«Es gibt noch viel zu tun, um ‹die Welt zu retten›»

Die Reaktionen der Leser.

«Erfreulich, dass es vielen Menschen, insbesondere in der Dritten Welt, und Teilen der Tierwelt heute besser geht»: Die Meinung eines Lesers. Bild: Getty Images

«Erfreulich, dass es vielen Menschen, insbesondere in der Dritten Welt, und Teilen der Tierwelt heute besser geht»: Die Meinung eines Lesers. Bild: Getty Images

Message für Pessimisten
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Ja, das wird wohl stimmen: Trotz Schreckensmeldungen machen die Menschen im Grossen und im Kleinen auch eindrückliche Fortschritte, die es zu würdigen gilt. Trotzdem müssen die Anstrengungen weitergehen, denn das momentan prioritäre Problem des Klimawandels könnte all dies sehr rasch zunichtemachen. Da braucht es erstens die Umsetzung von vorhandenen und neuen Ideen. Und zweitens werden wir Menschen in den Industrieländern gefordert sein, wenn es gilt, lieb gewordene Gewohnheiten zu ändern.
Markus Bösch, Romanshorn TG

Ich bin auch sehr erfreut über gewisse erzielte Fortschritte auf unserem Planeten. Die Gefahr für den Homo sapiens lauert aber meistens nicht in den Positivmeldungen, sondern in den Fakten, die einer Verbesserung bedürfen. Das Klima ist eine wesentliche Lebensgrundlage des Menschen. Wenn geschrieben wird, dass die CO2-Emissionen pro Kopf auf den Stand der 1960er-Jahre gefallen seien, ist das den Menschen Sand in die Augen gestreut. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre betrug im Jahr 1960 knapp 320 ppm. Bis ins Jahr 2017 stieg sie auf über 400 ppm an – so viel wie noch nie in den letzten 800'000 Jahren. Weil das Klima vorwiegend ein physikalischer Prozess ist, ist es der Physik aber egal, ob der Anteil pro Kopf sinkt, ihr kommt es auf die Gesamtmenge an – und die steigt an. In der Schweiz betrug 2016 der Treibhausgasausstoss gemäss Bundesamt für Umwelt 5,8 Tonnen, davon 4,7 Tonnen CO2. Werden bei Importgütern die im Ausland verursachten Emissionen mitberechnet, sind es gar 14 Tonnen CO2-Äquivalenz. Die planetarische Belastungsgrenze beträgt am Ende des Jahrhunderts höchstens 0,6 Tonnen. Wir sind also noch meilenweit von einem Planeten entfernt, der dem Homo sapiens eine längerfristige Überlebenschance einräumt.
Kurt Steiner, Bern

«Wo Licht ist, ist auch Schatten.» Erfreulich, dass es vielen Menschen, insbesondere in der Dritten Welt, und Teilen der Tierwelt heute besser geht. Auf der Schattenseite finden sich ein massiver Rückgang an Insekten, ein Verschleiss an landwirtschaftlichem und für die Natur wertvollem Boden, immer mehr Superreiche zulasten der mittelständischen und ärmeren Bevölkerung oder die Klimaerwärmung. Es gibt wahrhaftig noch sehr viel zu tun, um «die Welt zu retten». Realisten machen zu Recht auf solche Missstände aufmerksam.
Heinrich Schneebeli, Affoltern am Albis ZH

Die angeblich positiven Nachrichten sind mit Vorsicht zu geniessen. Da wäre zum Beispiel die Aussage, dass die CO2-Belastung pro Kopf in der Schweiz auf das Niveau von 1960 gesunken sei. Klingt toll, ist es aber nicht. Es ist ein Musterbeispiel, wie man mithilfe der passenden statistischen Methode Resultate schönen kann. Aus diesem Durchschnittswert wird überhaupt nicht ersichtlich, dass die Schweizer Bevölkerung sich seitdem quasi verdoppelt hat und damit die CO2-Belastung sogar um ein Mehrfaches gestiegen ist. Solche Angaben sind gefährlich und geben dem Leser das falsche Gefühl, es sei alles auf guten Wegen. Es ist klüger, wenn Herr und Frau Schweizer weniger Auto fahren und weniger fliegen würden, als einer solchen Verzerrung und Versimpelung der Wahrheit Glauben zu schenken.
Thomas Beck, Bern

