, nach Sicht des infrage stehenden Politikers aber verheimlicht werden sollte. Die Intoleranz, welche der Grund beider Handlungen ist, deutet auf eine verwandte Mentalität hin. Beide Handlungen stellen Straftaten dar und müssen somit geahndet werden. Der Imam, wenn er nicht die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, soll des Landes verwiesen werden. Dem Politiker wird ein Eintrag ins Strafregister bekanntlich keinen Eindruck machen. Seine Handlungen, sollten sie von seiner Partei geduldet werden, dürften aber ein eher unvorteilhaftes Licht auf diese werfen. Die Ahndung liegt nun in den Händen der Wählerschaft.
Hans Peter Weber, Fahrwangen AG

Helvetia vor der Berufswahl: Hure oder Heilige
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Der Autor bringt in seinem Kommentar das zynische Gebaren der Schweiz direkt auf den Punkt. Leider war die Praxis, sich einerseits auf die politische Neutralität zu beziehen und andererseits von illegalen Geldern aus Unrechtsregimen zu profitieren, gerade für die Schweiz jahrelang ein «Erfolgsmodell». Wenn ein Land – oder zumindest eine Wirtschaftsbranche – sich mit einem korrupten Unrechtsregime ins Bett legt, hat es aus meiner Sicht keine Glaubwürdigkeit, sich mit Guten Diensten zu profilieren.
Pascal Merz, Sursee LU

Wann stoppt die SVP Andreas Glarner?
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Es ist eine traurige Sache, die Nationalrat Glarner auslöste – wieder einmal. Aber: Das Parlament ist ein Abbild des Volkes. Und: In unserem Volk gibt es eben diese Tendenzen. Wir dürfen vom «Geniebataillon», das viermal im Jahr in Bern tagt, nicht zu viel erwarten. Es ist ein unglaubliches Feilschen um Meinungen und Werte, was ja die ganze Schweizer Geschichte durchzieht. In diesem Sinne gehört Nationalrat Glarner eben zum «helvetischen Durchschnitt». Trotzdem habe ich mich auch geärgert. Ich bin gespannt, ob ihn die Aargauer im Herbst wieder wählen.
Anton Cotti, Pfaffhausen ZH

Ich frage mich schon lange, wie man Andreas Glarner wählen kann. Die Parteileitung der SVP hält ihn anscheinend für superfähig; sogar zum Asylchef wurde er befördert, ein Mann, der in seiner Gemeinde seine Asylbewerber nach Rudolfstetten abschiebt. Hoffentlich wachen die SVPler langsam auf und wählen im September normale Leute.
Lydia Neges, Bellikon AG

Es ist schon ein Trauerspiel, was sich Nationalrat Andreas Glarner seit Jahren alles erlauben kann, ohne von der SVP gemassregelt zu werden. Der einzig positive Effekt ist der, dass sich immer mehr Mitglieder von der Partei verabschieden. Es ist tatsächlich beschämend für die Schweiz, dass sich diese Partei so stark etablieren konnte.
Hans-Ulrich Wanzenried, Zürich

Das ist ja Psychoterror pur. Und wenn Andreas Glarner den auslöst, muss er auch als Terrorist geahndet werden.
Erich Brauchli, Niederweningen ZH

Wenn Linksextreme Hauswände verschmieren, also Sachbeschädigung begehen, dann sind sich alle einig und bezeichnen dies als Vandalismus, also kriminell. Wenn aufgrund der genau gleichen Geisteshaltung, nämlich einzig deshalb, weil er meint, er sei im Recht, Andreas Glarner einer jungen Frau bewusst persönlichen Schaden zufügt, dann redet die SonntagsZeitung von Politik aus der Schmuddelecke, andere Medien von mangelndem Anstand, so, als wäre Andreas Glarner einfach nur leicht verhaltensgestört. Wann stoppt die Justiz diesen Mann?
Jean Weydert, Zürich

