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1:4 – Der FC Zürich desillusioniert

Die Zürcher sähen sich gerne auf Augenhöhe mit dem FCB. Jede Menge Eigenfehler und ein 1:4 zeigen, dass sie das nicht sind. Die Basler dagegen sind neuer Leader.

Basels Carlitos schloss in der Nachspielzeit einen Konter und ein wunderbares Zuspiel von Jürgen Gjasula zum 4:1 ab — aus Zürcher Sicht eine Ohrfeige. Dabei war der FCZ angetreten, um Rivale Basel zu fordern und zu überholen. Der vierte Basler Treffer aber verbreitete Desillusion im Stadion, und es leerte sich schlagartig; noch etwa die Hälfte der 14 200 dürften den Schlusspfiff erlebt haben. Der FCZ hat nach diesem Match fünf Punkte Rückstand auf den neuen Leader FCB.

Zu ängstliche Zürcher

Es war kein Duell auf Augenhöhe gewesen, obwohl sich die Ambitionen beider Mannschaften wieder ähneln. Basel gab ein hohes Tempo vor, mit der die Zürcher in den ersten Minuten der Partie grösste Schwierigkeiten bekundeten. Ivan Ergic verpasste nach einem Doppelpass mit Eren Derdiyok die frühe Führung vorerst knapp. Eine Minute später aber, wiederum war Derdiyok der Passgeber, gelang dem FCB doch das 1:0. Valentin Stocker, übermorgen Mittwoch wie Zürichs Almen Abdi einer der Debütanten im Nationalteam, profitierte von Fehlern in der FCZ-Abwehr, enteilte Florian Stahel und düpierte auch Andrea Guatelli. Dieser vertrat im Tor den gesperrten Johnny Leoni, gegen Stockers Schuss war er chancenlos.

Die Zürcher ihrerseits agierten in der Startphase zu ängstlich und taten vor allem viel zu wenig für die eigene Offensive, während sie defensiv Mal für Mal unsicher standen. Folgenreicher Fehler Nummer 2 unterlief ihnen acht Minuten nach der Führung: Scott Chipperfield, nicht eben als Kopfballungeheuer bekannt, setzte sich auf eine Flanke von Derdiyok gegen Silvan Aegerter und Alain Rochat durch, wobei Letzterer nicht einmal aufsprang, um Chipperfield am Torerfolg zu hindern. In Anbetracht der Spielanteile in dieser Phase und der Basler Ruhe und Effizienz schien das 2:0 ein entscheidendes Tor.

Denn: Echte Offensivgefahr durch den FCZ entstand erst nach knapp 40 Minuten, in einer Phase, in der sich die Zürcher für ein paar Augenblicke wenigstens auf ihre Stärken besannen. Etwa sah Eric Hassli seinen Schuss aus der Distanz abgefälscht und von FCB-Goalie Franco Costanzo abgewehrt. Der Franzose war ohnehin bedeutend eifriger und bemühter als noch in der Uefa-Cup-Qualifikation gegen Graz, spielte diesmal in seiner bevorzugten Rolle als hängende Spitze. Seinen stärksten Moment hatte Hassli drei Minuten vor der Pause: Er preschte gekonnt und durch die halbe Basler Verteidigung in den Strafraum vor und scheiterte zwar wiederum an Costanzo - doch kam der Ball in der Folge zu Almen Abdi. Und dieser traf direkt und aus der Distanz zum sehenswerten 1:2.

Viele Freiheiten für Derdiyok

Auf Seiten des FC Zürich mag dank des Anschlusstreffers zur Pause Optimismus geherrscht haben, gegen ein Basel, das offensiv grössere Qualitäten bewies als defensiv, doch noch ausgleichen zu können. Nur neun Minuten nach der Pause allerdings leisteten sich die Zürcher den nächsten Aussetzer: Einen FCZ-Corner entschärfte Derdiyok mit dem Kopf an der Basler Strafraumgrenze und eilte seiner eigenen Vorlage hinterher. Von keinem der vier Gegenspieler wurde er daran gehindert, nahe vors Tor zu laufen, und selbst ein kurzes Warten, um Teamkollegen aufrücken zu lassen, wurde ihm freundschaftlich gewährt. Dann passte er über Daniel Stucki hinweg zu Carlitos, der mit einem satten Flachschuss zum 1:3 traf.

Ohne Aggressivität und Leidenschaft

Damit wich jegliche Spannung aus diesem Spitzenkampf, und Basel begnügte sich in der Folge mit vereinzelten Kontern, wobei sich besonders der eingewechselte Eduardo Rubio technisch gute Noten verdiente. Mühelos reichte es Basel, die Zeit verstreichen zu lassen, während auf der andern Seite zumindest Hassli nicht aufsteckte. Doch er war verloren gegen den längst souveränen FCB, der mit vier Gegentoren nach den ersten sechs Saisonspielen die zweitbeste Abwehr der Liga stellt (hinter Aarau). Und Hasslis Körpersprache verriet zunehmend Aussichtslosigkeit.

«Uns fehlten Aggressivität, Leidenschaft und Power im Sturm», bemängelte Trainer Bernard Challandes. Der Westschweizer hat, seit er beim FCZ ist, nur einmal gegen Basel gewonnen: beim 3:2 am 26. November 2006. Sieben Spiele dauert seither die Erfolglosigkeit gegen den Meister. Im Auswärtsspiel am kommenden Sonntag in Sitten laufen die Zürcher bereits Gefahr, den Anschluss an die Spitze zu verpassen.

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