Die CVP will nicht länger staatstragend sein
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Die CVP will anscheinend nicht mehr staatstragend sein, weil ihre neu gewählte Bundesrätin, Frau Amherd, das VBS übernehmen muss, und scheint unbegreiflicherweise zutiefst beleidigt zu sein: eine fragwürdige Haltung. Diese Partei mit ihrer angeblich christlichen Prägung muss sich nun neu orientieren, um auch weiterhin in der Öffentlichkeit glaubhaft zu sein. Das C im Namen konnte ja leider nicht verhindern, dass mehrheitlich der erleichterten Waffenausfuhr aus wirtschaftsegoistischen Gründen zugestimmt wurde. Die CVP täte gut daran, sich bei militärischen Fragen klar zu positionieren. Vordringlich ist zurzeit nicht die Kampffliegerbeschaffung, sondern die Sanierung des sehr gefährlichen Munitionsdepots im Berg bei Blausee-Mitholz. Die dortige Bevölkerung hat ein Anrecht, dass dieser unbefriedigende Zustand ohne Wenn und Aber rasch möglichst beseitigt wird. Frau Amherd ist da gefordert, um nach Lösungen zu suchen.
Egon Sommer Winterthur ZH

Politohr
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Charbei Raji hat aus Versehen die Wahrheit gesprochen: Der UNO- Migrationspakt ist bindend. Jedem halbwegs mit gesundem Menschenverstand gesegneten Bürger sollte es klar sein, dass ein Pakt, der nicht verbindlich ist, völlig absurd und nutzlos wäre. Es wird «Soft Law» suggeriert, um kritische Stimmen abzuschwächen. Wer den Inhalt des Pakts liest, dem sollte schnell klar werden, dass es sich um eine angeordnete, inszenierte Völkerwanderungsplanung handelt. Ich frage mich, ob irgendein Politiker diesen Pakt überhaupt durchgelesen hat und sich dessen verheerender Folgen bewusst ist.
Susanna Eberle, Wald ZH

Schweigen, wenn etwas ist
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Mit Interesse habe ich den Artikel über Roger Köppel gelesen. Er, der wortreiche Saubermacher der Schweiz mit seinen grossmäuligen Auftritten im Nationalrat und in den Medien, hat doch nicht die Stärke, sich zu diesen gravierenden Fehlern zu äussern.
Hans-Ulrich Wanzenried, Zürich

Was sich Herr Relotius geleistet hat, ist unter aller Sau und was sich nun diverse Medien und Journalisten in diesem Zusammenhang leisten, ist nicht viel besser. Vielleicht brauchen wir eine fünfte Gewalt? Umgekehrt wäre es begrüssenswert, wenn Wahrheiten und Expertenmeinungen vermehrt kopiert und verbreitet würden. Aufklärung sagt man dem. Allerdings gilt auch in solchen Fällen: Ehre, wem Ehre gebührt. So hat die «SonntagsZeitung» in einem Faktencheck dargestellt, dass gemäss dem Experten Bent Flyvbjerg beim Brexit sämtliche Regeln angemessener Projektführung missachtet wurden. Ein erhellender und bemerkenswerter Beitrag. Fair und sauber wäre es aber gewesen, wenn der Autor auch erwähnt hätte, dass es der renommierte Journalist und Autor Tim Harford war, der das kluge Experteninterview mit Flyvbjerg geführt hat. Bei Tim Harford («The Undercover Economist») kann man übrigens noch eine ganze Menge ökonomischer Intelligenz abholen.
Ernst Menet, Lyss BE

Im Land der Ausgebeuteten
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Der Autor berichtet in seinem Beitrag Folgendes: «Die Wahlkommission verschob den Urnengang wegen technischer Probleme.» Das ist eine sanfte Untertreibung, denn in der «Monde Diplomatique» wird berichtet, dass Anhänger des «Noch-Präsidenten» Kabila die Wahlen vom 23.12. verunmöglicht haben, indem sie 7000 elektronische Wahlmaschinen verbrannten. Das zu den «technischen Problemen». Wer hat nun richtig recherchiert?
Ueli Heubi, Bern

