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Nestlé will Lohn der Chefs an Ökoziele koppeln

Kunden und Investoren setzen Unternehmen immer stärker unter Druck.

Gibt alle paar Monate neue Umweltziele vor: Mark Schneider. Foto: Keystone
Gibt alle paar Monate neue Umweltziele vor: Mark Schneider. Foto: Keystone

Die Vorwürfe waren ernst: Greenpeace hat in Nestlé-Produkten im Jahr 2002 wiederholt Gentech-Verunreinigungen festgestellt. Von einem Journalisten darauf angesprochen, antwortete ein damaliger Nestlé-Sprecher: «Na und?» Heute würde der Verantwortliche für diese Aussage wohl gefeuert. Mark Schneider, Chef des weltgrössten Nahrungsmittelherstellers, hat Umweltthemen ganz oben auf der Agenda.

«Business als eine Kraft des Guten», stand diese Woche auf einer Folie der Präsentation zu den Jahreszahlen von Schneider. Alle paar Monate gibt das Unternehmen neue Nachhaltigkeitsziele bekannt. Die klingen wie ein Forderungskatalog von Umweltschutzorganisationen: CO2-neutral bis im Jahr 2050, eine Investition von zwei Milliarden Franken in nachhaltige Verpackungen, keine Abholzung von Regenwäldern für Nestlé-Produkte.

Schöne Worte und ein bunter Nachhaltigkeitsbericht reichen längst nicht mehr aus für ein grünes Image. Harte Messwerte sind gefragt. Wenn der Nestlé-Chef nicht nur auf finanzielle Kennzahlen schaut, sondern messbare ökologische Ziele nennt, handelt er auch im eigenen Interesse. Denn schon bald sollen Umweltthemen seinen Lohn und die Entschädigung des ganzen Top-Managements beeinflussen. David Frick, Leiter Governance und Compliance bei Nestlé, ist derzeit mit dem Thema beschäftigt. «Wir arbeiten für den Verwaltungsrat einen Vorschlag aus, um in absehbarer Zeit messbare ökologische Ziele als Kriterium für die Entschädigung der Geschäftsleitung einzuführen.»

Klimaschutz alsgeschäftliches Kalkül

Noch ist nicht klar, an welchen harten Umwelt-Kennzahlen die Geschäftsleitung gemessen werden soll. Schneider hat versprochen, klare Ziele auf dem Weg zur CO2-Neutralität bekannt zu geben. Diese Meilensteine wären ein möglicher Massstab. Voraussichtlich wird die neue Lohnkomponente für das Geschäftsjahr 2021 eingeführt, wie aus dem Hause Nestlé verlautet. Darüber entscheiden wird der Verwaltungsrat.

Hinter den Bemühungen steckt geschäftliches Kalkül. Firmen, die sich zu wenig um Umwelt- und soziale Themen kümmern, haben gleich mehrere Probleme. Skandale, wie sie Nestlé mit einer aggressiven Vermarktung von Babynahrung in Entwicklungsländern einst verursachte, sind heute fatal. «Konsumenten meiden Produkte von Unternehmen, die nicht als nachhaltig wahrgenommen werden», sagt Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux.

Doch Druck kommt auch von anderer Seite: Finanzkräftige Anleger schauen genauer hin. «Investoren achten je länger, je mehr darauf, wie Firmen in Nachhaltigkeitsranglisten abschneiden. Das beeinflusst ihre Anlageentscheide immer stärker», sagt Patrick Rafaisz, Analyst bei der UBS. Das Thema habe in Investorenkreisen im vergangenen Jahr noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Neue Zielvorgaben bei der Vergütung der Geschäftsleitung sind die logische Folge. «Erste Firmen führen Nachhaltigkeitsziele als Kriterium für die Entlöhnung ihres Managements ein. Wir erwarten, dass dies in den nächsten Jahren immer mehr zum Standard wird», sagt Rafaisz. Denn wenn Investoren Unternehmen aus ökologischen Überlegungen meiden, droht der Aktienkurs zu sinken.

Schlechte Werte bei der Nachhaltigkeit sind ein Risiko

Bei Nestlé ist seit dem Antritt von Mark Schneider das Gegenteil passiert. Die Aktien stiegen seit Anfang 2017 um gegen 50 Prozent und damit deutlich stärker als die Papiere der Konkurrenten Unilever und Danone.

Das hat auch mit Nestlés Fortschritten beim Wachstum und den Gewinnmargen zu tun. Doch Firmenleiter müssten bei Treffen mit wichtigen Investoren heute neben überzeugenden Finanzzahlen auch aufzeigen können, was sie zum Klimaschutz unternähmen, sagt Alexander Roos, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. «Der Aktienkurs wird in Zukunft deutlich stärker davon abhängen, wie gut ein Unternehmen bei Umwelt- und sozialen Themen abschneidet.» Für einen Portfolio-Manager sei eine Firma, die in Sachen Nachhaltigkeit schlecht abschneide, ein Risikofaktor.

Derzeit sehen Investoren bei den Unternehmen noch viel Potenzial für Verbesserungen, wie eine diese Woche veröffentlichte Umfrage von Boston Consulting Group ergab. Die Berater befragten Portfolio-Manager, die ein Vermögen von 300 Milliarden Dollar verantworten. Über 60 Prozent der Firmen sollten ihre Anstrengungen punkto Nachhaltigkeit erhöhen, lautet die Meinung der Investoren.

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