Bussen als Ritual

Strafen für FCZ und FCB nach Fan-Randalen – was ist mit den Tätern?

15'000 Franken Busse: Sowohl der FC Zürich als auch der FC Basel werden wegen der Vorfälle vom 12. April zur Kasse gebeten.

15'000 Franken Busse: Sowohl der FC Zürich als auch der FC Basel werden wegen der Vorfälle vom 12. April zur Kasse gebeten. Bild: Keystone

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Gerechnet hatte Ancillo Canepa vor einem Monat mit dem aus seiner Sicht Schlimmsten: der Sperrung des Letzigrunds bei einem Heimspiel seines FC Zürich. Die Angst des Präsidenten entpuppt sich nun als unbegründet. Mit bloss je 15'000 Franken büsst die Disziplinarkommission der Swiss Football League den FCZ und den FC Basel für die Vorfälle vom 12. April, als Zürcher Anhänger im St.-Jakob-Park mit Böllern und Fackelwürfen einen Spielunterbruch provozierten.

Die Strafe mag milde wirken angesichts des medialen Getöses, das der Randale gefolgt war. Die Liga bleibt aber einer Linie treu, die sie seit Sommer 2009 fährt. Damals hatten sich FCB, FCZ und Luzern erfolgreich gegen verhängte (Teil-)Sperren ihrer Stadien gewehrt und die Liga zum Umdenken ihrer damaligen Politik bewegt.

Nur bei grosser Gefährdung

Seither werden Fans nur noch dann ausgesperrt, wenn es in Stadien zur Gefährdung von Leib und Leben kommt, wie beim abgebrochenen Derby zwischen dem FCZ und GC 2011 oder der Schlägerei in Aarau beim Meistertitel des FCB im Sommer 2014. Eine solche Gefährdung sah die Disziplinarkommission bei FCB - FCZ nicht. Tatsächlich wurden gefährliche Fackeln in Richtung Spielfeld geworfen, die allerdings im Sicherheitsnetz vor dem Gästesektor hängen blieben.

Es ist müssig, darüber zu diskutieren, ob die Strafe gegen die beiden Clubs höher hätte ausfallen sollen. Mehrfach wurde im Strafvollzug nachgewiesen, dass nicht die Höhe einer zu erwartenden Strafe mögliche Delinquenten von einer Straftat abhält, sondern eine grosse Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

Jene, die Seenotfackeln werfen und damit andere Menschen gefährden, werden aber durch hohe Bussen für Clubs nicht getroffen. Und Stadionsperrungen sind nichts anderes als Kollektivstrafen, die mit einer aufgeklärten Rechtsprechung wenig zu tun haben. Daran ändert auch nichts, dass sie vom Europäischen Fussballverband Uefa regelmässig verhängt werden.

Die Suche nach den Tätern

Die Geldbussen für den FCZ und den FCB tragen so die Züge eines Rituals. Irgendjemand muss offenbar zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die ganze Schweiz Bilder von einem scheinbar brennenden St.-Jakob-Park sieht. Für die Sicherheit in den Stadien jedoch wäre es weitaus wirksamer, könnten die wirklichen Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. Zu diesen gehören auch jene, die auf der Rückfahrt nach dem Spiel in Pratteln den Extrazug anhielten und Autos demolierten.

Es macht darum Sinn, dass sich die Liga vorgenommen hat, die Delinquenten in der Masse der unbescholtenen Fussballfans ausmachen und bestrafen zu wollen. Allerdings muss sie noch anhand eines konkreten Beispiels beweisen, dass es den Grundsätzen des Datenschutzes nicht widerspricht, Privatfirmen vor und nach Fussballspielen auch ausserhalb der Stadien filmen und fotografieren zu lassen. Liebhaber einer härteren Gangart, die auf eine deftigere Bestrafung des FCZ gehofft hatten, mögen sich damit trösten, dass die Zürcher Fans nach der Randale von Basel bereits mit einer Stadionsperre belegt worden sind: Für das Spiel in Aarau verhängte die Kantonspolizei Aargau ein Einreiseverbot für FCZ-Fans. 370 Polizisten standen deswegen im Einsatz. Eine Zahl, die beweist, dass auch Stadionsperren nicht der Weisheit letzter Schluss sind im Kampf um ruhige Fussballstadien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2015, 23:01 Uhr

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