Von Träumen und dem Glauben
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Tamara Funiciello hat recht, wenn sie schreibt, wie wichtig Träume und Visionen von einer besseren, einer anderen Gesellschaft sind. Eine andere Gesellschaft ist aber vor allem auch nötig für eine überlebensfähige Menschheit. Und dafür braucht es auch Visionen von Wegen, die zu besagtem Ziel führen. Es geht darum, für alle Menschen Perspektiven zu schaffen, die mit besagtem Ziel vereinbar sind. Die Gräben bezüglich Demografie und Ökologie müssen geschlossen werden. Es muss weltweit Perspektiven geben für die Kleinfamilie mit zwei Kindern (im Mittel) und gutem Auskommen, ohne dass unnötiger Konsum für ständiges Wirtschaftswachstum gefordert ist.
Gernot Gwehenberger, Dornach SO

Träumen Sie weiter, Frau Funiciello! Was Sie in Ihrer Kolumne erwähnen, diesmal zur Abwechslung in Träume verpackt, ist der ewige und vor allem der ewiggestrige gleiche Mainstream der Linken. Einer der Klassiker ist «Die Überwindung des Kapitalismus». Frau Funiciello, Sie sind eine von zig Ihrer roten Genossinnen und Genossen, die das Gefühl haben, diese Idee umsetzen zu können. Und wissen Sie, warum es nicht klappt? Weil das eben eine Träumerei ist.
Werner Stork, Pratteln BL

Die Klima-Heuchler
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

«Ein Fleischgericht verursacht im Schnitt viermal mehr CO2 als ein vegetarisches.» Meinetwegen. Unsere Kühe fressen aber Gras, kein Erdöl. Und Biomasse ist klimaneutral und zählt als erneuerbare Energie. Das Gras produziert nur gerade so viel CO2, wie es zuvor der Luft entzogen hat.
Emil Roduner, Zürich

Im Bericht steht zu lesen: «Am 12 Tage dauernden Weltklimagipfel im polnischen Katowice verzehrten die 19'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fleisch, bei dessen Produktion 4000 Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Da drängt sich die Frage auf, was 19'000 Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte – das sind bei geschätzten 190 Nationen 100 Personen pro Land – dort zu suchen hatten. Schaut man sich das dürftige Ergebnis an, dann hätten 10 pro Nation auch gereicht. Die wahrscheinlichste Antwort: Wenn es irgendwo auf der Welt zusätzlich zu Gehalt, Spesen und Sightseeing, finanziert aus diversen Staatskassen, fast zwei Wochen lang gratis zu essen und zu trinken gibt, dann muss man da hin. Klima und Umwelt hin oder her. Wie recht hatte doch Bert Brecht mit seinem Text in der Ballade «Wovon lebt der Mensch» aus der «Dreigroschenoper»: «Erst kommt das Fressen, dann die Moral.»
Urs B. Maeglin, Binningen BL

Weihnachten wird zum gewöhnlichen Arbeitstag
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Vielleicht wird in absehbarer Zeit im Sonn- und Feiertagsverkauf bald künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Es fragt sich aber, ob dann die Feiertage heiliger werden und der Mensch zufriedener.
Beatrice Landert, Zollikerberg ZH

Jeder vierte Migros-Kunde zahlt am Self-Check-out
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Traurig, wie dieser Self-Check-out gerühmt und forciert wird. Migros-Paradies in Allschwil: 4 bis 5 Kassen, aber 10 solcher unpersönlicher Apparate. Jetzt fehlt nur noch der nächste Schritt: Die Kunden müssen die Regale selber auffüllen.
Norbert Hochstrasser, Allschwil BL

Trumps Trotz legt die Regierung lahm
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Lieber Herr Martin Suter, was Mister Trump in Amerika auf sich nimmt, Entscheidungen und seine Stärke zeigt, wird von uns viel Zuwenig beachtet. Ich sehe das für unsere Schweiz toll. Finden Sie in Europa eine solche Person?
Peter Schnetzler, Volketswil ZH

Die andere Sicht von Peter Schneider
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Die künftige Bundesrätin Viola Amherd wird in diesem Cartoon verbal für dumm verkauft, was ich nicht sehr charmant finde, zumal ich die Kolumne von Peter Schneider grundsätzlich sehr mag.
Hanspeter Schmutz, Basel