Die Aufforderung über Facebook des SVP-Nationalrats Andreas Glarner zur Online-Verunglimpfung einer Lehrerin mittels Bekanntgabe von deren persönlichen Daten macht deutlich, dass Andreas Glarner weder grundsätzliche Prinzipien des Anstandes und der Humanität noch die Rechtsordnung der schweizerischen Eidgenossenschaft respektiert. Dies ist zusammen mit anderen ausländer- oder frauenfeindlich-diskriminierenden Aussagen sehr schlimm, weil Andreas Glarner als Nationalrat ein Volksvertreter der Schweiz ist. Noch viel schlimmer ist aber, dass sich die SVP-Leitung nicht von den unglaublichen Entgleisungen von Andreas Glarner distanziert. Zu hoffen bleibt, dass anständige bisherige SVP-Wähler sich bemerkbar machen und ein Zeichen setzen. In der Ära vor Blocher, Köppel und Glarner, etwa vertreten durch Bundesrat Adolf Ogi, hatten auch Anstand und die Rechtsordnung der Schweiz für die SVP hohe Priorität.
Hans-Rudolf Forrer, Oberweningen ZH

Migros und Coop sperren sich gegen die Lebensmittelampel
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Schon wieder eine neue Vorschrift! Die Kennzeichnung mittels einer Ampel auf der Verpackung soll zeigen, wie schädlich oder wie gesund Lebensmittel sind, zum Beispiel Frühstücksflocken. Das ist eine Wohlstandserscheinung. Es geht bestens auch ohne gekennzeichnete Frühstücksflocken, ein Honigbrot und Ovomaltine oder Kakao wäre die bessere Empfehlung für einen Zmorge. Wer auf die Gesundheit schaut, kennt sich in der Ernährung aus. Der andere wird von einer Ampel nicht von seinen Vorlieben abgehalten.
Beatrice Landert, Zollikerberg ZH

Was mir Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass die Notwendigkeit einer Lebensmittelampel in der Schweiz abgestritten wird, ohne weitere Hintergründe zu erläutern. Und dies in einer Zeit, in der ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung unter Übergewicht leidet und ein steigender Anteil übergewichtiger Kinder festzustellen ist. Von den Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Depressionen gar nicht erst zu sprechen. Wie kann eine IG Detailhandel keinerlei Notwendigkeit einer Lebensmittelampel sehen, wo doch die durch eine falsche Ernährung ausgelösten Probleme kontinuierlich ansteigen, uns die Werbung von überzuckerten Lebensmitteln in den Medien ständig vorgeführt wird und die Transparenz über tatsächlich gesunde beziehungsweise kalorienarme (zuckerarme) Lebensmittel nach wie vor nicht gegeben ist? Eine kritische oder zumindest hinterfragende Stellungnahme habe ich leider vergebens gesucht. So wäre es mehr als interessant zu erfahren, welche Parteien tatsächlich Klarheit bei der Zusammensetzung von Lebensmittelzutaten befürworten und welche weiteren Interessenvertreter Einfluss auf dieses Thema nehmen. Die Schweizer Bevölkerung hat ein Recht auf Transparenz. Am Ende ist es den Kunden dann selbst überlassen, wie sie mit diesen Informationen umgehen.
Anton Angerer, Zürich

Wenn sich die Schweizer Grossverteiler und Softgetränkehersteller weiterhin weigern den gesundheitsschädlichen Zuckergehalt vieler Nahrungsmittel und Getränke mit Nutri-Scores sichtbar zu machen und die Bundespolitiker davor zurück schrecken, diesen das Geschäft mit dem Suchtmittel Zucker zu vermiesen und lieber in bester GLP Manier von Freiwilligkeit schwafeln, ungeachtet der Milliardenkosten die Übergewicht, Diabetes und Herz- Kreislauferkrankungen pro Jahr für die Allgemeinheit verursachen, müssen halt wir Konsumenten und Bürger handeln. Absehbarer Umsatz- beziehungsweise Stimmenverlust ist das sicherste Mittel um Produzenten, - Grossverteiler und Politiker zum Umdenken in einer Sache zu bringen. Deshalb ab sofort nur noch dort einkaufen wo die Produkte mit Nutri- Scores gekennzeichnet sind und der Zuckergehalt in Gramm pro Deziliter ersichtlich ist. Dazu im Herbst nur Parteien und Politiker berücksichtigen, die klar versprechen zur Reduktion der Gesundheitskosten rasch Vorschriften für eine massive Reduktion des Zuckergehalts in Getränken und Nahrungsmitteln zu erlassen. Es liegt damit an uns, handeln wir, dann wird die Wirkung kaum ausblieben.
Hans Laubscher, Wimmis BE

