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«Oliven kauft man besser im Plastikbeutel»

Laut Ökobilanzexperte Roland Hischier von der Materialprüfungs- und Forschungsanstalt hat Plastik viele gute Eigenschaften.

«Wie etwas ­eingepackt ist, spielt beim ­ökologischen ­Fussabdruck nur eine Nebenrolle»: Roland Hischier. Foto: PD
«Wie etwas ­eingepackt ist, spielt beim ­ökologischen ­Fussabdruck nur eine Nebenrolle»: Roland Hischier. Foto: PD

Konsumenten fordern vom Detailhandel, auf Plastik zu verzichten. Wie sinnvoll ist das?

Plastik hat ein miserables Image. Gleichzeitig hat das Material sehr positive Eigenschaften. Es ist leicht, schützt Lebensmittel und verlängert damit deren Lebensdauer. All das wird von vielen Konsumenten ausgeblendet.

Warum hat Plastik ein Imageproblem?

Wenn Plastikmüll im Meer landet, ist das natürlich schlecht. Bilder von zugemüllten Stränden sind abschreckend. Doch in einem funktionierenden Entsorgungssystem wie in der Schweiz wird das aus Erdöl bestehende Material rezykliert oder verbrannt. Die Umweltbelastung von Letzterem ist mit einer Ölheizung vergleichbar; ich hatte einfach noch einen Zusatznutzen davor.

Braucht es den Plastik ums Gemüse?

Das kommt aufs Gemüse an. Eine Salatgurke hält in Plastik eingewickelt einfach länger. Detailhändler, die darauf verzichten, beruhigen vielleicht ihre Kunden, müssen aber mehr Lebensmittel wegwerfen. Mit Blick auf die Ökobilanz ist dies viel schlimmer. Wir sollten viel mehr darauf achten, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Wie etwas eingepackt ist, spielt beim ökologischen Fussabdruck nur eine Nebenrolle.

Das Thema Verpackung wird überbewertet?

Wer etwas weniger Fleisch isst und generell nur so viel kauft, wie er auch konsumiert, tut bestimmt mehr für die Umwelt, als wenn er auf Plastik verzichtet. Der Inhalt ist viel relevanter als die Verpackung.

Sehen Sie Bereiche, in denen Händler und Hersteller auf Plastik verzichten sollten?

Ein erster Schritt ist, wenn die Hersteller die Verpackungen bei gleichem Schutz verkleinern können. Doch die Hülle ist auch ein Marketing-Instrument. Wenn Guetsli in einer Kartonschachtel mit Kunststoffschale stecken, sieht das nach mehr aus, als wenn sie nur in einem Plastikbeutel verpackt sind. Der Umwelt käme die zweite Variante zugute.

Ist Papier oder Glas die bessere Alternative zu Plastik?

Kann man so nicht sagen. Papier und Kunststoff haben bei gleichem Gewicht eine ähnliche Ökobilanz; hier kommt es somit auf das Gewicht an. Einwegglas schneidet deutlich schlechter ab als Plastik, da der Energieverbrauch beim Wiedereinschmelzen sehr hoch ist. Mehrwegglas, das gewaschen und wiederverwendet wird, ist ökologisch sinnvoll.

Wo ist Plastik sonst noch im Vorteil?

Oliven kauft man besser im Plastikbeutel als im Glas oder der Büchse. Teigwaren in einer Kartonverpackung sind gegenüber einer leichteren Plastikhülle im Nachteil. Und der Papiersack schneidet deutlich schlechter ab als die Variante aus Plastik, da meist deutlich schwerer. Auch eine Jeans vom Onlinehändler ist umweltschonender verschickt in einer Kunststoffhülle als in der Kartonschachtel.

Was halten Sie von Mehrweg-Lösungen?

Mehrwegverpackungen und konsequent genutzte wiederverwendbare Beutel machen Sinn. Es braucht dazu aber Disziplin der Konsumenten und auch mehr Informationen und Marketing für solche Systeme vonseiten der ­Detailhändler.

Interview: Erich Bürgler

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Bei Fluggesellschaften lohnt sich die Reduktion von Kunststoffen nicht immer

An Bord ist jedes Gramm mehr ein Problem – und leichter als mit Zellophan geht es kaum.

Zürich Die Luftfahrtbranche befindet sich wegen ihrer Auswirkungen aufs Klima am Pranger. Kein Wunder, versuchen Airlines daher, auf allen Ebenen zumindest klimafreundlicher zu werden. Immer mehr Fluggesellschaften geben deshalb nun auch bekannt, Plastik von Bord zu verbannen. So auch Swiss. «Beim Plastik folgen mehrere Massnahmen», so Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour. Seit Anfang Jahr führt Swiss sie nach und nach ein.

Ein Beispiel sei, das Zellophan, mit dem Decken eingeschweisst sind, durch Papier zu ersetzen. Auch auf dem Tablett lasse sich einiges machen. So sollen etwa die Plastikrührstäbchen durch solche aus Bambus ersetzt werden. «Nicht immer ist aber zum Beispiel Geschirr aus Glas und Porzellan die nachhaltigere Alternative», so Goudarzi Pour. Der Grund: Der grösste Feind der Airlines ist das Gewicht, denn mehr Gewicht bedeutet einen höheren Kerosinverbrauch. Und Plastik hat nun einmal den Vorteil, dass es eines der leichtesten verfügbaren Materialien ist.

Besteck und Geschirr müssen gewaschen werden

Zudem müssen Besteck und Geschirr nach der Benutzung gewaschen werden. «Man muss grundsätzlich immer den gesamten Fussabdruck betrachten», so der Swiss-Manager. Teilweise könne wieder benutzbares oder recycelbares Plastik eine bessere Lösung sein.

Auch bei der niederländischen Fluglinie KLM hat man sich mit dem Thema Plastik an Bord differenziert auseinandergesetzt. Die Airline gab sogar eine Studie in Auftrag, welche die Gesamtwirkung von allen möglichen Massnahmen berechnete. Dabei kamen auch einige überraschende Ergebnisse heraus. So wird etwa weiterhin über dem Essen zum Schutz Kunststoff­folie gespannt sein. Der Grund: Es gibt einfach kein leichteres Material, das dieselbe Wirkung erzielt.

Dass Airlines Plastik dennoch verbannen möchten, hat auch Imagegründe. «Bei den Kunden ist derzeit kaum etwas so verhasst wie Plastik. Sich davon zu verabschieden, ist eine gute Möglichkeit, das schlechte Umwelt-Image zu verbessern», so ein Kader einer grossen europäischen Airline hinter vor­gehaltener Hand.

Laura Frommberg

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