Groschenprosa für Gutmenschen
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Viel schlimmer als die frei erfundenen Berichte des Starschreibers Claas Relotius des Spiegels, sind Berichte die Regierungsstellen hüben wie drüben veröffentlichen, die nicht stimmen. Ich denke da an den Tonkin Zwischenfall, an die Brutkastenlüge und an die angeblichen Massenvernichtungsmittel des Iraks. 1964: Der Tonkin-Zwischenfall war ein von den USA selbst inszenierter Angriff auf ein eigenes Kriegsschiff, um einen Angriff auf Nordkorea zu rechtfertigen. Daniel Ellsberg deckte diesen Fall später auf. Er riskierte dabei sein Leben. Die Verantwortlichen für diesen Angriff unter falscher Flagge, unter anderem US-Präsident Lindon B. Johnson wurde nie zur Rechenschaft gezogen. 1990, nach der Invasion Kuweits durch den Irak, wurde von einer US-Werbeagentur die «Brutkastenlüge» fabriziert, im Auftrag der «Dienste», um die öffentliche Meinung in den USA auf den geplanten Angriff auf den Irak einzustimmen. Irakische Soldaten sollten damals in einem Spital in Kuweit, Säuglinge aus Brutkästen herausgerissen und getötet haben, was jedoch eine erfundene Geschichte war.

Nachrichtenagenturen und Journalisten übernehmen wohl oder übel Verlautbarungen von Regierungsstellen. Sie haben meist nicht die Möglichkeit diese Informationen zu überprüfen. Im Fall des Tonkin Zwischenfalls deckte dann ein Insider, Ellsberg, die Lügen der US-Regierung auf. Im Fall der Massenvernichtungsmittel des Iraks, die 2003 zur Rechtfertigung des Irakkrieges benutzt wurde, kam die Wahrheit erst ans Tageslicht, als im Irak schon tausende Menschen ums Leben gekommen waren und die Infrastruktur des Landes schon durch die Bombardierungen weitgehend zerstört war.
Heinrich Frei, Zürich

Ausverkauf der Heimat
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Wo er Recht hat, hat er Recht der Herr Somm. Das aktuelle Besitzerbild Schweizer Grossfirmen und nicht nur bei Grossfirmen ist immer mehr international. Viele Firmen werden heute zu weit über 50 Prozent von «anonymen Namenlosen ausländischen Finanzhaien» gesteuert. Es ist dies ein Armutszeugnis für Schweizer Investoren und auch, leider, der regierenden «Elite» der Schweiz. Diese Tatsache muss mehr und breitflächiger bekannt gemacht werden. Ebenso die Namen der Parlamentarier, die in solchen Firmen im Verwaltungsrat sitzen und nichts unternehmen, dass da etwas mehr «Swissness» hineinkommt.
Felix Nicolie, Aigle VD

Frauen haben am höchsten Gericht eine tiefe Quote
SonntagsZeitung vom 23. Dezember 2018

Das Thema der Frauenvertretung in wichtigen Ämtern und Funktionen wurde im 2018 viel beachtet und hat zu schreiben und zu reden gegeben. Nicht zuletzt auch durch die erfreuliche Ersatzwahl im Bundesrat. Das ist gut. Wichtig ist, dass Verantwortliche daran denken, Frauen zu suchen, wenn es um die Wahl, Ernennung oder Rekrutierung für Aufgaben und Funktionen geht. Es ist erwiesen, dass Gremien, in welchen beide Geschlechter ausgewogen vertreten sind (also auch die Männer), bessere Resultate erzielen. Deshalb engagiere ich mich in der Gruppe frauen-luzern-politik.ch. Dabei geht es nicht nur, bei den Männern das Suchen und Fionden nach Frauen zu erhöhen, sondern auch die Frauen zu stärken und zu motivieren, sich aktiv für Ämter und Funktionen zu bewerben. Nun flatterte kürzlich die Einladung zum Mobilitätskongress 2019 ins Haus. Die hat mich wirklich sehr erfreut: Zum Thema «Zwischen Schlagzeilen und Facts» sind vier von fünf Referenten – Referentinnen Frauen und zusätzlich eine Moderatorin. Es geht - und wird wieder ein spannender Anlass. Da muss ich Regierungsrat Robert Küng und seinen Mitarbeitern ein Kränzchen winden, Bravo!
Rosy Schmid, Kantonsrätin FDP, Hildisrieden LU

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