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20 Jahre nach dem Tod von Senna in Imola

20 Jahre sind es her, seit Roland Ratzenberger und Ayrton Senna in Imola tödlich verunglückt sind. Die zwei schwarzen Tage haben viel Tragik, Trauer und neue Sicherheitsbestimmungen gebracht.

Ratzenberger, der in Imola erst seinen zweiten Grand Prix bestritten hätte, war am Samstag, 30. April, im Qualifying in den Tod gefahren. Am Auto war bei Tempo 320 ein Teil des Frontflügels weggebrochen. Der 33-jährige Salzburger sass am Steuer eines Simtek, eines Billigmodells mit veraltetem Material. Selbst die vom maroden englischen Rennstall eingesetzten Ersatzteile sollen teilweise Gebrauchtware gewesen sein.

24 Stunden später trauerte die Formel 1 (und mit ihr ein grosser Teil der gesamten Sportwelt) nach dem Tod Sennas um einen ihrer bis heute Besten und Grössten. Der Brasilianer war im Grossen Preis von San Marino in der berüchtigten Tamburello-Kurve verunfallt, nachdem am Williams die Lenkstange gebrochen war. Das nicht mehr steuerbare Auto war mit 330 Stundenkilometern geradeaus gegen die Betonmauer gefahren, ein Teil der Radaufhängung hatte den Helm von Senna durchschlagen und sich in den Kopf des 34-Jährigen gebohrt.

Mit Senna hatte die Formel 1 ihre (damalige) Ikone verloren, einen dreifachen Weltmeister, der die Szenerie beherrschte, dessen Denken aber weit über die Abschrankungen an den Rennpisten hinausging. Er war nicht nur ein hochbegabter Künstler am Steuer. Senna gehörte auch zu den charismatischsten Figuren in der Scheinwelt Formel 1. Er war ein sozial denkender Schöngeist, ein Wohltäter, der gerne mit jenen Mitmenschen teilte, für die das Leben keine Hauptrolle vorgesehen hatte, die ihren täglichen Kampf ums Dasein ausfochten. Brasilien trauerte um einen Nationalhelden, die Formel 1 hatte den Verlust eines schon zu Lebzeiten zur Legende gewordenen Fahrers zu verarbeiten.

Senna hat nicht nur in den Rekordlisten der wichtigsten Klasse im Automobilrennsport mit seinen drei Titeln, 41 GP-Siegen und 65 Pole-Positions seinen Platz gefunden. Sein Name bleibt auf ewig auch mit den Reformen in der Formel 1 verbunden. Das Thema Sicherheit wurde grösser denn je geschrieben und entsprechend prioritär behandelt. Der Internationale Automobil-Verband FIA verknüpfte die Konstruktion der Autos mit immer strengeren Auflagen, die Auslaufzonen an den Strecken wurden grosszügiger konzipiert - Veränderungen, die ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Seit den Unfällen von Senna und Ratzenberger hatte die Formel 1 keine Todesopfer mehr zu beklagen.

Die von der FIA initiierten rigorosen Veränderungen haben neben dem Rennsport auch den Bau ziviler Fahrzeuge beeinflusst. "Ohne die Ereignisse von Imola hätten wir zwanzig oder dreissig Jahre länger gebraucht, um in Bezug auf die Verkehrssicherheit dorthin zu gelangen, wo wir heute sind", ist der damalige FIA-Präsident Max Mosley überzeugt. Josef Leberer, heute in Diensten des Teams Sauber, ist sich sicher: "Ayrton ist irgendwie auch für die anderen gestorben."

Physiotherapeut Leberer hatte zu den engsten Vertrauten Sennas gehört. Sieben Jahre arbeitete der Salzburger mit dem Brasilianer zusammen. "Er war ein guter Freund. Es war wie in einer Familie, wie wenn man ein Kind verloren hätte." Die Gedanken an die tragischen Momente in Imola werden Leberer zeitlebens begleiten. "So etwas vergisst man nie. Ich habe im Flugzeug elf Stunden direkt neben dem Sarg Totenwache gehalten. Ich war auch als Sargträger vorgesehen, hatte aber abgelehnt." Leberer erlebte auch den Stellenwert Sennas hautnah mit, den er in seinem Heimatland besessen hatte. "Vor der Landung in Sao Paulo sind die Abfangjäger mitgeflogen, in Brasilien waren Millionen auf der Strasse. Wie wenn eine Gottheit gestorben wäre. Solche Eindrücke habe ich nie wieder erlebt."

Die Popularität Sennas ist auch über die Grenzen der Heimat hinaus ungebrochen. Kaum ein Fachblatt, kaum eine Zeitung, die dieser Tage nicht über die traurigen Geschehnisse von damals berichtete, an jene schwarzen Tage des 30. April und 1. Mai 1994. In Imola, dem Ort der Tragödie, werden die Aktivitäten zur Erinnerung an das wohl schwärzeste Kapitel in der Geschichte der Formel-1-WM gleich während fünf Tagen vonstatten gehen. Zeit genug, um die Hochachtung und Wertschätzung für die Leistungen des Sportlers und Menschen Senna zu manifestieren.

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