FC Thun: Mit neuem Glauben und schöner Geste

Die Oberländer gewinnen in Luzern 2:0, sie belegen nun Rang 2. Es ist ein weiterer Beleg ihrer Entwicklung.

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Aus der Thuner Garderobe erklingt am Samstagabend Partymusik. Unweit davon steht Captain Dennis Hediger, breit wie ein Türsteher, und legt die Tonspur über den Sound. Er sagt: «Im ganzen Verein ist eine Aufbruchstimmung zu spüren. Wir haben einen positiven Flow.»

Der 2:0-Sieg beim FCL bringt den Oberländern Rang 2 ein und die Bestätigung, dass ihr Höhenflug mehr als eine Laune des Schicksals ist. Nach 11 Runden haben sie schon 18 Punkte auf ihrem Konto. So viele wie letztes Jahr im Dezember vor dem 18. Spieltag.

Weil sie gefestigt sind, sich auch in heiklen Phasen nicht von ihrem Weg abbringen lassen. Und ja, man darf es so schreiben: Weil sie derzeit im Stile eines Spitzenteams aus wenig viel machen können.

Das war vergangenes Jahr genau umgekehrt, als die Thuner attraktiv agierten, aber regelmässig mit leeren Händen dastanden. Jetzt belohnen sie sich, auch wenn es nicht optimal läuft. Bei GC gewannen sie 2:0, obwohl ihnen wenig glücken wollte. Vor zwei Wochen gegen den FC Zürich kamen sich nach 0:2 und einer über weite Strecken schwachen Darbietung zu einem 2:2.

Neuen Rasen nicht genutzt

In Luzern müssen die Oberländer nach ansprechendem Beginn leiden, sie werden zeitweise in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Sie beanspruchen auch Glück, vor der Pause vermag das Heimteam Ballverluste von Hediger und Matteo Tosetti nicht zu bestrafen. Nach 58 Minuten trifft FCL-Captain Pascal Schürpf beim Stand von 0:0 an den Innenpfosten.

«Wir nutzten den schönen neuen Rasen nicht aus», sagt Trainer Marc Schneider. In der Länderspielpause hatte der FCL die siebenjährige Unterlage, ligaweit die schlechteste, vorzeitig für 230000 Franken ersetzt. «Aber», meint Schneider weiter, «wir verteidigten solidarisch. Und vorne waren wir hocheffizient.»

Nach gut einer Stunde profitiert Topskorer Dejan Sorgic mit seinem schon 7. Saisontor von einem Fehler des FCL-Torhüters David Zibung. Es ist die erste klare Torchance der Gäste.

Und tief in der Nachspielzeit, die nach zwei Unterbrüchen wegen Pyros im Luzerner Fanblock ganze zehn Minuten dauert, sichert Dennis Salanovic mit seinem vierten Jokertor den Sieg. «Meine Spieler glauben an sich, weil sie in den letzten Monaten merkten: Mit diesem Team ist vieles möglich. Sie betrachten sich nicht mehr als die kleinen Thuner», sagt Schneider.

Schneiders Überraschungen

Dieser Mentalitätswandel ist natürlich vom guten Saisonstart begünstigt worden. Aber auch von Schneider, der seinem Team eine aktive Herangehensweise verordnet hat. Das Thuner Gegenpressing sowie das Umschaltspiel zählen zu den besten der Liga.

Wie Schneider funktioniert, zeigt sich in Luzern. Er hat den Mut, für den zuletzt wenig überzeugenden Roy Gelmi den unerprobten Miguel Rodrigues zu bringen. Der 21-jährige Romand, der zwar viel Talent, aber auch eine lange Verletzungshistorie hat, kommt überhaupt zum ersten Mal in der Super League von Beginn an zum Einsatz.

Zudem reagiert Schneider auf den Ausfall von Spielmacher Grégory Karlen mit einer Systemumstellung, die Oberländer agieren im 4-4-2, das sie letzte Saison oft praktiziert hatten. Spielmann rückt in den Sturm, seinen Platz am Flügel übernimmt nicht etwa der formstarke Salanovic, sondern Nuno Da Silva. Er war wie Rodrigues in dieser Saison noch keine Sekunde auf dem Platz gestanden.

Es ist der zweite überraschende Kniff – auch dieser erweist sich als richtig. «Die beiden drängten sich im Training auf», sagt Schneider. Zudem habe er Salanovic, der nach der Länderspielreise mit Liechtenstein erst am Donnerstag ins Training zurückkehrte, gefragt, wie er dem Team am besten helfen könne. Salanovics Antwort: als Joker.

Das spricht für den 22-jährigen Offensivakteur und den Teamgeist bei Thun. Captain Hediger findet, die schwierige letzte Saison habe die Mannschaft geeint. «Wir mussten enorm leiden», sagt er. Dann geht er in die Garderobe, dorthin, wo die Musik spielt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2018, 06:44 Uhr

Telegramm

Luzern - Thun 0:2 (0:0)


8250 Zuschauer. - SR Tschudi. - Tore: 64. Sorgic (Kablan) 0:1. 96. Salanovic 0:2.


Luzern: Zibung; Kakabadse, Lucas (81. Demhasaj), Knezevic, Schwegler; Grether, Schulz; Vargas, Gwilja (65. Schneuwly), Schürpf; Eleke.


Thun: Faivre; Glarner, Rodrigues, Sutter, Kablan; Hediger; Tosetti, Stillhart (91. Gelmi), Da Silva (62. Fatkic); Sorgic, Spielmann (72. Salanovic).


Bemerkungen: Luzern ohne Voca (gesperrt), Ndenge, Rodriguez und Lustenberger (beide verletzt).

Thun ohne Karlen, Righetti, Joss, Costanzo und Schwizer (alle verletzt). 58. Pfostenschuss Schürpf. 93. Pfostenschuss Sorgic.

Gelb-rote Karte: 84. Schwegler (Foul).

Verwarnungen: 5. Schulz (Foul), 31. Kakabadse (Foul), 66. Schwegler (Foul), 68. Sorgic (Foul), 70. Hediger (Hands), 83. Tosetti (Foul), 92. Kablan (Foul).

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