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Zeit für ein paar Fakten

1. Ortszeit

Von der Erde aus betrachtet, wandert die Sonne von Osten nach Westen. Würden wir die Zeit noch mit der Sonnenuhr messen, wäre es 12 Uhr mittags, wenn die Sonne im Zenit steht - allerdings tut sie das in der Schweiz alle 19 Kilometer um eine Minute verschoben. Dennoch haben so unsere Vorfahren bis ins 19. Jahrhundert die Zeit bestimmt. Für sie war es normal, dass beispielsweise im Val Müstair die Kirchturmuhren 18 Minuten früher die Mittagsstunde schlugen als im Kanton Genf. Dieses Zeitenwirrwarr wurde durch technische Neuerungen wie die Entwicklung der Telegrafie und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes unpraktisch. Deshalb wurde im Jahr 1894 die Zeitmessung in der Schweiz vereinheitlicht.

2. Sommerzeit

Wer die Sommerzeit erfunden hat, ist etwas umstritten. Als Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA, 1784 vorschlug, die Uhren im Sommer vorzustellen, um Kerzen und Öl zu sparen, geschah das in einem satirischen Essay. Ernst gemacht haben dann die Deutschen 1916 mit dem an die Uhrzeit gekoppelten Sparprojekt. Sie führten 1916, während des ersten Weltkriegs, die Sommerzeit ein. Die Kriegsgegner Frankreich und Grossbritannien taten es ihnen gleich.

3. Sommerzeit in der Schweiz

Auch die Schweiz setzte die Zeitumstellung als Sparmassnahme um - allerdings erst während des zweiten Weltkriegs, 1941 und 1942 sollten so die Kohlevorräte geschont werden. Da die Massnahme nichts brachte, wurde sie 1943 wieder abgeschafft. Dass hierzulande das Volk keine Zeitumstellung möchte, wurde in einer Volksabstimmung 1978 deutlich. Dennoch passte sich die Schweiz 1981 an die Nachbarländer an, die ein Jahr zuvor die Sommerzeit eingeführt hatten. Die Sommermonate 1980 als Zeitinsel zusammen mit Liechtenstein waren in der Schweiz nicht praktikabel.

4. Ohne Sommerzeit

Dass es auch ohne Zeitumstellung geht, praktiziert in Europa Island seit fast 30 Jahren. Per Gesetz schafften die Insulaner 1968 die Sommerzeit ab. In Afrika nutzt derzeit kein einziges Land eine Sommerzeit. Das war nicht immer so. Namibia verabschiedete sich 2017 davon, die Zeiger zu verstellen. Und Marokko tat es recht spektakulär im letzten Jahr, als die Regierung äusserst kurzfristig am Freitag vor der herbstlichen Zeitumstellung das Rückdrehen der Zeiger für beendet erklärte und dauerhaft die Sommerzeit einführte. Die Verwirrung war komplett als manche Computersysteme automatisch die Zeit umgestellt hatten und die Menschen nicht so genau wussten, wie spät es den nun sei.

5. Viermal Zeitumstellung

Apropos Marokko: Das Land kann mit einer weiteren Besonderheit in Sachen Zeitumstellung aufwarten. Als ob zweimal im Jahr nicht genug wären, stellte Marokko gleich viermal die Uhren um. In der Sommerzeit wurde jeweils extra im Fastenmonat Ramadan kurz die Zeit zurückgestellt. Damit die islamischen Gläubigen beim Hungern nicht so lange auf den Sonnenuntergang und damit auf das Fasten brechen warten mussten.

Ganz einzigartig war diese vierfache Umstellung nicht. Im Jahr 1947 probierte Deutschland nach der einstündigen Zeitumstellung im Mai, den Nachkriegsbewohnern im April eine weitere Stunde am Abend Helligkeit zu bescheren. Sie mussten allerdings auch zwei Stunden früher aus dem Bett. Kein Wunder, dass sich diese “Hochsommerzeit” nicht bewährte.

6. Zeitmesser vor- oder zurück

Es ist jedes halbe Jahr die gleiche Frage: Stellen wir die Uhren vor oder zurück? Da wir und noch mindestens vier oder fünf mal damit befassen müssen. Hier die Eselsbrücke: So wie wir im Sommer die Gartenmöbel vor das Haus stellen, stellen wir auch die Uhren vor - und im Herbst stellen wir Möbel und Uhr wieder zurück.

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