Coca-Cola Zero bekommt mit Nutri-Score ein grünes B. Apfelsaft bekommt mit Nutri-Score ein gelbes C. Apfelschorle mit dem in der Schweiz gängigen Fruchtsaftanteil von 60 Prozent bekommt ein oranges D. Dabei wird für Nutri-Score damit geworben, dass Früchte und Gemüse die Bewertung eines Nahrungsmittels verbessern. Gemäss Medienmitteilungen hat Spanien, wo Nutri-Score eingeführt ist, die Bewertung von Olivenöl ausgenommen. Natives Olivenöl bekäme nämlich – wie Apfelschorle – ein oranges D. Nutri-Score ist offensichtlich in seiner Vereinfachung keine Orientierungshilfe. Es stellt sich dann auch die Frage, wie weit man Konsumenten vor den Empfehlungen der Konsumentenschützer schützen muss.
Robert Brunner, Steinmaur ZH

Im Fall Vincenz droht die Verjährung
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Wir Normalbürger erwarten einfach nur, dass im schweizerischen Strafverfahren Recht gesprochen wird, und zwar für jedermann. Dass jetzt aber im Falle Vincenz die Verteidigung eine Taktik anwendet und die Verhandlung des Falles zeitlich hinauszögert, um die Verjährung zu erreichen, ist einfach unglaublich und traurig. Geld spielt bekanntlich für Pierin Vincenz keine Rolle. Mit seinem zum Teil unrechtmässig erworbenen Vermögen kann er problemlos die Zeit in Ruhe abwarten und so einer gerechten Strafe entgehen.
Trudi Weibel, Gossau SG

Schämt euch!
SonntagsZeitung vom 09. Juni 2019

Ich erlaube mir, Ihnen zu widersprechen. Verantwortungsvoll leben, also sowohl Mensch, Tier als auch Umwelt respektierend, ist nicht kompliziert. Ich möchte nicht in die Geschichte eingehen, wie Sie schreiben. Was ich möchte, ist, dass in die Geschichte eingeht, dass der mündige, erwachsene Mensch im 21. Jahrhundert erkannt hat, dass selbstgefälliges, speziesistisches Verhalten eher früher als später alle Lebewesen auf diesem Planeten zerstören wird. Das schulden wir unseren Kindern. Diese wöchentlich erscheinenden Artikel, Kolumnen und Essays, mal besser, mal schlechter geschrieben, in denen die oder der Schreiberling die gleichen Plattitüden über Gutmenschen, Veganer und so weiter verbreitet, hängen mir ehrlich gesagt zum Hals raus.
Marie-Françoise Eigner, Zürich

So ist es. Wir sind es. Wir, die Gutbetuchten, die Sorglosen, die Fleischesser und Vielflieger, die Nespressotrinker und Kreuzfahrer. Wir sind schuld an Klimaveränderung, Mikroplastik, Antibiotikaresistenz, Korruption, Armut und allem Schlechten auf der Welt. Wir wissen es. Und richtig, wir sollten uns dafür schämen. Doch das Gute am Schlechten ist: Gerade weil wir es wissen, können wir es auch ändern. Das heisst aber, wir müssen lernen, wieder bescheidener zu werden, lernen, zu verzichten. Wir müssen unsere Ängste überwinden, unsere eigenen Gewohnheiten hinterfragen, immer und immer wieder. Klingt schwer. Ist es auch. Doch das können wir, denn einige tun es bereits vorbildlich – wie Sie eigentlich richtig erkannt haben, leider aber die falschen Schlüsse ziehen.
Marco Käser, St. Gallen

