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Die letzte Gelegenheit

Pedro Spinola (34) spielt seit dem Sommer im rechten Rückraum für den BSV Bern Muri. Der Portugiese ist ein routinierter Akteur, der Lücken in der gegnerischen Abwehr erkennen kann.

Jetzt in Gümligen zu Hause: BSV-Handballer Pedro Spinola.
Jetzt in Gümligen zu Hause: BSV-Handballer Pedro Spinola.
Raphael Moser

An einen Wechsel ins Ausland dachte Pedro Spinola immer wieder. Und doch verliess er erst im Alter von 34 Jahren Portugal. Fünfmal hatte er in seinem Heimatland den Meistertitel gewonnen, dreimal war er Torschützenkönig gewesen. «Vereine aus Frankreich hatten immer wieder Interesse», sagt Spinola. «Stets besass ich aber noch einen weiterlaufenden Vertrag bei meinem jeweiligen Verein.» Im Handball werden selten Spieler aus laufenden Kontrakten herausgekauft; Transfers erfolgen meist nach Vertragsende.

Im letzten Sommer lief Spinolas Arbeitspapier bei Braga aus; im fortgeschrittenen Sportleralter fast schon die letzte Gelegenheit, in einem anderen Land zu spielen. Die Wahl fiel auf den BSV Bern Muri. «Der BSV meldete sich als erster Klub bei meinem Agenten. Wir führten Gespräche, das Projekt in Bern überzeugte mich. Zu den Verantwortlichen fand ich sofort einen Draht», sagt der Linkshänder. Auch franzö­sische Klubs hatten erneut Interesse am Linkshänder gezeigt; er war aber schon in Bern im Wort gestanden.

Vertraute Waren

Und so sitzt der Portugiese an einem grauen Novembertag in einer Garderobe der Gümliger Mooshalle und erzählt in gutem Englisch über sein Leben, seinen sportlichen Werdegang und die Unterschiede zwischen der Schweiz und seiner Heimat. Er erwähnt das Wetter. «Da muss ich mich noch daran gewöhnen. In Portugal ist es jetzt immer noch 20 Grad warm, hier 5 Grad», sagt er. Er sei erstaunt gewesen, wie viele ihm vertraute Waren er hier in den Läden vorfand. «Das liegt wohl daran, dass in der Schweiz viele Migranten aus Portugal leben», sagt Spinola. Geboren war er auf der Insel Madeira, bereits als Kleinkind zog seine Familie jedoch in die Region Lissabon. Die Karriere führte Spinola in verschiedene Regionen Portugals, er spielte für den FC Porto, Sporting Lissabon und Braga.

Mit 187 Zentimetern ist er für einen Rückraumspieler nicht besonders gross gewachsen. Seine Stärke ist es, die Löcher in der gegnerischen Abwehr zu erkennen und dann mit Durchbrüchen oder klugen Pässen auf die Mitspieler für Torgefahr zu sorgen. «Ich bin kein zwei Meter grosser Rückraumschütze, der über die Abwehr hinwegwerfen kann», sagt Spinola. «Ich hatte mein Spiel von Beginn der Karriere an anders ausrichten müssen.» Seine immense Erfahrung kommt dem Südwesteuropäer zugute, wenn es darauf ankommt, das Spiel zu lesen.

Familie ist das Wichtigste

Während einer Partie achtet er darauf, ruhig zu bleiben. «Es bringt nichts, auf dem Feld herumzuschreien und grosse Emotionen zu zeigen», sagt er. «Man verliert leicht den Fokus aufs ­Wesentliche.» Spinola ist kein Spieler, der auf Spektakel aus ist, auch neben dem Feld ist er ein unscheinbarer Typ. Zusammen mit der Partnerin und dem anderthalb Jahre alten Sohn wohnt er nahe der Halle in Gümligen. «Die Familie ist das Wichtigste», sagt er. «Ich will vor allem für sie da sein.» Gerne hält er sich auch in Bern auf. «Ich mag die Stadt sehr.»

Der BSV Bern Muri ist sehr gut in die Saison gestartet und belegt vor dem Heimspiel gegen Suhr Aarau (morgen, 17.30 Uhr) den zweiten Platz. Spinola warnt davor, in grosse Euphorie zu verfallen. «Wir müssen weiter hart arbeiten», sagt er. «Es ist erst November, noch haben wir nichts erreicht.» Mit seiner Erfahrung ist Spinola einer der Akteure, die die Berner auf dem richtigen Kurs halten können.

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