«Mein 8-jähriger Sohn hat sich eine goldene Nase verdient»

Der Tag nach dem historischen Formel-E-Rennen: Wie weit sind die Abbauarbeiten? Und was sagen die Anwohner jetzt? Ein Augenschein.

Am Montagmorgen noch eine grosse Baustelle: Das Mythenquai. Video: Tamedia/Fabian Sanginés

Der Verkehr läuft wieder, am Mythenquai und auf dem General-Guisan-Quai. Und das so flüssig, wie es an einem Montagmorgen gegen 8.30 Uhr in der Zürcher Innenstadt halt möglich ist. Kaum ein Hindernis sind aber die blauen Banden und Tribünen am Strassenrand, oder die Holzbauten über der Strasse. Sie erinnern an den Grund, weshalb am Sonntag mehr als 100'000 Besucher ins Engequartier geströmt sind: das erste Formel-E-Rennen in der Schweiz.

Wer am Seebecken entlangspaziert, erkennt schnell, dass einiges los gewesen sein muss. Die meisten Verpflegungsstände rund um den Bürkliplatz sind zwar abgebaut, auf der Rentenwiese sind die Arbeiten allerdings noch im vollem Gang. So auch beim Hafen Enge, insbesondere beim Carparkplatz. Da, wo gestern die Boxengasse war.


Video: Die privilegierten Plätze

So erlebten die VIPs das Rennen in Zürich. Video: Lea Koch und Fabian Sanginés


Offenbar sind sie dort leicht im Verzug. Lastwagen werden noch beladen, die eigentlich vor zwei Stunden schon wieder hätten weg sein müssen. Die noch andauernden Bauarbeiten nerven Anwohner und Seebesucher auch am Tag danach. Einig sind sich die meisten Befragten, dass die Formel E einen gespaltenen Eindruck hinterliess. So lautet der Konsens, dass der Anlass interessant war, aber für einen Tag etwas übertrieben gross gefahren wurde. «Wenn man bedenkt, was man mit diesen 14 Millionen Franken sonst so machen könnte», sagt Anwohnerin Larissa Mettler. Immerhin hat sich der Event für ihren achtjährigen Sohn gelohnt: «Er hat an der Strasse Limonade verkauft – und sich damit eine goldene Nase verdient.» Angesichts der wenigen Getränkestände für die Öffentlichkeit hat auch die ab und zu vorbeigehende Polizei ein Auge zugedrückt.

Eine andere in der Region wohnhafte Frau war mit dem Anlass zwar zufrieden, ist sich aber unsicher, ob eine mehrfache Ausführung Sinn macht: «Viele der Besucher sind wohl gekommen, weil es möglicherweise eine einmalige Sache war.» Sie fände es sinnvoller, die Strecke auf einem alten Gelände ausserhalb der Stadt aufzubauen – auch wenn es gerade die zentrale Lage war, die das Rennen insbesondere für die Fahrer und Fans so speziell gemacht hat. Immerhin: Die Siegerehrung mit dem See im Hintergrund habe ein schönes Bild abgegeben – und sei eine schöne Werbung für die Stadt Zürich gewesen.


Video: Stadtpräsidentin Mauch übergibt den Siegerpokal

Lucas Di Grassi erhält die Trophäe nach dem Sieg in Zürich. Video: Tamedia/SRF


Das Rennen vollständig ignoriert haben drei Mitglieder des ansässigen Ruderclubs. Sie stört, dass der Zugang zu ihrem Club derzeit gesperrt ist. Ganz so negativ wie vor einer Woche ist die Stimmung gegenüber der Formel E zwar nicht mehr – ob die Anwohner aber dennoch von einer zweiten Ausführung zu überzeugen sind, scheint noch nicht selbstverständlich. Klar ist einzig: die Organisatoren würden gerne auch im nächsten Jahr ein Formel-E-Rennen in Zürich austragen.

fas

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