Ich habe selten einen Bericht gelesen, der die heutige überempfindliche gesellschaftliche Situation aus meiner Sicht so punktgenau trifft. In unserer Gesellschaft ist offensichtlich ein beträchtlicher Teil unserer Bevölkerung in der Maslowschen Bedürfnispyramide bei der Selbstverwirklichung angekommen. Anders ist es für mich nicht erklärbar, dass wir sogar Problemstellungen haben, die auf diesem Level anzusiedeln sind. Ob die junge Generation wirklich schon auf dem aktuellen Betriebssystem läuft, wird dann erst noch bewiesen werden müssen. Nämlich dann, wenn sie in etwa 15 Jahren in die wichtigen wirtschaftlichen Positionen rutschen, über finanzielle Möglichkeiten verfügen und sich ihre Wünsche erfüllen können. Dann wird sich zeigen, ob Konsumverzicht immer noch eine Priorität für diese Generation ist.
Kurt Inderbitzin, Wald ZH

Ich sag es mal provokativ: Alle diese Dinge, für welche wir uns heute schämen müssen, fielen nicht so ins Gewicht, wenn die Menschheit nicht so rasant wachsen würde. Die Wissenschaft und die Medizin aber greifen in Gebiete ein, die gegen die Naturgesetze sind, und sehen dabei die Grenzen nicht mehr. Der Embryo wird lebensfähig gemacht und alles versucht, damit weitere Kinder geboren werden können, und am anderen Ende wird das Leben verlängert. Dass ich selber Ärztin bin, macht die Sache nicht einfacher. Dem Zauberlehrling ist der Stab entglitten. Und so werden wir wohl weiterhin mit dieser Scham leben – und sterben – müssen.
Ljiljana von Ziegler, Beinwil am See AG

Ich gebe mir alle Mühe, ein ethisches Leben zu führen, und ich sehe, dass das ohne übermenschliche Disziplin nicht machbar ist – eigentlich selbst dann nicht. Und zwar, weil wir in einem destruktiven System leben, in dem sich alles um Profit, Konsum und Konkurrenz dreht. Die Scham lenkt ab, darüber zu sprechen, worum es wirklich geht: Dass wir eine auf Nachhaltigkeit und echte Bedürfnisse ausgerichtete Wirtschaft, Politik, Gesellschaft brauchen. Dann ist es nämlich leicht, so zu leben, dass es gut fürs Klima, die Tiere und die Menschen ist – es gibt gar nichts anderes im Angebot. Solange die Scham uns klein und von anderen getrennt hält, wird sich gar nichts ändern.
Lisa Bircher, Basel

Der Autor schreibt, dass es kompliziert geworden sei, gut zu leben, weil man nicht mehr ohne Weiteres seinem hedonistischen Lebensstil konsequenzfrei frönen darf. Die Frage ist aber die: Worin besteht denn ein «gutes Leben»? Muss man dazu fünf Mal pro Jahr in der Welt herumjetten, jeden Tag Fleisch essen und mit dem SUV in der Stadt herumgurken? Oder ist ein gutes Leben vielleicht gar nicht so fest von materiellem Wohlstand, sondern viel eher von immateriellen Gütern wie Grundrechten, politischer Mitbestimmung, Zeitwohlstand und einem guten sozialen Umfeld abhängig? Jahrhundertelange philosophische Erkenntnis seit der Antike und moderne Glücksforschung bestätigen diese These. Vielleicht hilft die von der Gesellschaft erzeugte Scham, dass der Autor und Gleichgesinnte ihre privilegierte Lebensweise ab und zu reflektieren: Was wäre, wenn die ganze Welt heute und morgen das Konsumniveau von uns Westlern hätte? Irgendwie sollte es doch jedem einleuchten, dass diese Rechnung einfach nicht aufgeht.
Rafael Widmer, Olten SO

Esoterik-Shootingstar zu 5G: «Da wird man gegrillt»
SonntagsZeitung vom 02. Juni 2019

Stellen Sie sich mal vor, sie erhalten zig Millionen Franken jährlich für Werbeinserate von Swisscom, Sunrise und Salt. Würden Sie gegen eine neue Technologie schreiben, wenn Sie durch die Telekom-Firmen quasi ihr Gehalt beziehen? Natürlich nicht. Und so dürfen wir als Leser alle Wochen geschönte 5G Werbetexte lesen, die unter redaktionellem Inhalt laufen. Andersdenkende werden ins Lager der Esoteriker oder Verschwörungsgegner verbannt und lächerlich gemacht. Vor allem die Tamedia proklamiert von sich, dass sie «unabhängigen» Journalismus pflege und gutheisse. Seitdem jedoch die Industrie, die Politik und zahlreiche Journalisten beschlossen haben, dass die 5G Technologie «völlig ungefährlich» ist, werden alle andersdenkenden zu weltfremden Personen geschrieben. Ehrlich wäre wenigstens, dass diese pro 5G Haltung als «paid post» beziehungsweise bezahlte Werbung als Überschrift gekennzeichnet wäre. So liest man dann Sätze wie, dass bei den vorgängigen Technologien in 20 Jahren kein Verdacht auf erhöhte Krebserkrankung festgestellt werden konnte bei zahlreichen Studien. Wer aber bezahlte diese Studien? Wer waren die Auftraggeber und welche Interessen werden in den Vordergrund geschoben? Eigentlich wäre es an der Zeit, dass eine «unabhängige Studie» vom Bund gemacht wird über 5G. Danach kann man 5G flächendeckend freischalten, falls die Technologie wirklich harmlos ist. Leider nimmt der Bund lieber vorab das grosse Geld ein und bedeckt sich wie die drei bekannten Affen und hofft, dass sich alle Widerstände von selbst regulieren.
Peter Spring, Zürich

So netzwerken Frauen richtig
Sonntagszeitung vom 02. Juni 2019

Die Suche nach Gründen für die Mindervertretung von Frauen auf Kaderstellen und Verwaltungsräten wird langsam abartig. Gleich zwei Artikel, mit demselben Inhalt werden in der SonntagsZeitung von derselben Autorin, etwas unterschiedlich aufbereitet, publiziert, einmal unter Standpunkte, einmal im Wirtschaftsteil. Tschuldigung, aber mit dem «Chabis» kann ich nichts anfangen. Seit 40 Jahren bin ich auf diversen Stufen erwerbstätig und stelle fest, dass extravertierte Menschen dazu neigen, an Steh-Apéros teilzunehmen, introvertierte nicht, und die andern manchmal. Frauen erlebe ich eigentlich mindestens so extravertiert wie Männer, entsprechend zeigt sich auch deren Präsenz an «social events». Begründet werden die Aussagen bezüglich Networking unter anderem durch irgendwelche Statements von Professorinnen oder nicht nachvollziehbaren Behauptungen wie, dass gegen 80 Prozent der Jobs nicht ausgeschrieben werden. Es gibt genauso Männer wie Frauen, welche versuchen, mit vermeintlich einflussreichen KollegInnen einen Kaffee- oder WasWeissIch-Termin zu finden. Nur, wenn übertrieben wird, spricht sich das rasch herum und wird rasch kontraproduktiv. Zu viel des Guten sind dann zwei weitere Artikel mit Frau in der Opferrolle: Mit «Sie kennen sicher meine Frau» (guter Artikel) und «Bei den Frauen haben wir Nachholbedarf» (zu wenig weibliche Strassennamen…) setzt die SonntagsZeitung noch einen drauf.
Ruedi Brem, Winterthur ZH

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